Facettenreiche Lebensqualität an Lenne und Verse

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Die Bürgerversammlung am Freitagabend in Ütterlingsen war recht gut besucht, die Teilnehmer diskutierten engagiert über das Konzept für Freizeit und Lebensqualität in Werdohl.

Werdohl - Große Resonanz erfuhr eine Bürgerversammlung der Stadt Werdohl am Freitagnachmittag in der Ütterlingser Freibadgaststätte. Beinahe alle bereitgestellten Stühle waren besetzt. Für einen Teilnehmer war der Abend aber schnell vorbei.

Es wurde engagiert diskutiert. Einzig ein Teilnehmer fiel durch laute, aggressive und gegenüber den Vortragenden beleidigende Zwischenrufe unangenehm auf. Nachdem sich bereits weitere Bürger über ihn beschwert und Bürgermeisterin Silvia Voßloh ihn scharf zur Ordnung gerufen hatte, drohte sie, ihn gleich zu bitten, den Saal zu verlassen. Diesem Rauswurf kam er zur Erleichterung der weiteren Anwesenden zuvor.

Rund 1000 Menschen aus Werdohl hatte die Werdohl Marketing GmbH über die Vorzüge und Nachteile der Stadt befragt. Deren beiden Mitarbeiter Swantje Midderhoff und Ingo Wöste sowie Werdohls Wirtschaftsförderer Andreas Haubrichs trugen den Interessierten die Ergebnisse dieser Umfrage vor. Wöste schickte jedoch zunächst voran: „Für jeden ist Lebensqualität etwas anderes und das ist ja auch gut so.“ Er unterstrich: „In Bochum regen sich die Menschen über den Verlust von Nokia auf und hier ist Brüninghaus weggebrochen. Das ist nicht zu kritisieren, sondern zu akzeptieren.“

Krankenhaus nicht selbstverständlich

Der erste von acht dargestellten Themenkomplexen war der Bereich Gesundheit und Wellness. „Hier gibt es eine eigene Stadtklinik, was selbst für Städte, die größer als Werdohl sind, nicht selbstverständlich ist“. lobte Wöste vorab. Was sich die Befragten jedoch wünschten, war ein Gesundheits-Netzwerk.

Zum Thema Aufenthaltsqualität merkte Haubrichs zunächst an, „dass sich in den vergangenen zehn Jahren durch den Stadtumbau vieles verbessert hat“. Bei den Umfrage-Teilnehmern habe sich aber oft ein geringes Sicherheitsgefühl gezeigt, „obwohl es in Werdohl keine so hohe Kriminalitätsrate wie in Großstädten gibt“. Kameraüberwachung sei so oft gewünscht worden, auch eine verbesserte Sauberkeit des öffentlichen Raums. Haubrichs stellte jedoch sofort klar, dass diese durch private Initiativen erreicht werden müsse.

Midderhoff hob dann hervor, dass das kulturelle Angebot in Werdohl „sehr groß“ sei, allerdings habe die Stadt ihr Engagement in diesem Themenbereich nahezu eingestellt. Das Gebotene gehe beinahe komplett auf ehrenamtlichen Einsatz zurück. Haubrichs fügte hinzu: „Was es in Werdohl aber noch nicht gibt, ist ein Open-Air-Konzert für Newcomer.“

Für jeden Geschmack ist etwas dabei

Erneut Wöste war es, der die Ergebnisse zur Teilumfrage über das gastronomische Angebot vorstellte. „Es gibt für jeden Geschmack etwas in Werdohl“, bilanzierte er. Es sei also wohl auf den Zeitgeist zurückzuführen, wenn gutbürgerliche deutsche Küche zum niedrigen Preis einer- und amerikanische Küche andererseits vermisst werde.

Auch eine Gastronomie an der Lenne wurde vielfach angemahnt. Zu diesem Punkt ergriff Bürgermeisterin Silvia Voßloh das Wort. Sie schilderte, dass sie und die Verwaltung gemeinsam mit einer Brauerei als Investor an einem Konzept gearbeitet hätten. Dieses habe vorgesehen, eine Bucht an der Lenne einzurichten und auf einem Boot eine Gastronomie zu installieren. „Obwohl die Zahlen von Anfang an offen auf dem Tisch lagen, ist der Investor schließlich abgesprungen, weil ihm die Zahl der Sitzplätze am Ende doch zu niedrig war“, bedauerte die Erste Bürgerin der Stadt. „Jetzt werden wir im kommenden Jahr dort etwas erschaffen, was klein und niedlich ist. Aber ich gebe zu: Das hätten wir auch ein paar Jahre früher haben können“, verbarg sie ihre Enttäuschung nicht. Die jetzt geplante Lenne-Gastronomie werde ausschließlich in den Sommermonaten geöffnet sein.

Sterngolfanlage nicht dem Hallenbad geopfert

Auf die Freizeitangebote kam dann Haubrichs zu sprechen. „Die sind zwar reichhaltig, aber immer an eine Mitgliedschaft gebunden“, fasste er die Kritik zusammen. Mehr Parks, weitere Fahrradwege und zusätzliche Kanu-Wanderungen hätten die Befragten gefordert. Gewünscht waren auch ein Kino sowie eine Bowlingbahn.

Bürgermeisterin Voßloh erklärte auf Nachfrage aus dem Plenum: „Die Sterngolfanlage in Ütterlingsen musste nicht sterben wegen des Neubaus eines Hallenbades. Sie war Teil dieser Planung und wir hätten uns gewünscht, dass sie weiter betrieben wird.“

Zum Komplex Tourismus bilanzierte Midderhoff: „Es gibt ein reichhaltiges Übernachtungsangebot für Auswärtige in Werdohl, wenn auch ein Hotel in der Innenstadt fehlt.“ Sie führte weiter aus: „Die Übersicht auf der städtischen Homepage ist sehr gut. Was fehlt, ist, dass Interessierte auf der Internetseite sofort ein Zimmer buchen können.“

Die Einrichtung einer solchen Option auf der städtischen Homepage lehnte Eckhard Henseling, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Sauerland-Tourismus, in seinem Redebeitrag jedoch als unnötig ab. „Das sollten die Vermietungsbetriebe wirklich schon selbst machen.“

Werdohlern fehlt ein Fahrradverleih

Auch zu den Fahrradstrecken in Werdohl wurden die Umfrage-Teilnehmer befragt. Ladestationen für E-Bikes, ein Reparatur-Geschäft sowie ein Laden mit Fahrradverleih fehlten den Kritikern. Die Strecke nach Plettenberg müsse ausgebaut werden. Sowohl Martin Hempel, Leiter der Verwaltungsabteilung Tiefbau, als auch SPD-Ratsherr Jürgen Henke verkündeten, dass die Stadt Plettenberg einen Lückenschluss des Radweges im Bereich Teindeln bis Mitte 2019 plane. Bürgermeisterin Voßloh skizzierte augenzwinkernd die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben: „Dann fahren die Plettenberger zu uns ins McDonalds und wir zu denen ins Kino.“

Der stellvertretende Geschäftsführer des Vereins Sauerland-Tourismus, Henseling, lobte das spürbare Engagement der Vortragenden. Er schlug vor: „Machen Sie es sich selbst schön in Ihrer Stadt. Die Touristen kommen dann ganz schnell ganz von selbst.“ Weiter mahnte er an: „Wollen Sie nicht gleich alles auf einmal. Denken Sie daran: Nicht jede Kommune braucht ein eigenes Kino oder ein eigenes Freibad.“ Seiner Überzeugung nach sei „der Kern des Konzeptes die Lenneroute“. Dieser Fahrradweg habe ein viel größeres Potenzial als der Ruhrtalradweg.

Bürgermeisterin Voßloh griff den Gedanken auf: „Die Bürger identifizieren sich stark mit der Lenne und der Verse. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern werden.“

Ein Bürger regte schließlich noch an, die Werdohl Marketing GmbH sollte bei der Umsetzung des Konzeptes für die Stadtentwicklung Firmen und auch ausländische Bürger einbinden.

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