Entlastung verweigert

Werdohls Schützenoberst Andreas Schreiber (links) wirkt ratlos, genau wie Wilhelm Schönenberg (rechts).

WERDOHL ▪ Nächster Akt im Dauerbrenner „Theater rund um den Werdohler Schützenverein“: Am Donnerstagabend wurde im Restaurant Vier Jahreszeiten den beiden zurückgetretenen Geschäftsführern keine Entlastung erteilt.

Rückblick: Bei der Herbstversammlung am 12. November vergangenen Jahres teilte der Vorsitzende Andreas Schreiber den Mitgliedern mit, dass beide Geschäftsführer des Schützenvereins von ihren Ämtern zurückgetreten waren. Ein Teil der seinerzeit anwesenden Schützen sah sich jedoch ohne Kassenbericht und -prüfung außerstande, den beiden Entlastung zu erteilen. Also wurde dem Vorstand aufgetragen, bis spätestens 10. Dezember eine Kassenprüfung durchzuführen.

Diese erfolgte am 8. Dezember. Am Donnerstag nun sollten der Kassenbericht sowie ein Bericht der Kassenprüfung nachgereicht werden, um schließlich den beiden Ex-Vorstandsmitgliedern die noch notwendige Entlastung zu gewähren.

Ein Verfahren, das aus Sicht des Vorstandes „nach wie vor überflüssig“ sei, denn das BGB schreibe eine außerordentliche Kassenprüfung beim Wechsel auf dem Posten des Geschäftsführers nur vor, sofern es keine Vereinssatzung gebe, die einen anderen Weg vorsehe. Letzteres sei bei den Werdohler Schützen jedoch der Fall.

Da aber am 12. November diese außerordentliche Mitgliederversammlung beschlossen worden war, kamen am Donnerstag 39 Mitglieder ins Restaurant Vier Jahreszeiten – allesamt in Erwartung eines kurzen Abends, der letztlich doch eine gute Stunde dauern sollte und keine Ergebnisse mit sich brachte.

Dem Verein wünschte Vorsitzender Andreas Schreiber zwölf Monate ohne Querelen – ein Wunsch, der nur Minuten Bestand haben sollte, denn anschließend trat der neu im Amt befindliche Geschäftsführer Wilhelm Schönenberg ans Mikrofon – offenbar gänzlich unvorbereitet, was letztlich zu Protesten im Saal führte.

So bat Schönenberg die Versammlung um Entlastung der Kassenprüfer – nicht aber um die der beiden vorherigen Geschäftsführer. Dann behauptete der frisch gebackene Geschäftsführer, der Verein habe „ein Guthaben von Plus-minus-Null“. Da wurde es Andreas Schreiber zu viel. Er holte Schönenberg vom Mikrofon weg.

Minutenlang war die Versammlung unterbrochen. Schreiber und Schönenberg wühlten sich gemeinsam durch diverse Ordner. Schließlich trat der Vorsitzende ans Mikrofon und gestand den Mitgliedern, dass „der richtige Ordner“ nicht da sei. Ein ordentlicher Kassenbericht könne nicht gegeben werden. „Plus-minus-Null“ sei der Barbestand des Vereins. Die Kontostände gab Schreiber anhand von Kontoauszügen bekannt. Eine detaillierte Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben vom 1. Januar bis zum 12. November 2010 konnten weder Schreiber noch Schönenberg geben.

Bei der folgenden Abstimmung ergab sich folgerichtig folgendes Bild: Niemand erteilte den ausgeschiedenen Geschäftsführern Entlastung. Es gab elf Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen. Zehn weitere Mitglieder hoben gar nicht ihre Hand. Schreiber kündigte an, dass ein ordnungsgemäßer Kassenbericht nun auf der Frühjahrsversammlung folgen solle. Dort werde dann auch ein neuerlicher Anlauf genommen, die früheren Vorstandskollegen zu entlasten, so die Ankündigung.

Fragezeichen stehen noch hinsichtlich der Organisation des Schützenfestes, denn für sämtliche Verträge im Zusammenhang mit diesem Volksfest muss der Geschäftsführer unterzeichnen. Dem Anschein nach wirkt Schönenberg in seinem Amt aber vollkommen überfordert.

Gleichwohl gab es durch Andreas Schreiber am Donnerstag erste Informationen über das 181. Werdohler Schützenfest. Am Freitag werde beim Seniorennachmittag der Shanty-Chor auftreten. Für den Abend seien die Partyband Pina Colada und der Stimmungssänger Peter Wackel verpflichtet worden. Der Ballermann-Entertainer hatte Hits wie beispielsweise „Party, Palmen, Weiber und’n Bier“. Größter Erfolg in der 13-jährigen Karriere des Sängers war „Joana, Du geile Sau“. Feiern wie auf Mallorca wollen die Werdohler Schützen also im Sommer.

Michael Koll

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