Erste Zeugen vernommen

Eifersuchtsdrama vor dem Landgericht

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Werdohl/Hagen - Zu einer ersten Begegnung aller drei Beteiligten an dem Eifersuchtsdrama kam es am Donnerstag im Landgericht. "Wir waren noch in der Kennenlernphase", beschrieb eine 26-jährige Kölnerin ihr Verhältnis zum Opfer der Messerattacke.

Seiner ehemaligen Partnerin, der Angeklagten, saß sie zum ersten Mal gegenüber: „Ich wusste gar nicht, dass er in einer Beziehung war – schön (dass ich das jetzt auch weiß)“, erklärte sie auf Nachfrage des Vorsitzenden, ob sie gewusst habe, dass der Mann, den sie über das Internet kennengelernt hatte, eine Beziehung mit der Angeklagten pflegte.

Auch ihr hatte er irgendwelche Räuberpistolen darüber erzählt, wer ihn in seiner Wohnung mit einem Messer überfallen habe. Die Kölnerin besuchte den Schwerverletzten im Krankenhaus, wurde von der Polizei vernommen und verlor den damals 30-Jährigen anschließend völlig aus dem Blick: „Das war mir alles zu viel.“ Schon zuvor hatte sie allerdings eine erhebliche Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen aufgrund der Fernkontakte und der Realität eines wirklichen Mannes festgestellt: „Der war nicht so, wie ich mir den vorgestellt habe.“

Irgendwelche Räuberpistolen erzählt

Interessante Wortwechsel gab es auch bei der Vernehmung eines Freundes des Opfers. Rechtsanwalt Dirk Löber wollte wissen, warum der Zeuge diese Freundschaft später beendete. Wahrheitspflicht hin oder her – er würde doch auch nicht die Frage nach der Farbe seiner Unterhose beantworten, verweigerte der Zeuge standfest die Antwort auf eine weitere Frage, die seiner Meinung nach nichts mit dem Strafverfahren zu tun habe.

Ansonsten versicherte er, dass er sich ausschließlich der Wahrheit verpflichtet fühle und gab umfassend Auskunft über seine Rolle in dem Drama. Diese bestand hauptsächlich in einer Fahrt von der Wohnung des Opfers zum Krankenhaus, um die der schwer Verletzte gebeten hatte. Ein paar vage Hinweise auf den Verlauf der blutigen Auseinandersetzung hatte er ihm nur gegen die Zusicherung von Verschwiegenheit gegeben: „Wenn du das für dich behältst, verrate ich dir, was passiert ist.“

Aufschlussreich war eine Nachfrage des Nebenklagevertreters Andreas Klose. Er wollte von dem Zeugen wissen, ob die Angeklagte, mit der er ebenfalls in Kontakt stand, ihm jemals von einer Notwehrsituation berichtet habe. Das verneinte der Zeuge. „Sie hat gesagt, dass sie ihn attackiert hat.“

Vor diesem Hintergrund reagierte der Zeuge später heftig auf die Mitteilung, dass die Kontrahenten sich verloben wollten: „Ich war schockiert.“ Der Schwester des Angeklagten ging es nicht anders: „Ich bin nicht zur Verlobung gegangen."

Der Fall:

Die versuchte Tötung ihres ehemaligen Lebensgefährten wirft die Staatsanwaltschaft einer 31-jährigen Lüdenscheiderin vor. Die Frau gab zum Auftakt des Prozesses im Landgericht Hagen einen Messerstich gegen den 35-Jährigen in dessen Werdohler Wohnung zu. Den Tatvorwurf bestreitet sie allerdings: Sie sei an diesem 27. Juni 2013 in einer Notwehrsituation gewesen, nachdem er das Messer aus der Küche geholt habe.

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