Kultur

Erste Live-Konzert nach Zwangspause

Die Musiker geben sich bei den Soli viel Mühe
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Die Soli, welche die Musiker an diesem Abend interpretieren, sind noch länger und noch entfesselter als sonst bei der Go Music.

Werdohl - „Das ist wie nach Hause kommen“ - Publikum und Musiker erfreuen sich am ersten Live-Auftritt nach der Corona-Zwangspause.

„Am 6. März 2020 fand hier das letzte Konzert statt – mit einer Go Music“, sagt Martin Engelien. Der einstige Klaus-Lage-Bassist ist mit seiner seit 25 Jahren aktiven Konzertreihe, bei der er mit wechselnden Gaststars auftritt, auch immer wieder gerne in der heimischen Musikkneipe Alt Werdohl zu Gast. „Wir haben den Laden also damals abgeschlossen und eröffnen ihn heute wieder – exakt 17 Monate später.“ Er schiebt hinter: „Die Menschen in Werdohl haben halt einen guten Geschmack!“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Doch nicht nur die Werdohler selbst, denn das „Alt“, wie es Fans kurzerhand nennen, hat auch weit über die Stadtgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf. So zum Beispiel bei Susanne Kleinesorge, Inke Tralau und Ralf Blauert. Die drei waren am Freitag eigens aus Iserlohn gekommen, „obwohl es wegen der Flut in Altena immer noch Straßensperren gibt“. So hätten sie sich jetzt eigens in Amecke Zimmer für die Übernachtung gebucht.

Stammgäste aus Iserlohn

„Wir waren auch schon vor Corona Stammgäste“, berichtet Tralau. „Das ‘Alt’ ist in weiter Runde die einzige Kulturkneipe auf diesem Niveau“, befindet Blauert. Kleinesorge fügt hinzu: „Die Menschen, die Du hier triffst, machen diese einzigartige Atmosphäre aus.“ Für die drei habe sofort festgestanden, dass sie zum ersten Konzert nach der Corona-Zwangspause herkommen. Kleinesorge umschreibt ihre Gefühle: „Das ist wie nach Hause kommen“ und strahlt.

Martin Engelien beantwortet im Backstage-Raum die Frage nach seinen Emotionen 15 Minuten vor seinem ersten Auftritt im Sauerland seit fast anderthalb Jahren wortgleich: „Das ist wie nach Hause kommen.“ Besser lässt es sich wohl nicht umschreiben, wie eng miteinander verbunden an diesem Ort Künstler und Fans sind. So sei es für den Bassisten auch eine Ehre gewesen, für August und September Go-Music-Bands zusammenzustellen, obwohl die Go-Music-Tour erst im Oktober wieder starten soll. „Die Konzerte in Werdohl sind also singuläre Ereignisse.“

„Fühle mich wie in meinen Element“

Nils Rohleder, 2. Vorsitzender vom Verein „Alt Werdohl Kulturförderung“, der mittlerweile die Musikkneipe betreibt, sitzt an der Kasse. Philipp Müller, 1. Vorsitzender, zapft an der Theke zusammen mit Ex-Wirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch. Einen Monat nach seinem 70. Geburtstag stellt Pöngse fest: „Ich fühle mich wieder in meinem Element.“ Darüber hinaus erläutert er: „Zwar habe ich Live-Konzerte vermisst. Doch durch die Beschäftigung mit meiner eigenen Musik, mit meiner Malerei und mit einem Umzug war ich gut abgelenkt. Ich hatte viel um die Ohren.“

Punkt 21 Uhr ist es dann soweit: Bassist Engelien, Drummer Dirk Sengotta, Gitarrist Christian Schwarzbach und Keyboarder Martin Gerschwitz betreten die Bühne, lächeln sich versonnen an und schlagen sich mit der sogenannten Ghetto-Faust gegenseitig ab. Engelien tritt ans Mikro, schaut in die Zuschauermenge, seufzt und sagt: „Mein lieber Schwan!“

Dann erzählt der Go-Music-Boss, dass Saitenzauberer Schwarzbach Probleme am Tag hatte: „Auf der Fahrt hierher wurde ihm übel. Er hat dann zwei Stunden im Auto geschlafen bei Crailsheim, bevor er weiterfahren konnte. Doch jetzt ist er wieder fit.“ Dann plaudert sich der Bassist den Frust von der Seele: „Kurz nach Ostern 2020 habe ich ja geglaubt, im Sommer könnte ich wieder unterwegs sein.“ Er holt tief Luft und fährt fort: „Naja, irgendwie haben wir das trotzdem überstanden und wir fühlen uns gut! Ihr auch?“ Der Jubel des Publikums an dieser Stelle kennt fast keine Grenzen.

Begeisterte Fans

Es folgt passenderweise „Feelin’ alright“ – ein Song, den Joe Cocker 1969 populär machte. Ganz gleich, ob im Laufe des Abends Gerschwitz über „Plenty of time“ singt, oder Schwarbach „Long way from Memphis“, eines fällt bei jedem Song der folgenden drei Stunden auf: Die Soli, die die vier Musiker an diesem Abend interpretieren, sind noch länger und noch entfesselter als sonst bei der Go Music. Das Quartett spielt sich gegenseitig die Bälle zu. Die Fans klatschen und johlen und immer wieder werden Wunderkerzen entzündet.

Die nächste Go Music findet am Freitag, 3. September, statt.

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