Eisenbahner unter sich: Ausführungen für „Insider“

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Viele Zuhörer lauschten den Ausführungen von Christoph Riedel im Kleinen Kulturforum. ▪

WERDOHL ▪ 17 000 Fotos von Loks und Zügen habe er in ganz Deutschland gemacht, als Lehrer bliebe ihm an den Nachmittagen und in den Ferien genügend Zeit. Der Lüdenscheider Christoph Riedel blieb entwaffnend ehrlich.

Zu Beginn seines Vortrages über die 150-jährige Geschichte der Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen über Altena, Werdohl, Finnentrop, Altenhundem nach Siegen warnte er, seine Ausführungen seien eigentlich nur etwas für „Insider“. Wer nicht ein ausgesprochener Eisenbahn-Fan sei, für den könnte es „vor allen Dingen im zweiten Teil des Abends langweilig werden“.

Zu Beginn seines Vortrages erläuterte der Lüdenscheider die überregionale Bedeutung der 106 Kilometer langen Schienenstrecke für den Personen- und Güterverkehr. Da kamen bei nahezu jedem im fast ausverkauften Kleinen Kulturforum Erinnerungen auf.

Ursprünglich sei die Ruhr-Sieg-Strecke für den Kohlentransport der Bergbauindustrie geplant gewesen. Erste Idee war es auch, die Schienenfahrzeuge von Pferden ziehen zu lassen.

Letztlich dauerte es aber von der Idee bis zur Realisation ganze drei Jahrzehnte. Die Umsetzung wurde deutlich teurer und nahm fünf Jahre Bauzeit in Anspruch. Immerhin mussten zwölf Tunnel gegraben und zahlreiche Brücken errichtet werden.

Als die Züge dann fuhren, ergab sich schnell ein Interesse der Menschen. „Für heutige Jugendliche ist es unvorstellbar, aber damals sind die Leute tatsächlich mehrere Stunden lang zu Fuß zur Arbeit gegangen – und abends wieder zurück“, wusste Riedel.

Und so prägten Dampfloks das hügelige Gebiet zwischen Ruhr und Sieg. Vor Altenhundem war (und ist) das Gelände sogar derart hügelig, dass Züge hier bis zu drei Lokomotiven brauchen: eine, die vorne zog – und zwei, die hinten schoben. „Trotzdem kamen sie oben auf dem Berg manchmal mit nur noch sechs Kilometern in der Stunde an“, erklärte Riedel, welche Sorgen die Lokführer Tag für Tag hatten.

Am 14. Mai 1965 fing jedoch eine neue Zeitrechnung an. Es stieg kein Dampf mehr in den Himmel auf. Die Bahn vollzog ihre Elektrifizierung.

Ob Dampf, Diesel oder Strom: Im zweiten Teil präsentierte der Lüdenscheider Eisenbahn-Freund einen kleinen Teil seiner Fotografien. Alle Loks, die hauptsächlich auf der Ruhr-Sieg-Strecke eingesetzt wurden, hatte er im Bild festgehalten. Und auch ein paar Züge, die selten unterwegs waren, entkamen seiner Linse nicht. So hatte Riedel auch einen Sonderzug im Bild festgehalten, der Bundesliga-Fans nach Frankfurt brachte.

Zum Schluss der zweistündigen Versammlung begann ein kleiner Teil des Publikums eine Fachsimpelei mit Riedel. Zug-Bezeichnungen, Abfahrtszeiten, Streckenführungen, Jahreszahlen, Kesselgrößen der Dampfloks und vieles mehr wurde zum Gesprächsstoff.

Schließlich blickte Riedel noch in die Zukunft: „Der Fernverkehr hat auf der Ruhr-Sieg-Strecke überhaupt keine Zukunft mehr“, sagte er. Und in der Rückschau auf die vorangegangene Stunde lobte er das Publikum, dass ausgehalten habe, obwohl er eingangs doch ausdrücklich vor aufkommender Langeweile gewarnt hatte.

Michael Koll

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