Neues Leben im Soppe-Graben

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Das Springkraut ist sehr schön anzusehen, verdrängt aber alle heimischen Pflanzenarten und ist schwer zu bekämpfen.

Werdohl - Wer sich Zeit nimmt, Geduld aufbringt, und die Wasseroberfläche mit den Augen gründlich absucht, hat vielleicht Glück: Neben Stichlingen haben Peter Erwig und Thomas Schroeder von der Stadt Werdohl nach der Renaturierung der Soppe schon Elritzen und Neunaugen in dem Gewässer neben der Lennepromenade gesichtet.

An den versumpften Graben, der insbesondere an warmen Tagen oftmals einen unangenehmen Geruch verbreitete, erinnert nichts mehr. Die Natur hat das etwa 300 Meter lange Teilstück des Lenne-Schwesterflüsschens größtenteils schon zurückerobert – obwohl die Baumaßnahme zur Renaturierung noch nicht lange zurückliegt.

Rückblick: Anfang November des vergangenen Jahres hatte die Stadt den Soppe-Graben in diesem Bereich etwa 60 Zentimeter tief auskoffern lassen. Das Ufer wurde hergerichtet und der Graben mit Lennewasser geflutet. Damit das Lennewasser ins Soppe-Bett fließen kann, wurde etwa in Höhe des Lidl-Marktes ein Durchstich vorgenommen. Nach etwa 300 Metern wird das Wasser am kleinen Parkplatz zum Zugang zu den Kletterfelsen wieder in die Lenne zurückgeführt. Knapp 100 000 Euro investierte die Stadt Werdohl in diese Renaturierungsmaßnahme.

Allerdings musste Werdohl nur zehn Prozent selbst aufbringen, den Löwenanteil steuerte das Land bei, da die naturnahe Gewässerentwicklung zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie beiträgt.

Fischzählung im Oktober

Peter Erwig, Mitarbeiter der Hochbauabteilung, ist gespannt auf das Ergebnis der Fischzählung, die für Oktober geplant ist. „Im Herbst 2016 hatten wir nur noch 150 Stichlinge und eine Elritze in der Soppe gefunden.“ Er ist überzeugt, dass sich das in etwa zwei Monaten anders darstellen wird – zumal ihn ein Angler auf die Idee der Soppe-Renaturierung gebracht hat: „Er hat mir erzählt, dass dort viel Fischbrut zu finden ist.“

Hier ist der Verlauf der Soppe neben der Lennepromenade sehr schön zu sehen.

Sollte sich der Elritzen-Bestand wieder erholen, wäre das schon ein beachtlicher Erfolg: Der lebhafte Schwarmfisch benötigt klares, sauerstoffreiches Wasser und ist unter anderem Beutetier der Bachforelle. Neunaugen waren vor allem im Mittelalter beliebte Speisefische. Ihre Bestände gingen allerdings durch die Verschmutzung der Gewässer und die Zerstörung geeigneter Laichplätze zurück, vor allem die Larven reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel. Stichlinge tragen zur Vielfalt der Fischfauna bei. Sie haben keine Schuppen, ihre Haut ist entweder nackt oder mehr oder weniger vollständig mit Knochenplatten beschildet. Die meisten Arten bleiben relativ klein und erreichen Größen von vier bis acht Zentimetern.

Um den Tieren Ruhezonen in der Soppe bieten zu können, seien sogenannte Buhnen aus Stein in den Graben gebaut worden. Der Einsatz dieser Bauwerke, die teilweise zu einer Beruhigung des Gewässers führen würden, sei von einem Fischerei-Biologen empfohlen worden. Weidenstecklinge schützen vor der Sonne Um die Soppe zukünftig vor permanenter Sonneneinstrahlung zu schützen, sind zahlreiche Weidenstecklinge neben der Lennepromenade im Uferbereich gesetzt worden. „Wenn sie gewachsen sind, werden sie für Schatten sorgen. Dann ist die Veralgungs-Gefahr nicht mehr so groß“, erklärt Erwig. Wie viele Algen sich bilden würden, hänge aber natürlich auch von der Fließgeschwindigkeit des Gewässers ab.

Zwei Pflanzen werden zur Plage

Was den Bewuchs im Uferbereich angeht, ist Peter Erwig nicht ganz zufrieden: Schon jetzt haben sich wieder zwei alte Bekannte breit gemacht, die im Sauerland eigentlich nichts zu suchen haben. Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) – auch Indisches Springkraut, Rotes Springkraut oder Himalaya-Balsamine genannt – ist eine Pflanzenart aus der Familie der Balsaminengewächse (Balsaminaceae). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt auf dem Indischen Subkontinent, als Zierpflanze wurde es im 19. Jahrhundert auch in Europa eingebürgert. Es wächst gerne an Flussufern. „Und die Blüten sehen auch wirklich sehr schön aus“, sagt Erwig. „Dennoch ist es eine Katastrophe, dass es sich schon wieder ausbreitet. Es drängt alle anderen Pflanzen zurück und lässt sich nur sehr schwer bekämpfen.“

Die zweite Plagepflanze im Uferbereich der Soppe ist der Japanische Staudenknöterich, den Peter Erwig als „Lennespargel“ bezeichnet. Auch diese Pflanze, sie kommt ursprünglich aus China, Japan oder Nordkorea, wurde als Zierpflanze nach Deutschland importiert. Der Knöterich wuchert, lässt der heimischen Flora keine Chance, und kann bei günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Höhe von drei bis vier Metern erreichen. In seiner ostasiatischen Heimat wird der Staudenknöterich als Gemüsepflanze, ähnlich dem heimischen Rhabarber, verarbeitet.

„Egal, wo wir in Zukunft renaturieren; mit diesen Pflanzen werden wir im Uferbereich zurechtkommen müssen“, stellt Peter Erwig fest. Auf die Entwicklung der Tiere im Wasser haben diese Neophyten zum Glück keinen Einfluss.

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