Ein Haufen Schrott für neue Autos

Werdohl - „Daraus werden jetzt neue Autos“, sagt Werner Wasmuth und zeigt auf die Stahlteile, die in einem Container verschwinden. Sie stammen von einem der 20 Freileitungsmasten, die der Stromversorger Enervie derzeit zwischen Elverlingsen und dem Bergfeld bei Altena demontieren lässt.

Die Arbeiten sind Teil der Erneuerung der so genannten Portalstrecke, eines Trassenabschnitts der 110-kV-Freileitungen „Lüdenscheid 1/2“, „Kalve 1/2“ sowie „Verse 1/2“ . Dort werden die 20 aus dem Jahr 1958 stammenden Masten, deren Stahl im Laufe der Jahre versprödet war, abgebaut und verschrottet. Ersetzt werden sie durch 19 neue, etwas höhere Masten.

Bei der Demontage der Masten wird ein gut 50 Meter hoher Schwerlastkran eingesetzt, der die bis zu 45 Meter hohen und rund 178 Tonnen schweren Stahlungetüme an der Spitze „anfasst“. So können sie nicht gleich umfallen, wenn sie am Boden von den Fundamenten abgetrennt werden.

Sobald die Masten dann frei am Kran schweben, kommt ein Bagger mit einer überdimensionalen Kneifzange zum Einsatz, mit der die Masten zerkleinert werden. Am Schluss landet der ganze Stahlturm, in mehrere Teile zerschnitten und zusammengepresst, im Schrottcontainer.

Etwa 28 Tonnen Baustahl und 140 Kubikmeter Beton werden für jedes der 19 Fundamente benötigt, die die neuen Hochspannungsmasten im Boden verankern. Hier entsteht gerade ein Fundament bei Bergfeld.

Mast für Mast wird derzeit auf diese Weise zerlegt. Insgesamt werden am Ende also 340 Tonnen Stahlschrott in diversen Containern liegen – genug Material zum Beispiel für die Rohkarosserien von ungefähr 1390 VW Golf 7.

Durch Witterung Zeit verloren

„Durch die Witterung haben wir etwas Zeit verloren, aber das holen wir wieder auf“, ist Projektleiter Werner Wasmuth sicher. Das Ziel, die Erneuerung der Stromtrasse bis Ende 2017 abzuschließen, sieht er nicht in Gefahr. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Arbeiten im Naturschutzgebiet zwischen April und Mitte Juni ruhen müssen.

Während unten im Tal, ganz in der Nähe des Kraftwerks Elverlingsen, noch Masten demontiert werden, entstehen etwas oberhalb, in der Nähe von Bergfeld, bereits die Nachfolger. Eine rund 80 Quadratmeter große und vier Meter tiefe Fundamentgrube hat das mit dem Bau der neuen Hochspannungsleitung beauftragte Spezialunternehmen aus Dortmund bereits ausgehoben. Darin stehen schon die unteren Segmente der vier Turm-Beine. Bauarbeiter bringen ein Geflecht aus Stahl ein, die Bewehrung.

Durchschnittlich 28 Tonnen Baustahl werden in jedem der 19 Fundamente verbaut, die dann mit rund 140 Kubikmetern Beton ausgegossen werden. Das soll den bis zu 50 Meter hohen neuen Masten Halt geben.

Investition von 7,5 Millionen Euro

Im Bereich Bergfeld erschwert eine besondere Situation die Erneuerung der 2,3 Kilometer langen Lebensader des elektrischen Energienetzes. Dort kreuzt die Hochspannungsleitung eine Stromleitung der Deutschen Bahn. Um die alten Masten demontieren zu können, muss die Stromleitung der Bahn vorübergehend gekappt, und die Energie zum Betrieb der Züge über ein provisorisch verlegtes Kabel umgeleitet werden. Das erfordert natürlich eine genaue Abstimmung mit der Bahn, damit die Züge im Lennetal nicht plötzlich still stehen.

Sobald alle neuen Masten stehen, werden sie mit den Leiterseilen bestückt, durch die schließlich der elektrische Strom fließen wird. Am Ende der Maßnahme wird Enervie rund 7,5 Millionen Euro in die neue Freileitung investiert haben. Insgesamt lässt Enervie schon seit 2006 für insgesamt 30 Millionen Euro 335 Hochspannungsmasten erneuern beziehungsweise sanieren.

Rubriklistenbild: © Griese

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare