Tolle Geschichte beim Autoservice Sondermann

Sonderschüler aus Werdohl will Kfz-Meister werden

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Ercan Ögel ist schwerhörig und hatte mit 14 ein Praktikum beim Autoservice von Peter Sondermann gemacht.

Werdohl - „Auf einmal stand er in meiner Werkstatt und hat sich selber vorgestellt“, erinnert sich Peter Sondermann noch ganz genau an den Tag, an dem der 14-jährige schwerhörige Ercan Ögel aus Eveking vor seinem Schreibtisch stand und ein Praktikum in der Autowerkstatt machen wollte. Ögel ist jetzt 22 und will, wenn alles gut läuft, nach seiner Meisterschule den Autoservice von Sondermann übernehmen.

„Das ist eine echte Erfolgsgeschichte,“ sagte Sandra Pawlas, die neue Chefin der Arbeitsagentur im Märkischen Kreis. Sie war mit ihren Kolleginnen Sabine Kowalewski und Anja-Katrin Rammoser-Schriever in die kleine Werkstatt von Peter Sondermann am Grasacker gekommen, um aus Anlass des internationalen Tags für Menschen mit Behinderungen auf diese Erfolgsgeschichte hinzuweisen.

Ercan Ögel besuchte damals die LWL-Förderschule „Hören und Kommunikation“ in Olpe. Für ein dreiwöchiges Praktikum bewarb er sich bei Peter Sondermann. „Das war genau am 13. Oktober 2008“, erinnert sich Ögel. Sondermann entschied sich auf der Stelle: „Er war mir gleich sympathisch, weil er voll motiviert war.“

Die neue Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas (rechts) bedankte sich gestern mit Anja-Katrin Rammoser-Schriever (von links) und Sabine Kowalewski bei Kfz-Meister Peter Sondermann.

Nach drei Wochen unter Motorhauben war zumindest für Ögel klar, was er später einmal werden wollte. Zwischen seiner Ausbildung und dem Hauptschulabschluss lagen aber noch zwei Jahre, in denen Ögel immer mal wieder bei Sondermann mithalf. Ögel: „Je älter ich wurde, desto mehr Spaß hat mir das gemacht.“

2011 stand die Entscheidung an, wie es weitergehen sollte. Hier kam die Arbeitsagentur ins Spiel. Reha-Beraterin Sabine Kowalewski begleitet Förderschüler wie Ögel sehr intensiv. Sie betreut den jungen Mann aus Eveking schon seit 2009. So wurde festgestellt, dass Ögel aufgrund seiner schulischen Leistungen noch nicht genügend fit für eine Ausbildung war.

Ein Einstiegsqualifzierungsjahr wurde vereinbart. Ögel besuchte im Blockunterricht das Berufskolleg für Schwerhörige in Essen, bekam Nachhilfe und arbeitete am Grasacker. Nach einem Jahr war Ögel so gut aufgestellt, dass er die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker für Pkw beginnen konnte. Die Arbeitsagentur förderte dieses Ausbildungsverhältnis.

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung stellte Sondermann seinen neuen Gesellen zu März dieses Jahres ein. An dieser Stelle kam Arbeitsvermittlerin Anja-Katrin Rammoser-Schriever ins Spiel, sie ist beim Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter beschäftigt. Die Anstellung Ögers bei Sondermann wird ebenfalls finanziell gefördert.

Die Frauen von der Arbeitsagentur bedankten sich bei Sondermann für sein großes Engagement. Pawlas wirbt auf diese Weise bei Arbeitgebern dafür, dass es sich lohnt, junge Leute mit Handicap einzustellen. So jemand wie Ercan Ögel sei eine Besonderheit. Sandra Pawlas: „Nur wenige schaffen den Sprung in den Betrieb.“

Peter Sondermann ist im Mai 65 Jahre alt geworden. Ercan Ögel will jetzt richtig Gas geben und im kommenden Jahr per Abendschule seinen Meisterbrief erlangen. Dann, so denken beide, könnte der junge Meister den alten Meister am Schraubenschlüssel ablösen.

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