„Gin Rommé“: Geschwister Schwiers begeistern

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Ellen Schwiers begeisterte das Publikum im Festsaal Riesei als die rüstige, schlagfertige Rentnerin Fonsia Dorsey.

WERDOHL ▪ Ellen und Holger Schwiers begeisterten am Donnerstag mit dem Stück „Gin Rommé“ das Publikum im Werdohler Festsaal Riesei.

Von Thomas Krumm

Die Beiden schenken sich nichts: „Sie sind ein solcher Dreckskerl. Braten Sie doch in der Hölle!“, wünscht Fonsia Dorsey ihrem Mitbewohner Weller Martin. „Maul halten!“ und „Blöde Kuh!“, blafft der zurück. Solche Töne sind eher ungewohnt für die Seniorenresidenz, in der sich die beiden Geschiedenen kennengelernt haben.

Zunächst erzählen sie einander aus ihrem Leben, berichten von den Kindern und von den in die Brüche gegangenen Ehen. Vor allem aber spielen die beiden Rommé, versetzt mit einer Prise Gin, was dem Schauspiel des US-Amerikaners Donald L. Coburn den Titel gab: „Gin Rommé“. Ellen Schwiers und ihr jüngerer Bruder Holger Schwiers, gute Bekannte im Festsaal Riesei, kamen am Donnerstag nach Werdohl, um das Zwei-Personen-Stück mit Herz und Leidenschaft zu präsentieren.

Ellen Schwiers als die rüstige, schlagfertige Rentnerin Fonsia Dorsey und Holger Schwiers als der muntere, zuweilen grantelnde Weller Martin, der leidenschaftlich gern dem Kartenspiel frönt. Gegen alle Wahrscheinlichkeit gewinnt Fonsia ein Spiel nach dem anderen, was er mit immer weniger Fassung trägt.

„Eine der gewaltigsten Glückssträhnen, die ich in meinem Leben je erlebt habe“, schimpft er. Als „Running Gag“ war ihr ewiges „Gin!“ nett, doch mit der Zeit verblasste der Charme des Immergleichen. Dafür entschädigten die Gespräche über die Abläufe im Altenheim. Nur zu berechtigt schien der Spott über gedankenlose Klassiker vom Typ: „Wir nehmen jetzt unsere Medizin.“ Und mit Würde gealterten Senioren darf man zugestehen, über das „Lager von Tattergreisen“ zu lästern, das vom Personal andauernd mit merkwürdiger Unterhaltung gequält wird.

Hier wurde es spannend, aber leider waren die kritischen Töne in Coburns Stück immer nur kleine Sticheleien gegen den Altersheim-Alltag: Schlechtes Essen, nicht vertragene Medikamente, Mitmachkonzerte und die Ausplünderung von Bewohnern in manchen Heimen boten durchaus Sprengstoff. Doch das Ambiente, das optisch mehr hergab, als die kritischen Töne vermuten lassen, diente vor allem als Kulisse für einen Showdown zwischen den beiden Hauptfiguren, die nicht wirklich aus ihrer Haut konnten: „Genauso wie meiner zuhause“, beschimpfte sie ihn am Ende des Stücks, das damit immerhin nicht auf ein billiges Happyend setzte. Spaß machte das Ganze aber vor allem durch die beiden Darsteller, die sich umschwärmten und beharkten, in die Irre führten und bei alledem doch irgendwie gern hatten. Das Publikum im halbgefüllten Festsaal hatte Spaß an der Geschichte und feierte die beiden Akteure am Ende im Stehen.

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