Energiearmut als „soziale Zeitbombe“

WERDOHL - Das Thema „Energiearmut“ beschäftigte die Mitglieder des Sozialausschusses im Rahmen ihrer Sitzung am Dienstagabend. Ulrike Weißberg von der Awo Schuldnerberatung, Daniel Intile vom Caritasverband für das Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid und ein Vertreter der Fachstelle Wohnen standen den Lokalpolitikern Rede und Antwort.

Von Ute Heinze

Ulrike Weißberg erläuterte den Ausschussmitgliedern den Jahresbericht ihrer Organisation und ging zunächst auf das Problem Energieschulden und Energiearmut ein, von dem mittlerweile viele ihrer Werdohler Klienten betroffen seien. Alte Geräte mit hohem Verbrauch, die auf Grund der finanziellen Situation der Klienten nicht ersetzt werde könnten sowie die allgemeine Erhöhung der energieverbrauchenden Geräte als auch die steigenden Stromkosten nannte die Expertin unter anderem als Gründe für Energiearmut. Hinzukomme auch oft Unwissenheit, wie beispielsweise Energie gespart werden könne.

Bodo Schmidt, Leiter der Abteilung Soziales und Wohnen, wusste aus seinem Arbeitsalltag zu berichten, dass immer mehr Menschen an Lenne und Verse schon lange keinen Strom mehr hätten und deshalb beispielsweise nicht mehr kochen könnten. „Die Energiepolitik der Bundesregierung ist ein Irrweg“, sagte Stefan Sensenschmidt von der FDP und fügte hinzu: „Und die Irrfahrt geht auch zukünftig weiter.“ Daniel Intile vom Caritasverband wusste zudem zu berichten, dass die Klienten erst dann in der Beratungsstelle auftauchen würden, wenn es meist schon zu spät sei: „Die Leute kommen oftmals erst, wenn der Strom schon abgeklemmt ist. “

WBG-Politiker Christian Klepatz schlug die Idee einer Energiebremse – ähnlich einer Prepaid-Karte für das Handy vor. „Die Leute sollen so lernen, mit Energie besser umzugehen“, sagte der WBG-Politiker. Der Experte vom Caritasverband wies darauf hin, dass die Energieversorger dies ablehnen würden, weil der technische Aufwand und die Kosten für eine solche Energiebremse zu hoch seien.

Ulrike Weißberg machte in der Diskussion zudem deutlich, dass der Drang zum Konsumieren in den vergangenen Jahren bei ihren Klienten gestiegen sei. Bürgermeister Siegfried Griebsch sah das ähnlich. Er argumentierte mit einer Veränderung des Konsumverhaltens und allgemein gestiegenen Kosten, die zur Überschuldung führen würden.

Weißberg wandte sich zudem noch mit einer Bitte an den Bürgermeister: Viele ihrer Klienten mit Migrationshintergrund hätten oft ein Problem, einen Job zu finden. „Vielleicht gelingt es ihnen, die hiesigen Unternehmer dazu zu bringen, das Bewerbungsverfahren zu anonymisieren“, bat sie das Stadtoberhaupt um Hilfe.

Zudem machten die drei Experten, die der Ausschussvorsitzende Andreas Späinghaus im Rahmen der Sitzung eingeladen hatte deutlich, dass viele Vollzeitbeschäftigte finanzielle Unterstüzung bräuchten, weil sie mit ihrem Einkommen den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten könnten. Dies gelte insbesondere für Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen. „Dieses Thema wird den Sozialausschuss zukünftig sicher noch des Öfteren während der Sitzungen beschäftigen“, sagte der Ausschussvorsitzende Andreas Späinghaus (SPD) und sprach in diesem Zusammenhang von einer „sozialen Zeitbombe.“

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