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Energiesparen nicht um jeden Preis: Wasser in Sportstätten bleibt warm

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Von: Volker Griese

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Frauen sollten unter der Dusche besser nicht pinkeln.
Sportlerinnen und Sportler können in städtischen Sportstätten weiterhin bei angenehmen Wassertemperaturen duschen. Die Politik hat einen anderslautenden Vorschlag der Stadtverwaltung abgelehnt. © Patrick Pleul

Die Sportler können aufatmen: Trotz aller Bemühungen zum Energiesparen wird ihnen die Stadt Werdohl das warme Wasser nicht abdrehen. Nach einem Beschluss des Bau- und Liegenschaftsausschusses soll aber an anderen Stellen gespart werden. Und: An einer Tradition soll nur ganz behutsam gespart werden.

Werdohl ‒ Fünf Wochen zuvor hatte sich bereits der Stadtrat damit befasst, wie in öffentlichen Gebäuden Energie eingespart werden könnten. Einen Beschluss hatte er aber vertagt, weil die Fraktionen noch Beratungsbedarf gesehen hatten. Deshalb landete das Thema nun auf der Tagesordnung des Bau- und Liegenschaftsausschusses.

Bürgermeister Andreas Späinghaus machte gleich zu Beginn deutlich, dass die Vorschläge der Verwaltung nicht in Stein gemeißelt seien. „Das sind natürlich Maximalvorschläge, die nicht zwingend eins zu eins umgesetzt werden müssen“, signalisierte er, dass es in Fällen, in denen das Gesetz keine klaren Regelungen vorsehe, Entscheidungsspielraum gebe.

Sportler in Sorge

Zündstoff barg vor allem der Vorschlag der Verwaltung, in den Sportstätten das warme Wasser abzudrehen. Wohl deshalb waren Dr. Richard Müller-Schlotmann und Stefan Keggenhof vom Stadtsportverband sowie Volker Oßenberg vom TuS Versetal und Rüyan Oruc von der FSV Werdohl als Beobachter zur Sitzung gekommen. Ihre Sorge, Sportlern würde zukünftig die heiße Dusche gestrichen, erwies sich aber schnell als unbegründet.

Alle vier Fraktionen – CDU, SPD, WBG und FDP – sprachen sich mehr oder weniger vehement dagegen aus, das warme Wasser in den städtischen Sportstätten abzudrehen. Sie befürchteten entweder negative Auswirkungen auf den Vereinssport (WBG), eine Verlagerung des Energieverbrauchs auf die Privathaushalte (SPD) oder hygienische Probleme durch Legionellen in nicht genutzten Wasserleitungen (CDU). Für die FDP käme ein Verzicht auf Warmwasser nur infrage, wenn sich die Gasmangellage verschärfen sollte, dann aber könnten die Sportstätten auch ganz geschlossen werden, hieß es.

Sparen beim Flutlicht?

Richard Müller-Schlotmann, dem der Ausschuss als Vorsitzendem des Stadtsportverbandes Rederecht einräumte, verwies darauf, dass ein Abstellen des Warmwassers in den Sportstätten eine freiwillige Maßnahme der Stadt wäre. In der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung würden Anlagen, „bei denen der Betrieb von Duschen zu den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen gehört“, von der Pflicht zur Temperaturbeschränkung ausgenommen, zitierte er. Gleichzeitig signalisierte er die Bereitschaft des organisierten Sports, an der Erarbeitung einer gemeinsamen Lösung zum Energiesparen mitzuarbeiten. Beispielsweise könne vielleicht beim Flutlicht gespart werden.

In den Köpfen der Ausschussmitglieder war die Entscheidung da aber schon längst gefallen – und zwar pro Warmwasser in den Sportstätten. Damit konnte auch Bürgermeister Späinghaus, dessen Verwaltung ja die Abschaltung vorgeschlagen hatte, gut leben: „Wir müssen ja immer vom schlimmsten Fall ausgehen, also zum Beispiel einem sehr kalten Winter“, erklärte er, wie es zu dem Vorschlag gekommen war, und bemühte sich, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, der Stadt sei der Sport nicht wichtig.

Wenn sich die Krise zuspitzt, muss die Entscheidung vielleicht noch einmal korrigiert werden.

Andreas Späinghaus, Bürgermeister

Grund zur Euphorie sah der Bürgermeister dennoch nicht. „Wenn sich die Krise zuspitzt, muss die Entscheidung vielleicht noch einmal korrigiert werden“, sagte er.

Neben der Frage der Wassertemperatur beim Duschen hatte der Ausschuss aber auch noch über eine ganze Reihe von anderen Maßnahmen zum Energiesparen in öffentlichen Gebäuden zu entscheiden. Die waren aber weitaus weniger strittig.

Heizgeräte im Rathaus verboten

Im Rathaus und in den Büros des Baubetriebshofes soll die Raumtemperatur tagsüber auf 19 Grad reduziert werden. Heizgeräte werden verboten, stattdessen wird die Belegschaft angehalten, wärmere Kleidung anzuziehen. Durchlauferhitzer, die in einzelnen Büros vorhanden sind, werden abgeschaltet.

In den Schulen wird die Temperatur in Klassenzimmern um ein Grad auf 20 Grad reduziert, ebenso in den Räumen der Jugendeinrichtungen in der Stadtmitte, in Pungelscheid und Ütterlingsen. In allen öffentlichen Gebäuden soll über eine längere und/oder tiefere Nachtabsenkung der Heizungstemperaturen ebenfalls Energie eingespart werden. Weil Kindertagesstätten von den Vorschriften der Energiespar-Verordnung ausgenommen sind, ändert sich dort nichts.

Sparen bei Weihnachtsbeleuchtung

Diskussionsbedarf gab es noch über die Weihnachtsbeleuchtung. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Lichterketten in der Innenstadt nur teilweise zu installieren. Dagegen regte sich im Ausschuss Widerstand. Es solle „wenigstens etwas weihnachtlicher Glanz erhalten bleiben“, fand CDU-Ratsherr Andreas Holthaus und schlug vor, die Beleuchtung früher abzuschalten, „vielleicht um 21 Uhr, wenn alle Geschäfte geschlossen sind“. SPD-Fraktionschefin Marion Gierse brachte die Variante ins Spiel, die Beleuchtungsdauer auf die Zeit vom ersten Advent bis zum zweiten Weihnachtstag zu reduzieren. Einig waren sich die Ausschussmitglieder darin, dass nicht weniger Lichterketten aufgehängt werden sollen. Das fand auch Bürgermeister Andreas Späinghaus angesichts des geringen Stromverbrauchs der LED-Leuchtmittel vertretbar.

Die Ausschussentscheidung wird nun noch in einen Dringlichkeitsbeschluss umgewandelt. Den muss dann der Rat zwar am 21. November noch bestätigen, die Verwaltung kann den Beschluss aber sofort in Taten umsetzen.

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