Corona-Krise in Werdohl, Neuenrade und Balve

Deshalb schließen Geschäfte und Restaurants vorsorglich

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Manuel Zanchin, einer der beiden Inhaber vom Eiscafé Valentino in Werdohl, hat in seinem Geschäft erst einmal alles so gelassen. Offiziell wisse er von nichts.

Werdohl/Neuenrade/Balve - Die Einschränkungen, die durch Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektion notwendig geworden sind, bestimmen mehr und mehr den Alltag in den Städten. Betroffen sind ab sofort vor allem die Gastronomiebetriebe, aber auch einige Einzelhändler haben bereits ihre Geschäfte geschlossen. 

In Werdohl hatte das China-Restaurant Jade am Alfred-Colsman-Platz bereits komplett geschlossen, noch bevor der Erlass zur Einschränkung der Öffnungszeiten von Restaurants, Gaststätten und Cafés auf die Zeit zwischen 6 und 15 Uhr erging. Mit einem Aushang in der Eingangstür machten die Betreiber ihre Gäste darauf aufmerksam, dass es sich bei der vorübergehenden vollständigen Schließung „um eine reine Vorsichtsmaßnahme“ handele und „die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste sowie Angestellten höchste Priorität“ habe.

Von den Einschränkungen für gastronomische Betriebe stark betroffen sind auch Heinz und Ina Friedriszik, die in Neuenrade und Balve insgesamt fünf Betriebe führen. „Ich hatte schon so eine Vorahnung“, sagt Ina Friedriszik, dass sie der Erlass nicht ganz unvorbereitet getroffen habe. Ein Mitarbeiter habe ihr von den Zuständen in Italien berichtet, wo solche Maßnahmen auch kurz nach der Schließung der Schulen getroffen worden seien. „Deshalb habe ich in der vergangenen Woche schon nur noch das Nötigste eingekauft“, sagte die Gastronomin.

Auflagen nicht zu erfüllen

Und Ina und Heinz Friedriszik haben bereits früh ihren ersten Betrieb komplett dicht gemacht. „Das Ballova haben wir schon am Montagmittag geschlossen, weil wir dort die Auflagen mit dem Zwei-Meter-Abstand zwischen den Tischen nicht erfüllen konnten“, schildert sie die Schwierigkeiten in der gemütlichen kleinen Kneipe in der Balver Innenstadt.

Auch das erst zu Jahresbeginn neueröffnete Wirtshaus Syré in Garbeck ist mittlerweile geschlossen. Im Hotel-Restaurant Haus Drei Könige mit der Gaststätte Kasbar und der Tanzbar Melchior an der Balver Hauptstraße drehten die Friedrisziks am Montagabend den Schlüssel herum, die letzten Hotelgäste seien dort am Dienstag nach dem Frühstück abgereist, berichtet Ina Friedriszik.

Gäste "total verängstigt"

Im ebenfalls bereits geschlossenen Neuenrader Hotel-Restaurant Im Kohl werde der letzte Gast am Freitag abreisen. Auch das nur zu besonderen Anlässen oder für private Feiern geöffnete Lokal Zur Altstadt in Neuenrade sei nun erst einmal geschlossen. „Die Leute sind alle total verängstigt, wir hatten jede Menge Absagen“, gibt Ina Friedriszik einen Einblick in ihren Arbeitsalltag in Zeiten der Corona-Krise.

Von den vorübergehenden Schließungen seien rund 40 Arbeitskräfte betroffen, Vollzeitkräfte und Aushilfen. „Ich versuche, durch Kurzarbeit Entlassungen zu vermeiden. Niemand soll arbeitslos werden“, hat sich die Gastronomin zum Ziel gesetzt.

Engelbert Groke, Pächter des Neuenrader Kaisergartens, ist tief besorgt. „Eine Stornierung kommt nach der anderen“, beklagt er. Inzwischen stehe noch eine Hochzeit im Mai an. „Ob es aber dabei bleibt – das weiß man auch noch nicht“, stellt der Gastronom fest. Grundsätzlich habe er Platz genug, um die Tische im Restaurant mit genügend Abstand zu stellen. „Aber das Problem ist, dass die meisten Menschen abends zum Essen ins Restaurant gehen möchten“, unterstreicht Groke.

Da auch touristische Übernachtungen gestrichen sind, seien im Kaisergarten momentan nur noch einige Zimmer an Monteure vermietet. „Das ganze Geschäft läuft auf Sparflamme“, stellt Groke fest.

Erste Geschäfte geschlossen

In Werdohl haben bereits die ersten Geschäfte geschlossen oder zumindest die Kontaktmöglichkeiten für Kunden eingeschränkt. Das Modegeschäft Chica-Style an der Freiheitstraße hatte am Dienstag schon nicht mehr geöffnet. Das Geschäft bleibe „bis auf weiteres geschlossen“, hieß es.

Das kleine Bekleidungsgeschäft Chica-Style an der Werdohler Freiheitstraße hat irgendwelche Erlasse erst gar nicht abgewartet und geschlossen. Gegenüber spiegelt sich die Christuskirche. Die Innenstadt ist so gut wie verwaist.

Auf die erhöhte Ansteckungsgefahr reagiert haben auch andere Werdohler Geschäftsleute. Beispielsweise die Provinzial-Versicherungsagentur Henke & Kober an der Freiheitstraße: Um körperliche Kontakte zu vermeiden, sind die Mitarbeiter derzeit nur telefonisch, per E-Mail, WhatsApp oder Skype zu erreichen.

Ähnliche Maßnahmen ergreift die Krankenkasse Viactiv. Sie hat nicht nur ihr Kundenbüro an der Freiheitstraße für zunächst unbestimmte Zeit geschlossen und verweist auf die Möglichkeit der Kontaktaufnahme per Telefon, E-Mail oder App, sondern bittet auch darum, Unterlagen wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nur noch in den Briefkasten einzuwerfen oder per Post oder die App der Krankenkasse einzureichen.

Unsicherheit bei Einzelhändlern 

Schnitt- und Topfblumen zum halben Preis konnten die Neuenrader am Dienstag im Blumenfachgeschäft von Maike Dietz erwerben. „Ich werde mein Geschäft heute schließen, denn ich gehe davon aus, dass das ohnehin von oben verfügt wird“, kündigte Dietz am Dienstag  an. Unsicherheit herrschte auch bei anderen Einzelhändlern.

„Wir wissen nicht, ob wir morgen noch öffnen dürfen“, sagte Heidemarie Jakob, die im Fachgeschäft SP:Baron viele Anfragen diesbezüglich beantworten musste. Sie wies auf den Reparaturservice hin: „Wenn der Fernseher einer Seniorin nicht mehr funktioniert, ist das in der aktuellen Situation schon gravierend. Schließlich sind alle auf Informationen angewiesen“, sagte Jakob. Deshalb werde man sich in solchen Fällen auf jeden Fall um eine Lösung bemühen. „Das gilt natürlich auch, wenn es beispielsweise Probleme mit dem Telefon geben sollte“, fügte die 69-Jährige hinzu.

Gelassenheit in Eiscafés

So gut wie gar nicht über die aktuelle Situation waren die beiden italienischen Inhaber des Eiscafé Valentino an der Werdohler Freiheitstraße informiert. Solange sie keine direkte schriftliche oder mündliche Anweisung des Ordnungsamtes hätten, würden sie nichts verändern. Im kleinen Eiscafé sei räumlich kaum die Möglichkeit, die Tische zwei Meter auseinander zu stellen.

Auf der Terrasse draußen vor der Eisdiele hockten die letzten Gäste noch einträchtig dicht an dicht. Über die Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz waren sich die Gastronomen allerdings völlig klar.

Wenn sie nur bis 15 Uhr öffnen dürfen und der Eisverkauf aus der Theke heraus eingeschränkt werde, reichten die Umsätze nicht zum Überleben. Der Inhaber hatte sich beim Steuerberater erkundigt: „Wenn ich ganz schließe, kriegen die Mitarbeiter Kurzarbeitergeld.“ Die zumeist ausländischen Gäste an den Tischen schütteln die Köpfe und meinen, dass „der Staat oder die Stadt“ helfen müssten.

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