Endlich mal wieder in Ruhe auf den Markt gehen können

Die Organisatorinnen und Maßnahmenträger von Stadt, Stadtklinik und Woge stellten gestern zum Start des Demenz-Cafés am 7. November im Haus Danziger Straße 9 die Details vor. - Foto: Heyn

WERDOHL - Zum ersten Mal wird am Donnerstagvormittag, 7. November, das Werdohler Demenz-Café im Gemeinschaftsraum des Hauses Danziger Straße 9 seine Dienste anbieten. Es ist ein lange und sehr gründlich vorbereitetes Angebot, Angehörigen von Demenzkranken einen freien Vormittag und so vielleicht den Marktbesuch zu ermöglichen.

„Weder der Name Demenz-Café noch der Termin sind festgelegt“, sagt Gudrun Siebert von der Stadt, eine der Initiatorinnen des neuen Hilfsangebotes. Gemeinsam mit der Stadtklinik und der Wohnungsgesellschaft ist ein ausbaufähiges Konzept vorbereitet worden, um auch in Werdohl Angehörigen von dementiell Betroffenen einen Freiraum anzubieten. So genannte Demenz-Cafés gibt es schon in den Nachbarstädten Lüdenscheid und in Altena. Auch in Werdohl muss es einen Bedarf an so einem Hilfsangebot geben, ist Gudrun Siebert überzeugt. Nach Schätzungen und Hochrechnungen muss es in Werdohl bis zu 300 Demenzkranke geben.

Die Betreuung im Gemeinschaftsraum des Woge-Hauses Danziger Straße 9 direkt gegenüber dem Nachbarschaftshilfezentrum in Ütterlingsen ist wöchentlich für drei Stunden von 9 bis 12 Uhr vorgesehen. Die Kosten für die Betreuung betragen fünf Euro pro Stunde, für den Vormittag also 15 Euro. Die Angehörigen müssen dies am Tage selbst bezahlen, können es sich aber über die Pflegekasse zurückgeben lassen. Bis zu 200 Euro im Monat deckt die Pflegekasse solche Betreuungskosten. Siebert: „Bei manchen ist es im Bescheid über Pflegegeld schon drin.“ Der zu betreuenden Person muss eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ attestiert sein, dann zahlt die Pflegekasse.

Für das Werdohler Demenz-Café haben sich insgesamt 14 Personen als „ehrenamtliche Alltagsbetreuer“ fachlich fundiert ausbilden lassen. Jede Betreuerin hat 36 Stunden Ausbildungszeit investiert. In Rufbereitschaft ist zudem immer eine examinierte Altenpflegerin.

Siebert: „Wir haben den ganzen Sommer lang in Arztpraxen und Apotheken Werbung gemacht.“ In zwei gut besuchten Vorträgen in der Stadtbücherei wurde in den vergangenen Tagen auf das Demenz-Café aufmerksam gemacht. Auch ein Anfänger-kursus mit 14 Teilnehmern ist gestartet.

Teilnahme bislang noch eine Hemmschwelle

Doch die Hemmschwelle scheint noch groß zu sein: Es gibt bislang für das erste Werdohler Demenz-Café nur zwei bis drei Interessenten. „Damit fangen wir auf jeden Fall an“, so Siebert. Ingo Wöste von der Wohnungsgesellschaft: „Wir haben hier in Ütterlingsen die Strukturen und können das anbieten.“ Die Woge übernimmt den Teil der Kosten, die von den fünf Euro pro Stunde nicht gedeckt sind. Mit dem Gemeinschaftsraum im Wohngebäude Danziger Straße und der Verbindung zum NHZ gegenüber sei der Standort ideal. Stadtteilmanagerin Silke Kreikebaum ist ebenfalls vom Serviceangebot des Demenz-Cafés überzeugt. „Wir organisieren sogar das Abholen aus der Wohnung“, so Kreikebaum. Das muss dann allerdings vom Angehörigen bezahlt werden. Und Sandra Ormeloh vom NHZ weiß von Angehörigen, die sich ehrenamtliche Betreuer für einen dementen Menschen ins Haus holen, um selbst mal wieder Luft holen zu können und etwas Freiraum zu genießen. Aber auch hier sei die Hemmschwelle – noch – groß, sich einen fremden Ehrenamtlichen in die Wohnung zu holen. Auch diese Betreuung zu Hause ist über die Pflegekasse finanzierbar. „Eine Demenzerkrankung ist ein 24-Stunden-Job“, so Ormeloh.

Die Ehrenamtlichen suchen jetzt noch einen älteren Buffet-Schrank für das Café sowie altengerechte Spiele wie „Memory Zeitreise“ oder ein altes Mensch-ärgere-Dich-nicht.

Von Volker Heyn

Kontakt zum Demenz-Café gibt es über Gudrun Siebert bei der Stadtverwaltung, Tel. 0 23 92 /917 267, und über Sandra Ormeloh und das NHZ Ütterlingsen, Tel. 80 70 40.

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