Erwachsene sollen sich nicht über Kinder ärgern

Die Kinder schreien es laut heraus: Wir wollen euch nicht ärgern, sondern einfach nur spielen. ▪ Fraune

WERDOHL ▪ Kinder sind nicht nur süß, sondern manchmal auch richtig laut. Dass dies beispielsweise bei Nachbarn nicht immer mit Freudestrahlen goutiert wird, ist hinlänglich bekannt. Um für mehr Verständnis bei Erwachsenen für spielende und schreiende Kinder zu sorgen, hat der Kita Zweckverband (siehe Info-Kasten) eine Kampagne gestartet, die unter dem Slogan „Mensch ärgere dich nicht“ steht. Tenor: Kinder haben ein Recht auf Spielen.

„Als Sprachrohr der Kinder“ sieht sich in Werdohl und der näheren Umgebung die Zweckverbandssprecherin Iris Diedenhofen. Der Ärger über eine Diskussion im Ausschuss, bei der es um das Kleinspielfeld Königsburg ging, ist bei ihr immer noch nicht verraucht. „Die Anwohner wollten das Spielfeld nicht, weil die Kinder zu laut spielen.“ Diedenhofen macht sich aber genau dafür stark, dass die Kleinen eine Lobby haben und eben nicht von den Erwachsenen vertrieben werden.

Einige Postkarten, Sticker und Poster sollen nun nach außen signalisieren: „Ich will doch bloß spielen.“ Die Kinder wollen die Älteren nicht ärgern, unterstreicht auch die Zweckverbandssprecherin. Erwachsene sollten sich nicht ärgern, wenn der Restaurantbesuch etwas lebhafter begleitet wird oder ein Ball mal über den Zaun geschossen wird und im eigenen Garten landet.

Mit großen Augen und sogar fast komplett still haben am Freitag die Kinder in der Tagesstätte St. Michael die Erklärungen der Leiterin Gisela Urbas verfolgt. Während die Kleinen anschließend direkt zum Mittagessen gingen, sollen die Eltern mit den Flyern für die Problemlage sensibilisiert werden.

Erste Gespräche hat die Zweckverbandssprecherin Iris Diedenhofen, zugleich Leiterin einer Kita in Plettenberg, bereits geführt. „Eltern haben mich schon auf die Aktion angesprochen.“ Zur Sprache kommen soll dabei stets, dass Kinder keinen Lärm machen, sondern dies ein natürlicher Ausdruck von Spielen ist. „Wer Kinderlärm als lästig empfindet, den stört es, dass ein Kind ‚Kind’ ist“, erklärt Peter Wenzel, Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes in der Pressemitteilung zu dem Aktionsstart.

Die Verantwortlichen hoffen zudem auf Unterstützung vom Bund und Land. So wird im NRW-Landtag aktuell über eine gesetzliche Regelung beraten. Gefordert wird: Geräusche von Kindern als zum Leben dazugehörig anzuerkennen und sie als „notwendige Ausdrucksform kindlicher Entfaltung, die in der Regel sozialadäquat zumutbar sind“ einzuordnen.

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