Online als zusätzliches Standbein für Einzelhändler

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In Arbeitsgruppen sprachen die Einzelhändler – links die Werdohlerin Kerstin Bathe – über ihre Erfahrungen und Erwartungen im Zusammenhang mit stationärem und Online-Handel.

Werdohl - „Das Internet ist nicht der Feind des Einzelhändlers“, sagt Ingo Borowicz von der Industrie und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland. Zusammen mit Theresia Mennekes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing der Uni Siegen, hat er am Mittwoch im Rathaus einen Workshop zum Thema „Multi-, Cross- und Omni-Channel-Retailing“ gestaltet.

Viele Einzelhändler stehen längst in Konkurrenz zu Online-Versandhäusern: Amazon und Co. haben 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen der Woche geöffnet, Kunden können also dort immer und von überall stöbern und einkaufen. Und sogar ein Pfund, mit dem Einzelhändler bislang wuchern konnten – die Information und Beratung der Kunden – hat an Wert verloren. Mittlerweile gibt es die sogenannten „Showroomer“, Kunden, die sich beim Einzelhändler beraten lassen und Produkte im Laden anschauen oder ausprobieren, letztlich aber beim Online-Händler preisgünstiger einkaufen.

„Mit dem Workshop sprechen wir gerade die kleinen Einzelhändler an, die unter dem Handel über das Internet zu leiden haben. Sie sind die Inseln in einer Stadt, die nicht verloren gehen dürfen“, sagte Ingo Borowicz, Koordinator des Projekts „Einzelhandelslabor Südwestfalen“, an dem sich auch die Stadt Werdohl beteiligt. Sie sollten durch die Veranstaltung im Rathaus ermutigt werden, die ersten Schritte zu gehen, um selbst ins Online-Geschäft einzusteigen und sich damit ein zusätzliches Standbein zu schaffen.

Eine gute Basis, einen Internet-Shop zu eröffnen, sei die digitale Warenwirtschaft, erklärte Borowicz. Dies sei die Schlüsseltechnologie für die Herausforderungen der Digitalisierung. Es klingt logisch: Ob stationär oder über das Internet – ein Händler kann jedes Produkt nur einmal verkaufen, deshalb ist er gut beraten, seinen Warenbestand stets im Blick zu haben. Wer das im Griff habe, könne relativ leicht im Online-Geschäft aktiv werden, glaubt Borowicz.

Über welche Kanäle Einzelhändler ihre Produkte verkaufen können, sollte der Workshop aufzeigen. Weil der Kunde von heute sich auf vielfältige Weise über Produkte informiert – im Laden, durch Prospekte, in Onlineshops, über Suchmaschinen oder in sozialen Netzwerken –, sollten Händler ihm proaktiv einen Kanalwechsel zu jeder Zeit des Kaufprozesses und über alle Berührungspunkte hinweg ermöglichen.

Allerdings sei es schwer, alle Medien und Kanäle zu bedienen und dabei den Überblick zu behalten, erfuhren die 20 Workshop-Teilnehmer. Wer erfolgreich sein wolle, müsse deshalb seine Zielgruppe möglichst genau kennen und Trends aufspüren. „Jeder muss schauen, wo er einen Mehrwert für sich selbst finden kann“, erklärte Projektkoordinator Borowicz, dass es die allumfassende und für jeden Einzelhändler passende Lösung nicht gebe.

Zu den Teilnehmern des Workshops gehörte auch der Werdohler Mayk Schröder. „Für Einzelhändler ist es unabdingbar, sich dem Online-Markt zu widmen“, sagte der Radio- und Fernsehhändler. Er ist über die Verbundgruppe Electronic Partner bereits im Online-Geschäft aktiv. Schröder bezeichnete den Workshop als guten Einstieg in die Thematik.

Einen anderen Weg würde Kerstin Bathe vom Schuh- und Sporthaus Bathe gehen. Sie wünschte sich eine Art virtuellen Marktplatz, auf dem lokale Einzelhändler im Internet ihre Sonderangebote oder Aktionen anpreisen könnten. Dazu habe sie im Workshop eher wenig erfahren, bedauerte sie. Allerdings habe ihr der Erfahrungsaustausch mit den anderen Einzelhändlern wertvolle Impulse gegeben.

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