Erich Kästner-Hauptschule steht vor dem Aus

Schulleiter Thomas Lammers ist enttäuscht.

WERDOHL ▪ Thomas Lammers klingt niedergeschlagen. „Ich bin enttäuscht, dass unsere Arbeit nicht durch die entsprechenden Anmeldezahlen gewürdigt wird“, sagt der Leiter der Erich Kästner-Hauptschule.

Am Dienstag um zwölf Uhr endete die Anmeldefrist für die Hauptschule. Das ernüchternde Ergebnis: Es liegen nur zwei Anmeldungen für den regulären und drei für den gemeinsamen Unterricht vor. Das bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit das Aus für die Schule. Fachbereichsleiter Michael Grabs bestätigt das zwar nicht, schildert aber den „üblichen Weg“, wenn keine Eingangsklasse zustande kommt: „Nach Ablauf von drei Jahren wird die Schule geschlossen. Das würde bedeuten, dass es 2015 keine Hauptschule mehr gibt.“ Dann würde man sich bemühen, die verbleibenden beiden Jahrgänge einer anderen Schulform zuzuweisen, sie aber weiter im Klassenverband zu unterrichten. Die Schüler, die jetzt angemeldet worden seien, bekämen Gelegenheit, sich an einer anderen Schule anzumelden.

Das letzte Wort bezüglich der Schulschließung haben die Verantwortlichen der Bezirksregierung Arnsberg. „Es ist noch keine Entscheidung getroffen worden“, betont Christoph Söbbeler. Der Pressesprecher der Bezirksregierung weist darauf hin, dass Werdohl kein Einzelfall sei. Deshalb müsse man sich nun zunächst einen Überblick bezüglich aller Hauptschulen verschaffen – und dann Einzelfallentscheidungen treffen. Dass die Werdohler Schule bereits im vergangenen Jahr eine Ausnahmegenehmigung aufgrund der geringen Anmeldezahlen erhalten hatte, spiele keine Rolle.

Die heimischen Kommunalpolitiker reagierten unterschiedlich. „Es war eine Abstimmung mit den Füßen und die Entscheidung der Eltern“, kommentiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Cornelius Böttcher. Kommunalpolitische Entscheidungen seien jetzt überflüssig – die Bezirksregierung Arnsberg werde nun handeln. Böttcher: „Wir müssen nur aufpassen, dass den Hauptschülern keine Nachteile entstehen.“

„Ich glaube, dass uns das Heft des Handelns aufgrund der Anmeldezahlen aus der Hand genommen wird, weil der Gesetzgeber – in diesem Falle die Bezirksregierung – genau festlegt – mit welcher Schülerzahl eine Schule überlebensfähig ist“, sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU, Stefan Ohrmann. Eine Gemeinschaftsschule stehe – so Ohrmann – nicht zur Diskussion, weil es in Werdohl eine gut funktionierende Gesamtschule gebe.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Hermes ist für einen Moment sprachlos, als er von den Anmeldezahlen erfährt. Damit habe er nicht gerechnet. Die Qualität der Schule sei unbestritten. Mit zwei Schülern könne aber keine Klasse eröffnet werden. Die Eltern hätten mit den Füßen abgestimmt.

Willibald Mertens (WBG) sagt: „Jetzt gibt es viel zu bedenken“. Die WBG habe ohnehin einen Termin mit Thomas Lammers vereinbart, nun müsse der Schulleiter unbedingt eingebunden werden. Mertens fordert zudem dringend eine Bildungskonferenz. Auch der Schulentwicklungsplan müsse schnell überarbeitet werden. ▪ cwi/ute

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