Einzelhändler verärgert über bevorstehende Schließungen

Kein Verständnis für neue Corona-Regeln

Click & Meet im Hagebaumarkt Arens und Hilgert: Seit Dienstag können Kunden vor Ort einen Termin buchen und hinterlassen ihre Kontaktdaten. Ab Montag ist das vermutlich aber schon wieder Geschichte.
+
Click & Meet im Hagebaumarkt Arens und Hilgert: Seit Dienstag können Kunden vor Ort einen Termin buchen und hinterlassen ihre Kontaktdaten. Ab Montag ist das vermutlich aber schon wieder Geschichte.

Verunsicherte Kunden und verärgerte Einzelhändler: Die neuen Coronaregeln stoßen in Werdohl und Neuenrade auf wenig Gegenliebe.

„Darf man hier jetzt doch nicht mehr ohne Termin einkaufen? Muss ich vorbestellen und kann meine Sachen nur noch abholen?“ Unschlüssig steht die Neuenraderin zunächst mit ihrem Einkaufswagen vor der Eingangstür des Hagebaumarktes Arens & Hilgert. Dann betritt sie das Geschäft und wird an einer der insgesamt fünf Click-&-Meet-Stationen freundlich empfangen. Nachdem sie ihre Kontaktdaten hinterlassen hat, erhält sie einen Spontantermin – und darf einkaufen.

„Wir haben den kompletten Markt, auch den Gartenmarkt und den Tierfutterbereich, am Dienstagmorgen auf Click & Meet umgestellt. Eine andere Regelung wäre einfach nicht praktikabel“, erklärt Geschäftsführer Jens Hilgert. Auch das Neuenrader Ordnungsamt sei beeindruckt, stellt er fest. Insgesamt stünden etwas mehr als 200 Einkaufswagen zur Verfügung. Jeder Kunde muss einen Wagen nutzen, sind alle vergriffen, darf niemand mehr hinein. „Aber es ist ohnehin nicht viel los. Es läuft nur verhalten an“, berichtet Hilgert. Viele Menschen seien verunsichert. „Es kommen ständig neue Verordnungen. Man blickt ja selbst kaum noch durch.“

Auch einen Blick in die Zukunft wagt der Unternehmer nicht. „Man kann einfach nicht mehr planen. Alles, was wir jetzt überlegen könnten, wäre reine Spekulation“, stellt er resigniert fest. Und so wartet er darauf, was in der neuen Coronaschutzverordnung für NRW festgezurrt wird. Denn sollte Ministerpräsident Armin Laschet die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz eins zu eins umsetzen, wäre das Click-&Collect-System am Montag schon wieder Geschichte. Dann könnten die Kunden nicht mehr selbst im Baumarkt einkaufen, sondern nur noch Waren vorbestellen und abholen. „Bisher kamen die Verordnungen immer etwa 24 bis 30 Stunden nach den Treffen“, weiß Hilgert aus Erfahrung.

Guido Funke, Inhaber und Geschäftsführer des Einrichtungshauses Möbel Sauerland, hat keine Hoffnung mehr, dass Kunden ab Montag noch persönlich bei ihm einkaufen können. Verstehen kann er es nicht: „Wir haben 2500 Quadratmeter Fläche und vergeben Termine.“ Die Risiko, sich mit dem Coronavirus im Möbelhaus zu infizieren, sei folglich denkbar gering. „Im Lebensmittelgeschäft, und gerade im Discounter, sieht das ganz anders aus“, stellt Guido Funke fest. „Dort gibt es ja auch keine zeitliche Begrenzung für den Einkauf. Inzwischen sind diese Geschäfte sogar zum Treffpunkt für manche Menschen geworden“, hat der Unternehmer beobachtet. Er stellt nüchtern fest: „Die Möbelbranche ist grundlos stark benachteiligt.“

Wenig Verständnis für den Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz hat auch Mayk Schröder. „Das Einkaufen mit Termin hat gut funktioniert. Die Leute waren sehr verständnisvoll. Wenn ein Kunde ohne Termin gekommen ist und der Laden war voll, dann hat derjenige draußen gewartet“, sagt der Inhaber der EP:Schröder-Filialen in Werdohl und Neuenrade. Es habe weder lange Warteschlangen noch überfüllte Filialen gegeben. „Deshalb weiß ich nicht, wie das Infektionsrisiko an dieser Stelle gesenkt werden soll“, stellt er fest – und gibt zu bedenken: „Und wenn man tatsächlich glaubt, dass persönliches Einkaufen bei uns Einzelhändlern Risiken birgt, warum fährt man das Ganze dann nicht sofort wieder herunter und wartet erst bis Montag?“ Mayk Schörder ist überzeugt: „Die Politiker wissen einfach nicht mehr, was sie noch machen sollen. Sie ergreifen immer neue Maßnahmen – und es nutzt nichts. Sie sind inzwischen wohl einfach verzweifelt.“

Anders kann sich auch Heiko Tank nicht erklären, warum auch die Lebensmittelgeschäfte am Gründonnerstag geschlossen bleiben soll. Der Inhaber des Edeka-Centers in Werdohl stellt fest: „Der Gründonnerstag ist bei uns der zweitstärkste Einkaufstag im Jahr. Wenn dieser Tag wegfällt, werden die Menschen trotzdem nicht weniger einkaufen und essen. Die Einkaufsströme werden sich nur anders verteilen.“ Insbesondere für den Samstag vor Ostern befürchtet Tank sogar einen gegenteiligen Effekt: „Es wird chaotisch werden und wahrscheinlich brechend voll. Wir können nur hoffen, dass sich dann im Gedränge niemand infiziert.“

Er habe sich bereits um einen Sicherheitsdienst bemüht. Dessen Mitarbeiter würden mit darauf achten, das maximal 144 Kunden zeitgleich einkaufen würden. „Viel mehr können wir nicht tun. Selbst wenn wir früher öffnen und später schließen würden – das nutzt nichts. Wir wissen aus Erfahrung, dass die Kunden weder ganz früh noch ganz spät ihren Einkauf erledigen wollen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare