Spätestens 2022

Aus für Kraftwerk Elverlingsen in Werdohl

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Flaute in Sicht: Noch höchstens acht Jahre lang soll das Enervie-Kraftwerk in Werdohl-Elverlingsen Strom produzieren.

Werdohl - Spätestens im Jahr 2022 brauchen die rund 200 Mitarbeiter des Kraftwerkes Elverlingsen einen neuen Arbeitsplatz. Der Kraftwerksbetreiber Enervie hat angekündigt, sich aus der konventionellen Stromerzeugung zurückzuziehen.

Von Constanze Raidt

„Der Vorstand hat eine Grundsatzentscheidung getroffen“, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster. „Es ist nicht mehr möglich, konventionelle Kraftwerke wirtschaftlich zu betreiben.“ Als Grund gab Köster eine „Fehlsteuerung“ bei der Umsetzung der Energiewende an. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es, allein im Jahr 2013 habe Enervie im Bereich der konventionellen Stromerzeugung Defizite in Höhe von 50 Millionen Euro verzeichnet.

Schon im September hatte der Konzern die Stilllegung seiner Gas- und Kohlekraftwerke angekündigt. Jetzt hat der Vorstand einen Zeitplan festgelegt. Bis 2020 oder 2022 muss das Kraftwerk Elverlingsen noch laufen, um die Stromversorgung im Märkischen Kreis sicherzustellen. Denn die Region stellt eine Insel im Stromnetz dar und ist nur über eine Schnittstelle in Hagen mit dem überregionalen Netz verbunden. Diese wird erst in sechs bis acht Jahren so weit ausgebaut sein, dass der Kreis vollständig von außen versorgt werden kann.

Zwar sei „nicht hundertprozentig ausgeschlossen“, dass sich die wirtschaftliche Lage im Laufe der nächsten Jahre ändere, sagte Andreas Köster. „Stand heute“ sei aber die Abschaltung vorgesehen. Wie es für die 200 Angestellten in Elverlingsen weitergeht, ist noch ungewiss. In den Enervie-Kraftwerken in Herdecke und Hagen sind weitere 150 Mitarbeiter betroffen. Für einige komme sicher das Altersteilzeit-Modell in Betracht, kündigte Köster an. Andere könnten an anderer Stelle im Unternehmen arbeiten. „Gott sei dank haben wir ja noch Zeit dafür“, sagte der Enervie-Sprecher.

Thomas Majewski, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, hat schon einen ersten Blick auf die Altersstruktur der 350 Kollegen geworfen. „Es gibt sicher Potenzial, für einige Kollegen eine Lösung über Altersteilzeit zu finden“, zeigte sich Majewski am Freitag vorsichtig optimistisch. „Aber so weit sind wir ja noch nicht.“ Die Entscheidung des Vorstands müsse weiter mit Leben gefüllt werden. „Wir machen ja das eine oder andere mit – aber die Maßgabe ist immer die Sozialverträglichkeit“, mahnte der Vorsitzende. Sein Betriebsratskollege Ludger König aus Werdohl sagte, die Ankündigung „erfüllt die Mitarbeiter mit großer Sorge.“

Dass der Vorstand schon Anfang der Woche seinen Beschluss fasste, hat den Betriebsrat offenbar überrascht. „Es wurde ja schon lange darüber geredet“, sagte Thomas Majewski. „Aber mit der Entscheidung hatte ich nach der Sommerpause gerechnet.“

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