Entlassfeier der Werdohler Realschüler mit kritischen Tönen

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68 Realschüler erhielten am Donnerstagabend ihre Abschlusszeugnisse. Entsprechend groß war der Jubel der jungen Leute darüber, diesen Lebensabschnitt erfolgreich gemeistert zu haben.

Werdohl - In der Städtischen Realschule haben am Donnerstagabend 68 Zehntklässler ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Sie sind aller Voraussicht nach einer der letzten Abschlussjahrgänge am Köstersberg.

Denn dass der Stadtrat am Montag das Aus für die Realschule beschließen wird, scheint nur noch Formsache zu sein. Von Trauerstimmung war dennoch nicht viel zu merken an diesem Tag. 

Die Abschlussfeier begann erstmals mit einer interreligiösen Friedensfeier, die Gülcan Kiraz, Integrationskraft an der Realschule, zusammen mit einem Schülerteam vorbereitet hatte. „Dies soll ein Anstoß zum friedlichen Zusammenleben sein“, sagte Kiraz, die die Werdohler Realschule als „Spiegelbild der multikulturellen Gesellschaft bezeichnete. Multikulturell war auch die knapp einstündige Feier gestaltet: mit einem christlichen Gebet, einer Koran-Rezitation und einer mehrsprachigen Aktion der Schüler. Sie trugen jeweils in ihrer Muttersprache Zukunftswünsche vor und steckten damit beschriftete Zettel in eine Weltkugel. Diese sollte anschließend vergraben werden. „Wir werden sie in zehn Jahren wieder hervorholen und nachsehen, welche Wünsche in Erfüllung gegangen sind“, erklärte Kiraz. 

"Trainingslager" ist beendet

Während der Abschlussfeier in der Schulaula gratulierte unter anderem der stellvertretende Bürgermeister Dirk Middendorf den 68 Abschlussschülern. Er verglich ihre Situation mit der einer Fußballmannschaft: „Euer Trainingslager ist beendet, jetzt geht es aufs Spielfeld“, sagte er. Doch auch dort seien Regeln zu beachten, rief Middendorf in Erinnerung. Die Elternpflegschaftsvorsitzende Tatjana Pulter wünschte dem Entlassjahrgang Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. „Und behaltet die Realschule in guter Erinnerung“, bat sie. Auch Schülersprecherin Sudem Solum hatte ermutigende Worte parat: „Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben“, zitierte sie die US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin Eleanor Roosevelt. 

Abschlussfeier der Realschule Werdohl

Auch der bevorstehende Ratsbeschluss zur Schließung der Realschule fand Platz in dieser Abschlussfeier. Hildegard Hartmann, die für die drei Klassenlehrer des Abschlussjahrgangs redete, ging als erste darauf ein, als sie über Entscheidungen sprach, die nicht immer einfach und bequem seien. Auch am Montag im Rat gehe es um eine solche Entscheidung: „Es ist eine wichtige Entscheidung für diese Stadt. Ganz ehrlich, ich möchte sie nicht treffen müssen.“ 

Schulleiterin stolz auf die Quote

Deutlicher wurde Schulleiterin Christiane Langs-Blöink, die zunächst die schulischen Erfolge des Entlassjahrgangs herausstellte: Alle 68 Schüler haben einen Abschluss“, verkündete sie. Neben zwei Förderschulabschlüssen und vier Hauptschulabschlüssen verließen 62 junge Leute die Schule mit dem Realschulabschluss, davon sogar 38 mit dem Qualifikationsvermerk zum Besuch der gymnasialen Oberstufe. „Zeigt mir eine Schule in Werdohl, die eine solche Quote erreicht“, rief sie aus. Sie wolle nicht politisch werden, versuchte Langs-Blöink sich selbst zu bremsen, redete sich dann aber doch in Rage. „Wenn es uns nicht mehr gibt, wird es auch nicht mehr so viele Abiturienten in Werdohl geben“, prophezeite sie, die Schließung der Realschule werde sich auf die Oberstufe der Gesamtschule auswirken. Und in Richtung des Rates, der am Montag über die Zukunft der Werdohler Schullandschaft entscheiden wird, sagte sie, man müsse wissen, was man beerdige: nämlich eine gute Schule. Mit einem selbst vorgetragenen Lied von Mariah Carey verabschiedete Langs-Blöink die Zehntklässler. „You’ll Finally see the Truth. That a Hero Lies in you“, heißt es darin. „Du wirst endlich die Wahrheit sehen, dass ein Held in Dir steckt.“ 

Dann gab es aus den Händen der Klassenlehrer endlich die begehrten Abschlusszeugnisse. Unter Beifallsrufen der Mitschüler traten die Absolventen einzeln auf die Bühne, um die Zertifikate entgegenzunehmen. 

Beste Schüler besonders geehrt

Besonders geehrt wurden auch die besten Schüler jeder Klasse. Das beste Zeugnis nicht nur der 10a, sondern des ganzen Jahrgangs konnte Berkan Kadi vorweisen, er hatte einen Notdurchschnitt von 1,4 erzielt. Klassenbester der 10b war Benito Berisha, beste Schülerin der 10 c war Gina Wolf. Für herausragendes soziales Engagement wurden Angelina Polo (10 a), Irem Topcu (10 b) und Mounir Bouqayoua geehrt. Marvin Jeßesgus und Justin Leibhold hatten als Techniker maßgeblichen Anteil am Erfolg der Abschlussfeier.

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