Eltern dürfen Kindern nicht mehr beim umziehen helfen

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Wie hier bei der Aktion Quietschfidel wird Kindern im Hallenbad Riesei das Schwimmen durch den SV 08 beigebracht. Manche jüngeren Kinder gehören dann zur Schwimmer-Gruppe, können sich aber noch nicht selbst anziehen. Eltern dürfen jetzt nicht mehr mit in die Kabinen, um ihren Kindern zu helfen. Das stößt bei den Eltern auf Unverständnis.

WERDOHL - Der Mittwochnachmittag ist im Werdohler Hallenbad der Trainingstag für den Werdohler Schwimmverein 08. Etwa 80 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 14 Jahren kommen ins Bad, zwischen 20 und 25 Kinder zwischen vier und sechs Jahren zählt die Nichtschwimmergruppe. Um den jüngeren Kindern beim Umziehen und Anziehen zu helfen, kamen bislang auch Eltern ins Bad am Riesei. Dies ist nun allerdings bei den Schwimmern nicht mehr erlaubt.

Eltern dürfen den Umkleidebereich nicht mehr betreten – aus hygienischen Gründen, wie Frank Schlutow, Geschäftsführer der Werdohler Stadtwerke und Leiter der Bäderbetriebe, erklärt. Bei Eltern stößt diese neue Regelung auf Unverständnis.

Manfred Ludenia und Nina Schwen zählen zu den Eltern, die diese Vorschrift kritisieren. Seine Tochter, so berichtet Ludenia, sei sechs Jahre alt, habe seit Kurzem das Seepferdchen-Abzeichen und zähle seither zu den Schwimmern. Sich nach dem Training alleine anziehen und die Haare föhnen könne das Mädchen aber noch nicht. „An den Föhn kommt sie gar nicht ran“, berichtet Manfred Ludenia.

Kinder im Alter seiner Tochter seien meist noch nicht in der Lage, sich nach dem Schwimmen richtig abzutrocknen und alleine anzuziehen. Ähnlich sieht das auch Nina Schwen, deren sechseinhalbjährige Tochter ebenfalls die Schwimmgruppe des SV 08 besucht. Gerade in den Wintermonaten sei die Hilfe der Eltern wichtig, um Erkältungen vorzubeugen, führt sie an. Außerdem müsse sie als Mutter ihrer Aufsichtspflicht nachkommen können, so Nina Schwen. Mütter und Töchter würden außerdem ebenso wie Väter und Söhne die entsprechenden Sammelumkleiden nutzen. Weiterhin würden auch Einzelkabinen genutzt. Probleme habe es bislang nie gegeben. Manfred Ludenia und Nina Schwen sind bereit, im Umkleidebereich Badelatschen zu tragen.

Dies hätten in der Vergangenheit aber nicht alle Eltern so gesehen, entgegnet Bäderchef Schlutow. Wenn der SV 08 das Bad mittwochs für seine Vereinszwecke nutzte, seien Eltern wiederholt mit Straßenschuhen bis in den Duschbereich gegangen. „Das geht gar nicht“, bemängelt Schlutow. Er selbst habe beobachtet, dass sich Kinder im Dusch- und im Umkleidebereich nur auf Zehenspitzen bewegt hätten, weil es auf dem Boden durch Schuhe so schmutzig gewesen sei. In einem öffentlichen Bad müsse man den hygienischen Anforderungen nachkommen. Daher sei die bisherige Regelung nicht mehr zu tolerieren.

Sicherlich gebe es auch Eltern, die sich vorbildlich verhalten und Badeschuhe tragen würden. „Andere tun das aber nicht“, so Schlutow. Zu kontrollieren sei dies nicht. In anderen Bädern wie beispielsweise in Plettenberg sei die nun getroffene Reglung auch üblich, weiß Schlutow. In Lüdenscheid verfüge der dortige Schwimmverein über einen eigenen Umkleideraum. Das sei aber eben in Werdohl nicht der Fall.

Hans-Peter Guder, Vorsitzender des SV 08 und Übungsleiter, zeigt für beide Seiten Verständnis. Nach einem Gespräch habe man sich zumindest für die Gruppe der Nichtschwimmer-Kinder darauf einigen können, dass die Eltern diesen beim Ankleiden helfen dürfen – vorausgesetzt, sie ziehen ihre Straßenschuhe aus.

Er selbst habe aber leider auch schon erlebt, dass Eltern „in voller Montur“ in den Duschräumen gestanden hätten.

Generell sei es mittwochs während des Vereinstrainings so geregelt, dass die Kinder vor den Duschen von den SV 08-Betreuern in Empfang genommen würden. Nach dem Training würden die Kinder bis in die Duschen begleitet. Mädchen und Jungen beim Ankleiden zu helfen – dazu seien die Übungsleiter weder befugt, noch könne man dies personell leisten. „Unsere Verantwortung liegt am Beckenrand“, so Guder, der befürchtet, dass die erfolgreiche Vereinsarbeit unter den Unstimmigkeiten leidet.

Von Simone Benninghaus

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