Erwartungen nicht erfüllt

Hans Obergruber vom Naturschutzzentrum und Christian Crone bei der Präsentation der Lerchenfenster für 2010.

WERDOHL ▪ Die Erwartungen waren groß, erfüllt wurden sie jedoch nicht. Im Herbst letzten Jahres hatte der Werdohler Landwirt Christian Crone vom Dösseln auf seinen Wintergerste-Feldern unterhalb des Riesen- und Limbergs insgesamt 50 und später beim Sommergetreide noch einmal weitere 15 sogenannte Feldlerchenfenster mit jeweils rund 20 Quadratmetern Fläche angelegt, um damit den in unserer Region selten gewordenen Lerchen gute Brutmöglichkeiten zu bieten. Diese Felder dienen den Vögeln als Einflugschneise. Das Fazit von Christian Crone, nachdem die Felder abgeerntet waren: „Es hat sich keine Lerche blicken lassen.“

Über die Gründe, warum es nicht geklappt hat, kann Landwirt und Naturschützer Crone nur spekulieren. Anfang Oktober 2009 hatte er noch davon berichtet, dass im weiten Bereich des Dösseln und der Brenge „zwei bis drei Brutpaare“ vorhanden seien, die man durch die Maßnahme halten wollte. Lerchen sind Zugvögel, weiß er. Nicht wissen könne man aber, was den Tieren „unterwegs passiert“.

Allerdings: Ganz ohne positive Resultate ist diese Aktion „1 000 Fenster für die Lerche“ nicht geblieben. Er habe beobachten können, dass sich eine gewisse Eigenflora in den Fenstern gebildet habe. Sie seien zudem stark von anderen Vogelarten angenommen worden – wie etwa von der Schaf- oder Bachstelze, von Zeisigen, Rotkehlchen und anderen Kleinvögeln. „Die haben hier zwar nicht gebrütet, aber sie konnten sich – gut geschützt – an Samen oder Ackerkräutern bedienen. Und auch das ist eine gute Sache“, freute sich Crone.

In jedem Fall wird er sich nicht entmutigen lassen. Auch für 2011 kündigt der Landwirt seine Beteiligung an dem Programm an, das die Stiftung Westfälische und Rheinische Kulturlandschaft und die NRW-Landwirtschaftskammer aufgelegt aber dabei die Region Märkischer Kreis zunächst nicht berücksichtigt hatten. Nicht zuletzt Dank der Initiative von Christian Crone war dieses Programm dann auch auf Gebiete im heimischen Raum ausgeweitet worden – neben Werdohl unter anderem auch auf Neuenrade, Balve und Plettenberg.

„Der Biotopwert stimmt“, weiß er, und wenn die Wintergerste Ende September/Anfang Oktober dieses Jahres in den Boden gebracht wird, dann wird er bei der Aussaat mit Hilfe der Drillmaschine wieder mindestens 50 Fenster für die Feldlerche anlegen – in der Hoffnung, dass dieser seltene Vogel zurück zum Dösseln und zur Brenge kommt. Normal schlüpft die erste Brut kurz vor dem Ährenschieben – bei der Wintergerste dann eben Mitte bis Ende Mai. Die zweite Brut folgt etwa fünf Wochen später in der Zeit des Sommergetreides.

Ziel aller Beteiligten bleibt es, die Lerchenbestände zu sichern, ihnen eine Zukunft zu garantieren und den Lebensraum dieser Vögel aufzuwerten. Abgesehen von der Feldlerche profitieren übrigens auch das Rebhuhn, der Goldammer und selbst der Feldhase von diesen Fenstern.

Rainer Kanbach

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