Elektrisch fahren in Werdohl - ein Markt-Check

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Der BMW i3 ist schon seit Jahren auf dem Markt, bei Kaltenbach am Kettling kann man das Fahrzeug kaufen. Der Kleinwagen wird von Geschäftsleiter Marcel Henseler (rechts) und den Verkäufern Markus Schweitzer (am Steuer) und Olaf Schneefus präsentiert.

Werdohl -  Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche die Förderung für E-Autos, die weniger als 40.000 Euro kosten, um 50 Prozent auf 6000 Euro angehoben. Was bedeutet das für Autofahrer, die ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug kaufen wollen? Was gibt der Werdohler Automarkt in diesem Preissegment her? Wir machen den lokalen Markt-Check.

Der Verkauf von rein elektrischen Fahrzeugen ist bei den fünf in Werdohl ansässigen Marken-Autohäusern gerade mal ein Nischenmarkt. Auch wenn die Bundesregierung die Förderung für Fahrzeuge mit weniger als 40.000 Euro Listenpreis gerade von 4000 auf 6000 Euro angehoben hat, wird sich das nicht so schnell ändern. Welches E-Auto ist aktuell in Werdohler Autohäusern zu haben und zu welchen Bedingungen?

Skoda Citigo E iV

Der günstigste in Werdohl zu kaufende Stromer ist brandneu: Das Skoda-Autohaus Schauerte bietet seit einigen Wochen den Citigo E iV an. Das sehr kleine Fahrzeug ist bestellbar, im Autohaus am Kettling steht noch keines. Der Einstiegspreis für das Basismodell liegt bei 20 950 Euro zuzüglich Überführung und Bereitstellung.

Beim Skoda E-Citigo wird der Akku gleich mitverkauft, bei anderen Herstellern gibt es auch Mietmodelle für die Akkus. Obwohl der Citigo-E das erste Elektroauto von Skoda ist, hat Skoda-Verkaufsberaterin Jenifer Hiller schon einige Erfahrung mit dem Verkauf von E-Autos. Einige Jahre war sie beim damaligen Autohaus Berker direkt gegenüber für die Marke Renault zuständig und hat den schon seit 2013 am Markt befindlichen Zoe vermarktet. „An rein elektrisch betriebene Autos traut sich der Privatkunde noch kaum heran“, ist ihre Erfahrung. Hybrid-Fahrzeuge seien viel stärker nachgefragt. Noch sei die Skepsis in Bezug auf Preis, Reichweite und Ladestationen sehr groß.

Mit dem Citigo E wird der preisliche Abstand zum Verbrenner wieder etwas kleiner, ist aber immer noch sehr groß. Von den knapp 21 000 Euro für den Kleinstwagen bekommt der Käufer zukünftig 4000 Euro Prämie vom Hersteller und 2000 Euro Prämie vom Bund, bleiben 15.000 Euro Anschaffungspreis.

„Es wird auch Rabatte geben“, weiß Hiller. Allgemein bekannt ist, dass bei Verbrenner-Neuwagen je nach Händler und Verhandlungsgeschick bis zu 20 Prozent Nachlass gegenüber dem Listenpreis möglich sind. Was es bei E-Autos möglich ist, muss sich im Gespräch zeigen.

Die Hersteller schulen Verkäufer und Werkstatt-Mitarbeiter bestens. Die Marke Skoda bietet Schulungsveranstaltungen an, damit die Verkäufer persönlich die Elektromobilität erleben und von dieses Erlebnis ihren Kunden vermitteln können. Die Verkäufer bekommen Marktbeobachtungen geliefert und den Vergleich zu anderen Herstellern.

Jenifer Hiller ist der Meinung, dass bei reinen E-Fahrzeugen das Privat-Leasing die allerbeste Alternative sei. Die Fahrzeuge würden sich sehr schnell technisch weiterentwickeln. Nach einiger Zeit des Leasings könnten die Fahrzeuge zurückgegeben werden.

Für den Citigo-E gibt es eine achtjährige Garantie auf den verbauten Akku. Der Wagen leistet 61 Kilowatt (83 PS) und schafft im Alltagsbetrieb 258 Kilometer mit einer Ladung.

Renault Zoe

Auf dem zweiten Platz beim Einstiegspreis liegt das aktuelle Modell des Renault Zoe. Markus Kniep von Renault Wahl an der Gildestraße kann den Kleinwagen zu einem Preis ab 21.900 Euro in der Grundversion anbieten, hinzu kommen Überführung und Bereitstellung für 800 Euro.

Bei Renault gibt es zwei Optionen in Bezug auf den Akku. Bei einem Kauf der Batteriezelle kommen 8000 Euro dazu, der Wagen in der Grundversion kostet dann schon knapp 30.000 Euro. Interessant scheint die Miete des Akkus. Bei 7500 Kilometer Fahrleistung im Jahr werden 79 Euro monatlich fällig, bei unbegrenzter Fahrleistung 119 Euro monatlich.

Markus Kniep ist Verkäufer bei Renault Wahl in Werdohl. Der französische Hersteller bietet seit 2013 den rein elektrischen Zoe an, der Kleinwagen gilt deshalb als das am meisten in Europa verkaufte E-Auto. In Werdohl gibt es das Zoe-Modell von 2018 und das optisch überarbeitete Modell von 2019 zu sehen und zu kaufen.

Das neueste Zoe-Modell leistet 80 Kilowatt (109 PS) und hat eine durchschnittliche Reichweite von 390 Kilometern. Weil es den Zoe schon seit vielen Jahren gibt, ist der Kleinwagen das meistverkaufte Elektroauto Europas. Dementsprechend gibt es viel Erfahrung beim Hersteller, beim Händler und bei den Kunden. Der Zoe verkaufe sich, so Kniep, an Verkaufszahlen von Twingo und Clio komme er aber natürlich nicht heran.

Für Kunden ist es ein Nachteil, dass die Renault-Verkäufer außer der Förderung von insgesamt 6000 Euro keine weiteren Rabatte für E-Autos gewähren können. Renault bietet deshalb die erst vor wenigen Tagen ausgehandelte Erhöhung der Förderung ab sofort an: 4000 Euro werden vom Händler weniger berechnet, 2000 Euro muss sich der Kunde von Staat zurückholen.

BMW i3

Der teuerste der in Werdohl erhältlichen rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge ist der BMW i3, der bei Kaltenbach an der Gildestraße von Geschäftsstellenleiter Marcel Henseler und seinen Mitarbeitern verkauft und gewartet wird. Der i3 kostet in der Basisversion 38.000 Euro plus Überführung, bringt aber 125 Kilowatt (170 PS) Leistung und schafft realistisch 300 Kilometer Fahrtstrecke mit einer Akku-Ladung.

Im Kaufpreis ist der Akku enthalten, auf den BMW eine Garantie von acht Jahren gibt. Der i3 ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt, mehr als 150.000 Exemplare sind insgesamt verkauft. Bislang durften bei Kaltenbach die Elektrofahrzeuge nur in Olpe verkauft werden, seit 2018 wird der i3 auch am Kettling angeboten und technisch betreut.

Toyota Mirai

Der Toyota Mirai ist zwar auch ein E-Auto, wird aber nicht mit Akkus, sondern mit Wasserstoff betrieben. Das Fahrzeug kann man theoretisch bei Frank Hoffmann von B&R Automobile in Ütterlingsen kaufen. Der Mirai kostet 78.600 Euro, in diesen Tagen ist der Nachfolger Mirai Concept vorgestellt worden, der ab 2020 erhältlich ist.

Hoffmann hält persönlich nichts von Akku-E-Fahrzeugen: „Zum Glück“ müsse er keine verkaufen, ökologisch sei damit nichts gewonnen. Die Technik der Zukunft ist für den Toyota-Mitarbeiter der Wasserstoffantrieb. Der Mirai schafft immerhin 500 Kilometer und ist in sehr kurzer Zeit betankt. Das Problem neben dem Preis: Die nächsten Wasserstoff-Tankstellen gibt es Kamen und Wuppertal.

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