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Erster Schritt Richtung Therapie: Suchtberatung jetzt auch digital

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Suchtberatung digital: Über die „DigiSucht“ können Betroffene einen ersten Schritt in Richtung Therapie gehen.
Suchtberatung digital: Über die „DigiSucht“ können Betroffene einen ersten Schritt in Richtung Therapie gehen. © HORStMANN

Damit sie dort neben Informationen auch möglichst niedrigschwellig Wege zur professionellen Suchthilfe vorfinden, hat sich die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Plettenberg dazu entschlossen, sich der Plattform „DigiSucht – Suchtberatung digital“ anzuschließen.

Werdohl – „Zu niemandem ist man ehrlicher als zum Suchfeld von Google“ – es ist nicht zweifelsfrei überliefert, von wem dieses Zitat stammt, aber es hält, wenn wir ehrlich sind, auch einer kritischen Überprüfung stand. Und vielleicht offenbaren sich suchtgefährdete oder bereits an einer Abhängigkeit erkrankte Menschen eher dem Internet als Freunden oder der Familie.

Damit sie dort neben Informationen auch möglichst niedrigschwellig Wege zur professionellen Suchthilfe vorfinden, hat sich die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Plettenberg dazu entschlossen, sich der Plattform „DigiSucht – Suchtberatung digital“ anzuschließen.

„Seit Oktober 2022 ist die Suchtberatungsstelle eine der vier Modellberatungsstellen in NRW, die eine digitale Suchtberatung anbietet und mit daran arbeitet, die neu installierte Plattform zu testen und zu gestalten“, erklärt Sabine Schneider, Suchtberaterin und Suchttherapeutin. Gefördert wird das „DigiSucht-Projekt“ vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Verantwortlich für die Umsetzung ist die „delphi-Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH“.

Der Zugang für Ratsuchende ist dabei denkbar einfach: Auf der Internetseite (app.suchtberatung.digital) erfolgt eine einfache und anonyme Registrierung. Anschließend erfolgt die kurze Abfrage relevanter Vorabinformationen wie das Alter, das Geschlecht, die Art der Problematik und die Postleitzahl, damit eine möglichst lokale Zuordnung erfolgen kann.

„Für eine individuelle und geschützte Beratung wird eine erste Nachricht als Anfrage verfasst, die an die nächstzuständige Beratungsstelle geschickt wird“, erklärt Frank Horstmann, Suchtberater und Suchttherapeut. „Die eintreffenden Erstanfragen werden dann von uns zeitnah bearbeitet und beantwortet“, führt Horstmann weiter aus, „wobei Hilfesuchende dann ihrerseits die Möglichkeit haben, neben einer Beratung via E-Mail optional auch Live-Chat, Audio- oder Videotermine zu vereinbaren.“

Hierbei würde das Ziel angestrebt, für alle Menschen, die sich bislang nicht getraut oder nicht die Zeit gefunden haben, sich in ihrer Problematik zu offenbaren, einen niedrigschwelligen und zeitnahen Zugang zur professionellen Suchtberatung zu ermöglichen.

Gute Erfahrungen während Pandemie

Darüber hinaus biete die digitale Suchtberatung eine niedrigschwellige Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten zum Beratungsangebot vor Ort, was jedoch keineswegs die gewohnte Beratung ersetzen soll.

Weiterhin würde die Suchtberatungsstelle Plettenberg telefonisch und via persönlicher Beratungsgespräche Hilfen für erwachsene Menschen anbieten, die Probleme mit Suchtmitteln oder mit nicht-stoffgebundenen Süchten (zum Beispiel Spielsucht oder Medienabhängigkeit) haben.

Dieses Beratungsangebot richte sich auch an Angehörige suchtgefährdeter oder suchtkranker Menschen. „Die digitale Beratung ist somit eine sinnvolle Ergänzung“, erläutert Schneider, „um somit besser für Menschen erreichbar zu sein und zu bleiben, die weniger mobil sind und unsere Beratungsstelle nicht immer persönlich aufsuchen können oder wollen. Während der Corona-Pandemie konnten wir damit bereits gute Erfahrungen machen.“

Ambulante Therapie in Plettenberg

Und auch wenn nichts so beständig ist wie der Wandel, so bleibe der Bedarf an klassischen Beratungs- und Therapieangeboten unverändert groß. Die Aufgabenbereiche umfassen dabei vor allen Dingen offene Sprechstunden, Beratungs- und Therapiegespräche, Gruppenarbeit, Krisenintervention, Rückfallprophylaxe, Vermittlung in stationäre Maßnahmen sowie das Angebot der ambulanten Rehabilitation.

Schneider: „Seit 2009 bieten wir eine ambulante Suchttherapie in Plettenberg für alle Menschen an, die ihre Sucht in den Griff bekommen möchten und sich und ihre Lebensumstände nachhaltig verändern wollen, um dauerhaft abstinent leben zu können.“ Zunächst auf sechs Monate Behandlungszeit befristet, würden mittels wöchentlich stattfindender Einzel- und Gruppengespräche die Selbstkontrollfähigkeiten gestärkt, Strategien zur Rückfallvermeidung entwickelt und die Problemlösungskompetenz gesteigert.

Der Weg zur Therapie sei denkbar einfach. „Wir stellen für die Interessierten den Rehabilitationsantrag in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten“, erklärt Horstmann, „vorab informieren wir aber umfassend über die Therapie und beantworten Fragen, wie was kann ich erwarten oder was wird von mir erwartet.“ Dies geschehe in einem unverbindlichen ersten Beratungsgespräch oder, neuerdings möglich, via digitaler Beratung.

Kontakt

In Zeiten der Corona-Pandemie bittet die Suchtberatungsstelle zunächst um eine telefonische Kontaktaufnahme, Tel. 0 23 91 / 95 40 20. Danach erfolgen bei Bedarf persönliche Beratungsgespräche unter Berücksichtigung des aktuellen Hygiene-Schutzkonzeptes an der Bahnhofstr. 25 in Plettenberg (Paul-Gerhardt-Haus). Die Angebote der Suchtberatungsstelle unterliegen den Grundsätzen von Diskretion und Verschwiegenheit und sind für Hilfesuchende kostenlos.

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