Klettermomente für das Selbstvertrauen

Bevor es an die Wand geht, gibt es erst einmal eine Einweisung. Kletterexperte Marius Marx erklärt unter anderem, wie die Ausrüstung richtig sitzt. - Fotos: Machelett

Werdohl - Klettern, das ist ein ganz besonderes Hobby und die große Leidenschaft von Marius Marx. Er hat einst sein Hobby zum Beruf gemacht und ist gelernter Industriekletterer und Höhenretter. Doch nach einem Skiunfall war Schluss damit. Das Knie machte nicht mehr mit – dem Sport an sich ist der Werdohler dennoch treu geblieben. Auch, wenn er nur noch vom Boden aus andere Kletterer sichern kann.

Marx ist einer von drei Kletterexperten, die der Werdohler Bürgerstammtisch am Samstagnachmittag engagiert hatte. Denn zum zweiten Mal in diesem Jahr boten die Mitglieder des Stammtischs ein Klettern für Jedermann an den Lennefelsen an.

Auch die elfjährige Pia möchte den Aufstieg wagen. Doch bevor es hinauf geht, bekommt sie eine Einweisung von Marius Marx. „Ich schaue mir zu erst die Größe des Kindes an, dann die Schuhe“, erklärt er. Erst danach beginnt er, Pia mit dem Klettergurt auszurüsten. „Schau einmal, an deinem Oberschenkel muss noch eine Hand zwischen den Riemen passen und an der Hüfte muss er so sitzen, dass er nicht mehr über den Hüftknochen rutschen kann“, erklärt er, während er dem Kind die Ausrüstung anlegt. Jeder Handgriff sitzt. Tausende Male hat er das schon gemacht, vor allem bei sich selbst.

„Klettern ist ein besonderes Hobby. Man gelangt an Orte, die anderen verborgen bleiben. So hat man ein Erlebnis ganz für sich“, sagt Marx. Gerade für Kinder und Jugendliche sei es ein prägendes Erlebnis. Denn die Kinder lernten, sich Ziele zu setzen. „Und wenn sie dann oben angekommen sind, ist das ein toller Erfolg. Das stärkt das Selbstbewusstsein“, weiß der Experte.

Pia hat ihr persönliches Ziel derweil genau vor Augen. Sie will den Felsen erklimmen. Doch so schnell geht das nicht. „Du musst darauf achten, dass du nie ins Seil greifst und das immer mindestens drei Punkte deines Körpers an der Wand sind“, gibt Marx ihr noch mit auf den Weg. Und dann geht es auch schon los. Schier mühelos klettert die Elfjährige den Hang hinauf. „Das war voll cool. Und gar nicht anstrengend. Aber ich bin ja auch trainiert. Ich schwimme nämlich“, sagt sie nachdem sie wieder unten ist.

Wenige Meter weiter will auch der 17-jährige Marvin einmal testen, ob Klettern etwas für ihn ist. Er bekommt seine Einweisung von Christian Liedtke. „Guck, dass du die Wand am besten leicht schräg angehst. Das ist der einfachste Weg“, sagt der Erlebnispädagoge. Stück für Stück arbeitet sich der 17-Jährige hinauf. Tastet mit Füßen und Fingern nach kleinen Felsvorsprüngen. „Das ist auf jeden Fall gar nicht so leicht, wie es aussieht. Aber es hat riesig Spaß gemacht“, sagt Marvin.

Auch Kletterexperte Tobias Hobert hat alle Hände voll zu tun. Mittlerweile ist die Schlange vor seinem Felsen richtig lang. Kinder, Jugendliche und Erwachsene wollen den Aufstieg wagen. „Dafür sind wir ja da. Niemand sollte einfach alleine los klettern. Das ist viel zu gefährlich“, erklärt er. Wer selbst einmal klettern möchte, sollte sich an einen Alpenverein wenden oder an die evangelische Kirchengemeinde in Ütterlingsen, die über einen großen Fundus an Kletterausrüstung verfügt.

Den Mitgliedern des Bürgerstammtischs geht derweil das Herz auf. „Wir haben diesen Platz hier hergerichtet und pflegen ihn. Natürlich sind wir stolz und freuen uns, wenn hier so viel los ist“, sagt Manfred Hoh, Sprecher des Stammtischs. Im kommenden Jahr kann das Probeklettern dann vielleicht sogar schon an zwei weiteren Felsen stattfinden. Denn auch die sollen für Kletterer hergerichtet werden.

Von Lydia Machelett

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