Endlich kein Klo-Gestank mehr: Stadt verlegt neuen Kanal in Friedrichstraße

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Tiefbauabteilungsleiter Martin Hempel und Bauingenieurin Nina Hoffmann vor der Baugrube in der Bundesstraße: Von dort aus wird der Kanal in der Friedrichstraße (hinten links) erneuert. Noch zwei bis drei Wochen muss um das Loch herumgefahren werden.

Werdohl - Eine große Baugrube mitten in der Bundesstraße kurz vor der Lennebrücke zeugt davon, dass nach Jahren die in manchen Häusern unzumutbare Entwässerungssituation an Friedrichstraße und Schützenstraße beseitigt wird.

Tiefbauabteilung und Sondervermögen Abwasser bereinigen die Situation im wahrsten Sinne des Wortes und sorgen in einigen Haushalten für frische Luft.

Klagen kamen immer wieder von Nadja Abd el Gawag aus der Schützenstraße. Neben ihrer Wohnzimmerwand verläuft ein maroder Privatkanal, über den Anlieger der Friedrichstraße durch ein Sammelsurium an Sickergruben und Rohrleitungen ihre Hausabwässer entsorgen. Fäkalien landeten auf diese Weise im Keller der Werdohlerin und sorgten über Jahre immer wieder für unerträglichen Gestank im Wohnzimmer. Was zusätzlich ungeklärt im Grundwasser und wieder in der Lenne landete, kann gar nicht bemessen werden. 

Doch auch an der Friedrichstraße gab es talseitig Anlieger, die mit der Situation nicht zufrieden waren. Familie Kämmerling hatte ebenfalls ein geruchsintensives Abwasserproblem. Die Anlieger behalfen sich jahrelang mit Raumspray und Abdichtungen durch Plastiktüten. 

Verzögerungen durch einen Teil der Nachbarschaft

Verzögerungen gab es aber durch einen Teil der Nachbarschaft. Eigentlich hätten die Anlieger, die in den Privatkanal entwässerten, dessen Reparatur bezahlen müssen. Obwohl die Stadt diesen Leuten entgegen kam, konnten sie sich untereinander nicht einigen. Immer mal wieder scherte einer aus der Solidarität, so dass es zu keiner Lösung kam. Die Situation war rechtlich nicht gesichert. 

Also griff die Stadt zur härtesten Maßnahme und ordnete einen Zwangsanschluss an die beiden Kanäle in der Friedrichstraße an. Etwas später stellte sich heraus, dass die bestehenden Leitungen in der Friedrichstraße alt und marode waren. 

Kanal musste geplant und ausgeschrieben werden

Wieder ging Zeit ins Land, weil der neu zu bauende Kanal erst geplant und ausgeschrieben werden musste. Bis die Planungen und die Beauftragung der Baufirma soweit waren, wurde es Dezember. Dazu Tiefbauabteilungsleiter Martin Hempel: „Wir hätten die Baustelle damals mit aller Gewalt durchziehen können, doch das machte nicht allzu viel Sinn.“ Kurz vor Weihnachten mitten in die Bundesstraße ein Loch zu graben und mit dem Kanalbau voll in den Winter zu kommen schien zu risikoreich. Die Baumaßnahme wurde auf den jetzigen Zeitpunkt verschoben. 

Der überaus geduldig wartenden Frau Abd El Gawag kam das Sondervermögen Abwasser der Stadt entgegen, flickte auf eigene Rechnung die gröbsten Löcher im Rohr neben ihrem Wohnzimmer und spülte durch. Ihr Weihnachtsgeschenk war ein Haus, in dem es endlich einmal nicht mehr durchdringend nach Klo stank. 

Ende Juni soll der Kanal verlegt sein 

In der vergangenen Woche hat Firma Ossenberg begonnen, das Kopfloch in die Bundesstraße zu graben. Die Autos fahren drumherum, die Bushaltestelle ist verlegt. In diesem Loch wird das Abwasser später in den Hauptsammler in der Straße eingeleitet. Von dort aus wird das neue 60-Zentimeter-Rohr in die Friedrichstraße verlegt. 

Die Anlieger müssen für ihre Hausanschlüsse finanziell aufkommen. Da der neue Kanal extra tief verlegt wird, sind nur in wenigen Fällen Hebeanlagen für die Entwässerung von Keller oder Erdgeschoss nötig. Die Stadt kommt den Anliegern insoweit entgegen, dass die Straßendecke solange geöffnet bleibt, bis sich die Anlieger angeschlossen haben. Ende Juni werden dann etwa zwei Drittel der Friedrichstraße neu asphaltiert. 

Die gesamte Baumaßnahme kostet 335 000 Euro, dazu kommen 15 Prozent Planungskosten.

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