Erfolgreiche Suche für die Familienchronik

Dr. Volker Külow (links) wird auf der Suche nach den Wurzeln seiner Familie in Werdohl fündig.

WERDOHL ▪ Auf den Spuren der Vergangenheit und der Suche nach Dokumenten, die die Familiengeschichte aufhellen und ergänzen sollen, ist Dr. Volker Külow aus Leipzig mit Unterstützung von Dirk Hoffmann in Werdohl fündig geworden. Der 49-jährige Historiker und sächsische Landtagsabgeordnete (Die Linke) trägt derzeit Material zusammen, aus dem er eine Chronik zusammenstellen will, die er seinem Vater Edgar Külow zum 85. Geburtstag als Überraschung überreichen möchte.

Edgar Külow – das zur Erinnerung – ist gebürtiger Werdohler, siedelte 1946 aus dem Hause Koch von der Plettenberger Straße nach Leipzig, um dort zu einem der DDR-Top-Kabarettisten und Satiriker zu werden. Er begann seine Karriere in der bekannten Leipziger „Pfeffermühle“, die er zeitweise auch als Direktor leitete, gehörte dem Ensemble der „Distel“ an und stand in mehr als 100 Spiel- und Fernsehfilmen vor der Kamera – so unter anderem im „Polizeiruf 110“ (dem „Tatort“-Gegenstück) oder in der RTL-Serie „Felix“.

Außerdem war der bald 85-Jährige auch als Regisseur tätig, ist Autor des Buches „Unsere Lieblinge“(1994), in dem er die Charakterköpfe des Deutschen Fußballs glänzend aufs Korn nimmt, und erhielt Anfang Oktober 2006 in Mainz den „Stern der Satire“. Die Laudatio hielt seinerzeit Henning Venske, der in Kürze mit Jochen Busse im Festsaal Riesei auftreten wird. Ein Stern am „Walk of Fame“ des Kabaretts – damit wurden und werden Künstler zu Lebzeiten geehrt, die sich dem politischen Kabarett verschrieben und sich durch herausragende Leistungen ausgezeichnet haben.

All das ist hinreichend bekannt und kann in den Archiven nachgelesen werden. Licht in die Familiengeschichte zu bringen, war indes nicht ganz so einfach, denn es fehlten wichtige Details, die Dr. Volker Külow während seines zweitägigen Besuches in Werdohl gerne ergänzen wollte. Im Rathaus wurde er schließlich an Dirk Hoffmann verwiesen, der – so stellte sich heraus – Edgar Külow noch aus seiner Schulzeit kannte. In seinem Elternhaus an der Neuenrader Straße war der spätere, stark gefragte DDR-Star oftmals zu Gast.

Sohn Volker wurde am Geburtsort seines Vaters fündig. So steht zum Beispiel fest, dass die Külows ihre Wurzeln in Tirol hatten (belegt durch Urkunden aus dem 19. Jahrhundert) und wohl aus wirtschaftlicher Not – so vermutet der 49-jährige Historiker – nach Werdohl kamen. Sowohl der Urgroßvater (ein vergilbtes Bild aus dem Jahr 1903 belegt das), als auch der Opa des Abgeordneten waren als Schmied bei den damaligen Stahlwerken Brüninghaus beschäftigt. Dokumentiert ist auch, dass Großvater Eduard 1932 – schon in relativ jungen Jahren – gestorben ist (Diabetes).

In diesem Zusammenhang hat Dr. Volker Külow ein Anliegen: Großvater Eduard war neben seiner beruflichen Tätigkeit auch Hobby-Maler, der vornehmlich Landschaftsmotive auf die Leinwand zauberte. Allerdings ist die Familie nicht im Besitz auch nur eines einzigen Bildes. Vor Jahren, so weiß der Historiker, wurde einmal ein Külow-Bild angeboten, doch bevor er oder die Familie reagieren konnte, war es verkauft.

Wer also ein solches Werk besitzt oder über den Verbleib des einen oder anderen in Öl gemalten Bildes etwas weiß, könnte die Külows mit entsprechenden Tipps glücklich machen.

Fest in Händen hat der Landtagsabgeordnete hingegen nicht nur die Bauakte des Hauses an der Plettenberger Straße, in dem Edgar Külow aufgewachsen ist, sondern auch ein von seinem Vater 1954 verfasstes Vereinsprotokoll der Fußball-Abteilung des TuS Jahn Werdohl. Das ist nicht ungewöhnlich, denn der spätere Kabarettist und Satiriker war schon in jungen Jahren absolut fußballbegeistert. Unter anderem hat er als freier Mitarbeiter des Süderländer Volksfreund über die Heimatsport-Ereignisse berichtet.

Das Schreiben, so berichtete Sohn Volker, hat der Träger des „Sterns der Satire“ in seinem Leben nie aufgegeben – auch jetzt im hohen Alter nicht. Gegenwärtig arbeitet er an einem neuen Buch, und da er ja auch sportbegeistert und Fußballfanatiker ist, kann er es kaum erwarten, bis die Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt. Bis dahin wird er sicherlich auch vergessen haben, dass er sich im Winter das rechte Bein gebrochen hat. Der Gips – so nebenbei – kam übrigens am Mittwoch ab.

Mit einer ganzen Tasche voller Dokumenten, alten und neueren Fotos, Zeitungskopien, Plänen und handschriftlichen Belegen für die Tätigkeit des Vaters verließ Dr. Volker Külow Werdohl. All das, was er nach Leipzig mitgenommen hat, soll nun auf dem Computer aufbereitet werden. Allerdings: Noch weiß der 49-jährige Historiker nicht, „wie das alles aussehen und welche Druckfassung in Betracht kommen wird“. Der Blick in die vergangenen Jahrzehnte braucht eben seine Zeit – gerade bei einem Historiker…

Rainer Kanbach

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