Entscheidung über Schulschließung: Jetzt sprechen die AEG-Verantwortlichen

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Nur an der Gesamtschule führen alle Wege zum Abitur. Die AEG-Schulleitung, hier mit Sven Stocks und Konrad Pewny, ist der Meinung, dass die Kommunalpolitiker das beste Bildungsangebot in der Stadt behalten sollten.

Werdohl - Die Auseinandersetzung über den Fortbestand von Realschule oder Gesamtschule in Werdohl kommt auf die Zielgerade.

Im Schulausschuss am Montag wollen sich vor allem die Politiker der CDU eine abschließende Meinung bilden. SPD und WBG haben sich bereits festgelegt. In den Diskurs über die Schulformen haben sich jetzt der stellvertretende Schulleiter Sven Stocks und Oberstufenleiter Konrad Pewny von der AEG öffentlich eingeschaltet. In einem langen Gespräch schilderten die beiden die Vorzüge des Systems Gesamtschule. 

Warum sollte die Gesamtschule als einzige weiterführende Schule in Werdohl übrig bleiben? 

Stocks und Pewny betonen zunächst, dass sie höchsten Respekt und größte Anerkennung vor der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen an der Realschule haben. Da aber nur eine Schulform in der Stadt übrig bleiben darf, sprechen sich beide für die Gesamtschule aus, weil dort alle Bildungsabschlüsse bis zum Abitur angeboten werden. Die Albert-Einstein-Gesamtschule funktioniere seit 30 Jahren bestens, seit 20 Jahren mit erfolgreicher Abiturprüfung. Würde man die AEG mitsamt dem Abitur aufgeben, würde man das Bildungsangebot in der Stadt ohne Not verknappen. Jugendliche, die das Abitur machen wollten, würden aus der Stadt getrieben. Werdohl habe schon genug mit Abwanderung zu kämpfen, bei Aufgabe des Abiturs würde man die besten Schülerinnen und Schüler an andere Städte verlieren. Die Gesamtschule sei pädagogisch so ausgerichtet, allen Anforderungen zur Teilhabe aller Schüler gerecht zu werden. 

Die AEG hat seit Jahren zu wenige Schüler in der Unterstufe. Das Gesetz verlangt mindestens 100 Schüler in vier Eingangsklassen. Wieso sollte sich das ändern? 

Stocks ist absolut überzeugt davon, nach Aufgabe der Realschule die Zahl von mehr als 100 Jungen und Mädchen erreichen zu können. Pewny verweist auf die Zahlen aus dem Schulentwicklungsplan. Nach Abzug der Gymnasiumsbesucher blieben immer noch mehr als 100 Schüler übrig. Zudem ziehe die Gesamtschule jetzt schon Schüler aus anderen Schulformen und Städten an. Aktuell seien über alle Jahrgänge verteilt 145 Schüler, die von woanders zum Riesei gekommen seien. Viele Realschüler wechselten in die Oberstufe, um dort Abitur zu machen. 

Die WBG hat sich für die Realschule Plus ausgesprochen. Im Gespräch ist auch eine Realschule 132 c inklusive Hauptschulzweig. Was halten die Pädagogen davon? 

Stocks ist in dieser Hinsicht kompromisslos. Eine Realschule Plus sei in NRW nicht verankert und ein Etikettenschwindel, weil sie eigentlich eine Sekundarschule sei. Die Bildung einer Realschule nach § 132 c käme einer Neugründung gleich und sei eine Notlösung, wenn keine andere Schulform möglich sei. In anderen Städten habe die Schulaufsicht den Errichtungsbeschluss bereits untersagt. Eine solche Realschulform sei weder vom Gesetzgeber noch von Pädagogen gewollt. Werdohl habe mit der AEG eine Alternative und brauche keine Notlösung. Der Beschluss der WBG, sich nur aufgrund der Schülerzahlen auf die Realschule zurückzuziehen, sei mutlos und ängstlich. Die Aufgabe des Abiturs sei ein unumkehrbarer Fehler. Es sei deshalb absolut fatal, eine Entscheidung zu treffen, die Schüler aus der eigenen Stadt treibe. 

Die Gesamtschule Werdohl auf dem Riesei hat bei Eltern nicht den besten Ruf. Woher kommt das? 

Pewny erinnert daran, dass vor 30 Jahren die Kästner-Hauptschule auf dem Riesei die größte im Märkischen Kreis war. In vielen Köpfen sei die Schule auf dem Berg noch immer als Hauptschule mit schlechtem Image verankert. Stocks räumt ein, dass in den vergangenen Jahren zu wenig für die Außendarstellung getan worden sei. Die AEG habe Fehler gemacht, man habe sich lange nur unzureichend verkauft.

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