Kommunalwahl 2020 

SPD erobert in Werdohl das Bürgermeisteramt zurück

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Die SPD feierte am Sonntagabend den Mann, der für sie das Bürgermeisteramt zurückerobert hatte. Andreas Späinghaus (vorne links) wird im Rathaus Silvia Voßloh ablösen.

Werdohl - Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) muss nach der Kommunalwahl das Bürgermeisterbüro im Werdohler Rathaus räumen. Mit Andreas Späinghaus (SPD) übernimmt ein neuer Mann. An den Mehrheitsverhältnissen im Rathaus haben die Wahlen indes wenig geändert. Eine kleine Partei frohlockt.

Die Werdohler SPD hatte sich am Sonntagabend in die Abgeschiedenheit des Hofes Kohlhage in der Deipschlade zurückgezogen, um gemeinsam auf die Ergebnisse der Kommunalwahlen zu warten. Am Ende eines spannenden Abend stand zumindest einer von ihnen im Mittelpunkt: Andreas Späinghaus. Der 61-Jährige hatte es tatsächlich geschafft, Amtsinhaberin Silvia Voßloh (CDU) aus dem Bürgermeisteramt zu drängen. Mit 158 Stimmen Vorsprung hatte er den Kampf um den Chefsessel im Rathaus gewonnen.

Spannender als ein Autorennen

Der Sieg des Herausforderers hatte sich im Verlauf des Abends allmählich abgezeichnet, doch sein Vorsprung wuchs und schrumpfte wieder, je nachdem aus welchem Wahlbezirk gerade ein neues Auszählungsergebnnis eintrudelte.

Er sei noch eine Runde Cabrio gefahren und habe dann das Formel-1-Rennen am Fernseher geguckt, berichtete Späinghaus davon, wie er den Wahlsonntag verbracht hatte. „Aber jetzt kribbelt es langsam“, bekannte er, als nur noch wenige Ergebnisse aus den Wahlbezirken fehlten und er im Rennen um das Bürgermeisteramt vorne lag.

Spannender konnte das Autorennen am Nachmittag auch nicht gewesen sein. Während sich unter seinen Parteifreunden schon Euphorie ausbreitete, trat der Kandidat selbst noch auf die Bremse: „Es ist nicht vorbei, bevor die dicke Frau gesungen hat“, bemühte er ein englisches Zitat in Bezug auf Wagners Oper „Götterdämmerung“, an deren Ende ein zehnminütiges Solo der stämmigen Brünnhilde steht. 

Parteichef hatte eine Vorahnung

Von einer Stimmung wie beim Untergang der Götter konnte bei der SPD an diesem Abend aber keine Rede sein, eher schon von der Freude auf den Anbruch eines neuen Zeitalters. Immerhin hatten sie, hatte ihr Kandidat nach sechs Jahren das Bürgermeisteramt für die SPD zurückerobert. Damit hatte man nicht unbedingt rechnen können.

In den Werdohler Wahllokalen - hier in der St.-Michael-Grundschule - wurde am Sonntagabend fleißig ausgezählt.


SPD-Parteichef Udo Böhme war wohl einer der wenigen gewesen, die einen SPD-Sieg bei der Bürgermeisterwahl für realistisch gehalten hatte. Offensichtlich interpretierte er die Stimmung in der Stadt richtig. Er habe „Rückmeldungen aus den Vereinen und der Bevölkerung“ erhalten, sagte er, als das Wahlergebnis feststand. Und er habe sogar einen deutlicheren Sieg erwartet.

Neuer Bürgermeister braucht Verbündete

Andreas Späinghaus, der seinen Wahlerfolg als Verdienst des ganzen SPD-Teams bezeichnete und den ersten Glückwunschanruf von der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag erhielt, gab zu, dass die letzten Minuten, in denen er auf das noch fehlende Wahlergebnis aus Pungelscheid gewartet hatte, „ausgesprochen anstrengend“ gewesen sei.

Dass er mit der zwölfköpfigen SPD-Fraktion keine politische Mehrheit im Rathaus habe, sei für ihn kein Problem, gab er zu verstehen. „Ich werde mir Verbündete suchen müssen, deshalb will ich mit allen im Rat vertreten Fraktionen zusammenarbeiten“, skizzierte er seine Herangehensweise. Er habe keine Ambitionen, als Bürgermeister Parteipolitik zu machen, wolle sich vielmehr „an den Bedürfnissen der Bürger und nicht denen der Partei orientieren.“ In dieser Hinsicht sehe er den 2017 verstorbenen Ex-Bürgermeister Siegfried Griebsch (SPD) als Vorbild.

Den ersten Glückwunschanruf erhielt Andreas Späinghaus von der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag.

Wahlverliererin in der Union isoliert

Ein wenig abseits ihrer Parteifreunde saß Bürgermeisterin Silvia Voßloh neben ihrem Mann draußen vor der Innenstadtkneipe Zum Spiegel. Schon nach den ersten ausgezählten Wahlkreisen habe sie geahnt, dass sie die Wahl verlieren könnte. Damit gerechnet hatte sie nicht: „Ich habe keinen Plan B.“

Nur in Momenten war ein wenig Enttäuschung in ihrer Mine auszumachen, ansonsten lächelte sie tapfer. Irritierend war, dass keiner der maßgeblichen CDU-Männer das persönliche Gespräch mit ihr suchte. Von Union war da nichts zu bemerken. Voßloh schien aber nicht unglücklich zu sein: „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Wo und wie, das wird sich zeigen.“ In den vergangenen sechs Jahren habe sie viel bewegen können für Werdohl, sie habe viele Erfahrungen gemacht.

Voßlohs Zeit endet am 31. Oktober

Ihre Zeit als Wahlbeamtin endet am 31. Oktober. CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Ohrmann freute sich, dass die Christdemokraten die meisten Stimmbezirke direkt gewinnen konnten. Dass die beiden „Neuen“, Lutz Hoffmann und Andreas Holthaus, ihre Bezirke auf Anhieb gewinnen konnten, sei besonders erwähnenswert.

Ohrmann selbst und Parteichef Seidel holten ihre Kreistagsmandate ebenfalls direkt. Ohrmann: „Die Stimmung wird aber durch das Ergebnis der Bürgermeisterwahl eingetrübt.“ Es sei eine Personenwahl gewesen. Silvia Voßloh habe ihre Erfolge nicht so darstellen können, dass sie wiedergewählt worden wäre.

Erschreckend sei die niedrige Wahlbeteiligung, sagte Michael Schürmann. Es sei immer schwerer, überhaupt Menschen für kommunalpolitische Arbeit zu finden.

Gute Stimmung bei der WBG

Richtig gut war die Stimmung bei der Werdohler Bürgergemeinschaft, die im Haus Werdohl ein klein wenig feierte. Fraktionsvorsitzender Thorsten Hänel war froh, dass die WBG wieder fünf Ratssitze gewinnen konnte: „Und von den fünf sind gleich drei neue Leute.“ Er sei auf jeden Fall zufrieden, auch wenn er selbst mit sechs oder sieben Sitzen gerechnet habe. Seit drei Wahlperioden sei die WBG nun das Zünglein an der Waage. Hänel verschmitzt: „Ohne uns gibt es keine Mehrheiten. Und das ist gut.“

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