Einrichtungen froh über Testmöglichkeit

Erheblicher zusätzlicher Aufwand: Schnelltests in Altenheimen fordern das Personal

Eine Helferin in Schutzkleidung zeigt einen Testträger für einen Schnelltests auf das Coronavirus.
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Eine Helferin in Schutzkleidung zeigt einen Testträger für einen Schnelltests auf das Coronavirus.

Bei der Konferenz von Bund und Ländern am Mittwoch haben die Politiker über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Ein Teil der Gespräche drehte sich ein weiteres Mal um Seniorenheime, deren Bewohner besonders gefährdet sind und die im Falle einer Infektion schwere Krankheitsverläufe entwickeln können. Wir haben in den Pflegeeinrichtungen im Lennetal nachgefragt, wie es mit den Schnelltests läuft und was sich nach der Konferenz ändert.

Lennetal – Bei der Konferenz von Bund und Ländern am Mittwoch haben die Politiker über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Ein Teil der Gespräche drehte sich ein weiteres Mal um Seniorenheime, deren Bewohner besonders gefährdet sind und die im Falle einer Infektion schwere Krankheitsverläufe entwickeln können. Aktuell ist mit dem Wichernhaus auch eine Einrichtung in Werdohl betroffen (wir berichteten). 31 der 67 Bewohner und 16 der rund 80 Angestellten wurden positiv auf Covid-19 gestestet. Die Verläufe sind bislang nicht schwerwiegend.

Schon seit Anfang November werden bei Bewohnern, dem Personal und auch bei Angehörigen, die zu Besuch in die Pflegeeinrichtungen kommen, sogenannte Point-of-Care-Schnelltests (PoC) durchgeführt. Die Minister stießen in ihrer Konferenz am Mittwoch an, dass genau diese Tests weiter ausgebaut werden sollen. Bis zu 30 Stück sind pro Monat für jeden Bewohner vorgesehen. Im Seniorenzentrum Haus Versetal ändert sich durch den neuen Beschluss der Politiker nicht viel. Man teste schon im November häufiger als der jetzt noch empfohlene Wert von 20 Mal.

„Unsere anfängliche Kalkulation haben wir schon nach ein oder zwei Wochen erhöht“, sagt Pflegedienstleiter André Sikora. Anfang November hatte er kalkuliert, dass im Haus Versetal pro Monat 250 PoC-Tests benötigt würden. „Inzwischen machen wir ungefähr 450 Tests“, so der Pflegedienstleiter.

Erheblicher Mehraufwand für die Pflegeheime

Dass die Testungen einen erheblichen zusätzlichen Aufwand für das Personal darstellen, wie es Sikora vor einigen Wochen vermutet hatte, habe sich bestätigt. Allerdings nehme das Pflegepersonal diesen Aufwand gerne in Kauf. „Die Testungen sind ein riesengroßer organisatorischer Aufwand. Im Team ist das aber stemmbar. Die Tests geben einem erheblich mehr Sicherheit. Das tut uns allen gut.“ Insbesondere mit Blick auf steigende Besuchszahlen seien die POC-Tests ein wichtiger Mehrwert zum Schutz der Bewohner und auch der Mitarbeiter. „Die Besuche nehmen tatsächlich zu, das hatten wir eigentlich anders eingeschätzt“, sagt Sikora. Besorgt sei er deswegen nicht.

Franz-Josef Rademacher, Leiter der katholischen Pflegeeinrichtung St. Johannes in Balve, ist für die Möglichkeit der Schnelltests sehr dankbar: „Wir sind froh, dass wir das machen dürfen. Die Tests sind eine gute Sache und ermöglichen uns, schnell zu reagieren“, so Rademacher.

Das gleiche Bild im Perthes-Seniorenzentrum in Neuenrade: Auch dort steht man den Testungen sehr positiv gegenüber. „Wir testen Bewohner und Personal zweimal im Monat, also ungefähr alle zwei Wochen. Besucher streichen wir ab, wenn sie Symptome haben“, sagt Petra Wegener, Leiterin der Einrichtung. Grundsätzlich lasse man Besucher mit Krankheitssymptomen nicht ins Haus, bei Bewohnern, die palliativ versorgt werden, müsse man aber gelegentlich Ausnahmen machen.

Gewissheit bei Erkältungssymptomen

In St. Johannes teste man „sehr anlassbezogen“. Wenn ein Pflegemitarbeiter beispielsweise Krankheitssymptome hat, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stehen könnten, werde ein PoC-Abstrich gemacht. Fällt der Test negativ aus, darf der Pfleger arbeiten. „Bei uns waren bisher zum Glück alle Tests negativ“, zieht Rademacher Bilanz. Die regelmäßigen Testungen sorgten für ein sichereres Gefühl bei allen. Daher steht Rademacher einer weiteren Erhöhung der Testrate grundsätzlich offen gegenüber.

Allerdings habe das Gesundheitsamt hierbei das letzte Wort. Rademacher kann die Entscheidung für oder gegen eine Erhöhung der Testrate nicht selbst treffen. „Die Menge an genehmigten Schnelltests ist davon abhängig, was das Gesundheitsamt uns, zum Beispiel in Anbetracht der Besuchsfrequenz, zugesteht.“ Die Genehmigung ist deshalb wichtig, weil nur genehmigte PoC-Tests refinanziert werden. Für St. Johannes seien derzeit noch 1120 Tests pro Monat vorgesehen. „Organisatorisch, logistisch und personell ist das ein riesiger Aufwand. Die zusätzlichen Personalkosten werden außerdem nicht refinanziert.“

Vorweihnachtszeit wird bereits geplant

Auch die Weihnachtstage haben die Verantwortlichen in den Einrichtungen längst im Blick. So ist im Haus Versetal bereits klar, dass die große Weihnachtsfeier mitsamt Bescherung ausfällt. „Das war sonst immer eine schöne Tradition“, bedauert Sikora. Stattdessen werde man „unter zusätzlichem Personaleinsatz“ kleinere Weihnachtsfeiern in den Wohnbereichen ausrichten. „So können wir die Tradition zumindest ein Stück weit beibehalten“, sagt Sikora.

Auch in St. Johannes werden Veranstaltungen wie Besuche von Kindergärten oder Musikvereinen abgesagt. Das gemeinsame Singen und Backen mit den Angehörigen muss ebenfalls ausfallen. Stattdessen wolle man sich andere Aktionen überlegen, um den Senioren eine Freude zu bereiten. Nicht stattfinden dürfe dabei jedoch eine Durchmischung der Wohngruppen. Gemeinsame Veranstaltungen im Speisesaal sind zum Beispiel ausgeschlossen. „Unterm Strich ist dieses Jahr deutlich weniger Weihnachten als sonst“, bedauert Rademacher. „Aber das betrifft alle Altersgruppen. 2020 muss jeder ein bisschen zurückstecken.“

Bewohner dürfen die Einrichtungen verlassen

Den Bewohnern, die noch mobil sind, steht es in allen Einrichtungen im Lennetal frei, die Pflegeeinrichtungen täglich für einige Stunden zu verlassen. Wer jedoch länger als sechs Stunden außerhalb der Einrichtung unterwegs ist, müsse sich bei der Rückkehr in Quarantäne begeben. „In der Regel sagt man, dass sich der Bewohner dann für mindestens fünf Tage in seinem Zimmer in Isolation begeben soll. Durch die PoC-Tests ließe sich diese Zeit vielleicht auch verkürzen. Aber für uns sind das ohnehin fiktive Szenarien. Bisher ist noch keiner der Bewohner so lange weg geblieben“, sagt André Sikora für das Haus Versetal.

„Diskutabel ist dieses Jahr sicherlich, wie sinnvoll es ist, die Senioren zur Bescherung oder zum Weihnachtsessen zu den Angehörigen nach Hause zu holen. Das sollte sich jeder gut überlegen und die Risiken für sich abwägen“, gibt Franz-Josef Rademacher zu bedenken. Verhindern könne und wolle man Besuche zu Hause nicht. „Das lebt von der Eigenverantwortung des Einzelnen.“

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