Kein einheitliches Abstimmungsbild

Entscheidung über Schulschließung: So stimmt die WBG

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Egal wie der Schulentscheid ausgeht, wird sich das Wesen der Werdohler Realschule ändern. Es müssen insgesamt mehr Kinder aufgenommen werden, alle Inklusionsschüler kommen dazu, eine zusätzliche Ganztagsbetreuung am derzeitigen Standort am Köstersberg dürfte angesichts der fehlenden Mensa nicht möglich sein.

Werdohl - Die WBG hat sich in Sachen Schulentscheid positioniert. Vier der fünf Ratsleute werden für den Erhalt der Realschule als einzige weiterführende Schule in Werdohl stimmen. Das Abitur opfern zu müssen sei sehr schade, erklärte Volker Oßenberg als einer der beiden Co-Fraktionsvorsitzenden.

Im Rahmen einer internen Diskussion mit Fraktion und Mitgliedern sei man zu einem Entschluss gekommen, sagte Oßenberg auf Nachfrage der Redaktion. 

Erst auf Nachfrage bei Thorsten Hänel, der ebenfalls Co-Fraktionsvorsitzender ist, ergab sich kein einheitliches Abstimmungsbild. Hänel: „Wir haben bei der WBG keinen Fraktionszwang. Vier werden sich für die Realschule entscheiden. Ich bin noch unentschieden, aber ich möchte die Gesamtschule in Werdohl erhalten.“ 

Bleibt Zeit zur Entwicklung?

Hänel hofft, dass der Gesamtschule Zeit und Gelegenheit zur Entwicklung gegeben werden könne. Er selbst sei Realschulkind, engagiert sich aber seit Jahren als Fördervereinsvorsitzender der Gesamtschule. Unter Schulleiter Schulte seien vier Jahre verloren worden, so Hänel, jetzt leiste unter Sven Stocks ein junges Team hervorragende Arbeit. 

Das WBG-Abstimmungsverhalten sei der Elternpflegschaft der AEG schriftlich mitgeteilt worden, so Oßenberg. Er habe persönlich sehr gute Erfahrungen mit beiden Werdohler Schulen gemacht: „Ein Kind hat das Abitur an der AEG gemacht und ein Kind hat einen guten Abschluss an der Realschule erworben.“ Parteilichkeit für eine Schulform will er sich nicht vorwerfen lassen. 

WBG möchte Rechtssicherheit

Die Mehrheit der WBG-Fraktion wolle vor allem Rechtssicherheit und Zukunftssicherheit. Auf keinen Fall will Oßenberg in die Situation kommen, dass bei einem möglichen Rückgang der Anmeldezahlen der Gesamtschule in Zukunft wieder eine Diskussion begonnen werden müsse. Die Realschule laufe zur Not auch als zweizügige Schule. Der Gesetzgeber verlange für eine Gesamtschule die Vierzügigkeit mit einer Zahl von mindestens „100 plus X“ Schülerinnen und Schülern. Diese Zahl sei nicht dauerhaft zu erreichen. Die Bürgergemeinschaft richte sich nach der Gesetzeslage und nicht nach Zugeständnissen der Bezirksregierung. Zuletzt war im Gespräch, dass die Gesamtschule auch mit etwas mehr als 82 Schülerinnen und Schülern genehmigungsfähig sei. 

Sein Fraktionskollege Hänel sieht diesen Punkt anders. Die Position der anderen vier Fraktionsmitglieder sei sehr auf Sicherheit bedacht. Man könne sehr wohl die Gesamtschule erhalten und der Schule Zeit geben, von den Eltern akzeptiert zu werden. Zur allergrößten Not könne sie später immer noch zu einer Realschulform heruntergestuft werden. 

Keine Verschleppung der Entscheidung

Oßenberg will aber die Schulsituation ein für alle Mal geklärt sehen: „Hat Düsseldorf eine komische Idee, stehen wir da in unserem kurzen Hemd und frieren. Wir wollen Sicherheit für die Eltern.“ Eine Verschleppung der Entscheidung bringe nichts. Den Eltern sei nicht damit geholfen, wenn weiterhin Unsicherheiten bestehen blieben. Seine Fraktionskollegen Christian Kleplatz, Ulrich Hüsmert und Hans-Dieter Frick und er persönlich bedauerten es, wenn im Falle des Auslaufens der AEG das Abitur wegfalle. 

Mit dem emotionalen Auftreten der Elternpflegschaft der AEG für ihre Schule hat offenbar die gesamte Fraktion nur bedingt Verständnis. Am Rande der jüngsten Ratssitzung hatte die stellvertretende Pflegschaftsvorsitzende Olivia Schürmann vom „lahmen Pferd Realschule“ gesprochen. Oßenberg entgegnet darauf: „Das beste Pferd taugt nichts, wenn es mit gebrochenem Beim im Stall steht.“ Aus unerklärlichen Gründen würden sich die Eltern im Lennetal gegen die Gesamtschule entscheiden, während überall im Land die Gesamtschulen brummten. Es sei traurig, dass die Gesamtschule nicht in genügendem Maße von den Eltern akzeptiert werde. 

Realschule werde sich verändern

In Werdohl könne vielleicht eine „Realschule plus“ entstehen. Halbtag und Ganztag müssten integriert werden, ebenso der Hauptschulabschluss. „Das wird jedenfalls nicht mehr die Realschule von heute sein“, stellt Oßenberg fest.

Der Schulausschuss kommt zur Beratung über den Schulentscheid am Montag, 3. Juni, ab 17 Uhr im Ratssaal zusammen. Es gibt nur diesen Tagesordnungspunkt. Drei Vertreter der Bezirksregierung werden beratend hinzukommen.

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