Erinnerung an christliche Minderheiten

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Alexander Lindt von der Organisation Open Doors war als Gastprediger zum Eröffnungsgottesdienst gekommen.

Werdohl - Jesus lehrt Beten – das ist das Motto der Internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz. Diese wurde am Sonntag in der Kreuzkirche mit einem verkürzten Gottesdienst eröffnet und dauert bis Sonntag.

Pfarrer Martin Buschhaus erklärte, Beten müsse gelernt werden – und es könne auch wieder verlernt werden. Dabei gehe es beim Gebet nicht zuerst um einen selbst, sondern um Gott. Zur Einführung in die Gebetswoche 2015 war Gastprediger Alexander Lindt nach Werdohl gekommen. Er arbeitet für die Organisation Open Doors, die sich für verfolgte Christen in Krisengebieten einsetzt und in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

Lindt selbst war bereits in betroffenen Gebieten wie dem Irak und berichtete im Rahmen des Gottesdienstes über seine Erfahrungen. Zu den Aufgaben der Organisation vor Ort gehörten Seelsorge-Schulungen und Traumabegleitung für Kinder. Auch Glaubenskurse für Christen muslimischer Herkunft bieten die Mitarbeiter der Organisation an.

Der Gastprediger wies darauf hin, dass es in Kurdistan vor 20 Jahren noch 1,3 Millionen Christen gegeben habe. Heute seien es weniger als 300 000. „Es ist wichtig, darüber zu sprechen, von diesen Menschen zu hören und an sie erinnert zu werden.“ Im Irak seien Christen bereits im ersten Jahrhundert angesiedelt gewesen. Heute betrage ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung jedoch lediglich 3,2 Prozent.

Christliche Kirchen in Krisengebieten mit Flüchtlingen überfordert

Diese Situation sei besonders für Konvertiten kritisch. „Sie müssen ihren Glauben verstecken. Ansonsten drohen ihnen die Todesstrafe oder Diskriminierung“, erläuterte der Gastprediger. Als Beispiel nannte er einen Ex-Muslim, der nach dem Übertritt zum Christentum von seiner eigenen Verwandtschaft verfolgt worden sei und mittlerweile sogar den Irak verlassen musste. Die christlichen Kirchen in den Krisengebieten seien mit den Massen an Flüchtlingen jedoch überfordert.

Auch in Syrien sei Open Doors aktiv. Momentan würden 9000 syrische Familien unter der Obhut der Organisation stehen, die ihnen Hilfe für drei weitere Jahre versprochen habe. Der Anteil der christlichen Bevölkerung in Syrien beträgt nur 10 Prozent und stellt somit eine Minderheit dar.

Christliches Denken durch Politik und Ereignisse wie in Paris beeinflusst

Trotz der erschreckenden Entwicklung appellierte Lindt an die Gläubigen: „Lasst uns Muslime nicht verurteilen, sondern lernen, sie zu lieben, wie Jesus es sagte.“ Damit komme zwar eine große Herausforderung auf die Christen zu. Ihr Denken werde jedoch auch stark durch die Politik und durch Ereignisse wie jüngst in Paris beeinflusst.

In dieser Hinsicht seien die Christen in den Krisengebieten den europäischen ein ganzes Stück voraus, denn sie wüssten, wie man mit Muslimen zusammenlebt. „Genau das ist es, was auch wir lernen müssen.“

"Wir hoffen, dass der Krieg endlich zu Ende geht"

Im vergangenen Jahr seien rund 14 Millionen Euro Spenden für die Organisation Open Doors zusammengekommen. Auch die Kollekte des Eröffnungsgottesdienstes ist für die Opfer der Christenverfolgung in Problemländern gedacht.

Lindt forderte abschließend dazu auf, für die Menschen zu beten, die in diesen schlimmen Zuständen gefangen seien, nur weil sie der Minderheit angehörten und an Jesus Christus glaubten. „Wir hoffen, dass der Krieg endlich zu Ende geht und bedanken uns für die Unterstützung.“

Von Isabella Pinkawa

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