Entführt und über Stunden misshandelt

WERDOHL ▪ Der 24. Januar 2007 wird einem Mann aus Werdohl vermutlich noch lange im Gedächtnis bleiben. Denn an dem Tag war er von mehreren Tätern entführt und über Stunden misshandelt worden. Seit gestern müssen sich drei der Entführer wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung vor dem Hagener Landgericht verantworten.

Zu Beginn der Verhandlung zogen sich die Verteidiger, der Vertreter der Staatsanwaltschaft und die Kammer zu einem Rechtsgespräch zurück. Ergebnis: Im Falle eines umfassenden Geständnisses soll eine Strafe für den 36-jährigen Lokman C. zwei Jahre nicht überschreiten. Gleiches soll für den mitangeklagten Bruder, den 31-jährigen Osman C. gelten. Für den 27-jährigen Kemal D., Cousin der Brüder, soll es nicht mehr als neun Monate Haft geben. Und so legten die drei Dortmunder gestern einer nach dem anderen ihre Geständnisse ab.

„Im Dezember 2006 war in meine Firma eingebrochen worden. Etwa zwei Wochen später verschwand auch mein Audi A3”, begann Lokman C. zu erzählen. Kurz darauf habe er einen Tipp über den Verbleib des Wagens erhalten. Einer der Täter sollte in Werdohl wohnen. Alle Versuche, den Werdohler nach Dortmund zu locken, seien gescheitert, so dass sich der 36-Jährige gemeinsam mit den anderen Angeklagten auf den Weg ins Sauerland gemacht habe. Vor seinem Haus hätten sie den mutmaßlichen Dieb eingefangen und mit einer vorgehaltenen, geladenen Gaspistole in einen silberfarbenen Opel verfrachtet. „Es war keine freundschaftliche Fahrt. Es gab Schläge als wir ihn gefangen haben”, gestand Lokman C. gestern. Er und sein Bruder hätten auf der 45-minütigen Fahrt nach Dortmund mehrfach mit der Faust und auch mal mit der Pistole auf ihr Opfer eingeschlagen, um herauszubekommen, wo sich der A3 befand. Der Werdohler habe erklärt, dass er das nicht wisse – was ihm jedoch nicht geglaubt wurde. In einer Lagerhalle in Dortmund habe es weitere Übergriffe gegeben, auch von anderen Tätern. Osman C. habe dem Werdohler schließlich gedroht, ihn im Hafenbecken zu versenken. „Damit du verreckst”, so seine Worte. Später seien sie in die Wohnung von Osman C. gefahren. Hier habe der Geschädigte nach erneuten Schlägen ein Telefonat geführt, bei dem sich herausgestellt habe, dass der Werdohler tatsächlich nichts über den Aufenthaltsort des Autos wusste. Nach stundenlangem Martyrium wurde das Opfer gegen 16 Uhr freigelassen.

Die anderen Angeklagten bestätigten gestern die Aussage des 36-Jährigen, der bislang einmal wegen Betruges mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Sein Bruder hat keinerlei Vorstrafen und der Cousin, der bei der Tat als Fahrer fungiert hatte, musste sich 2010 unter anderem wegen Diebstahls verantworten. Aufgrund der Geständnisse konnte auf den Großteil der Zeugen verzichtet werden. Lediglich das Opfer soll am 11. Mai gehört werden. An dem Tag soll es auch das Urteil geben. ▪ Jana Peuckert

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