„Einige Schüler müsste es noch geben“

Schulleiter Jan Veenboer

WERDOHL ▪ Die Erich Kästner-Hauptschule bangt um eine neue fünfte Klasse. Nach dem Ende des Anmeldeverfahrens liegen dem kommissarischen Schulleiter Jan Veenboer nur sieben feste Anmeldungen vor. Selbst überrascht von der Resonanz, glaubt er aber noch an eine neue fünfte Klasse zum Schuljahr 2011/12.

„Laut den allgemeinen Schülerzahlen müssten wir eine Klasse bekommen.“ Dabei rechnet Veenboer vor, dass 18 bis 20 Fünftklässler für die Hauptschule „übrig bleiben“ müssten. Um die bislang „magere Resonanz“ weiß auch Schulamtsleiter Rainer Gumz. Anfang nächster Woche wolle er sich einen Überblick darüber verschaffen, welche der 194 neuen Fünftklässler noch nicht angemeldet wurden. Gumz geht von einer Einzügigkeit bei der Hauptschule aus. Die Politik blickt mit Sorge auf die Situation.

Der kommissarische Hauptschulleiter verweist erst einmal außer auf die sieben festen Anmeldungen auch auf drei formlos Angemeldete. Dass er glaubt, acht weitere Schüler nach den Sommerferien in der fünften Klasse begrüßen zu können, sei kein Zweckoptimismus. Dennoch ist ihm der Ruf der Schulform bekannt. „Wir stehen am Ende der Bildungsskala. Dabei machen wir gute Arbeit. Aber die Akzeptanz der Hauptschule ist zurückgegangen.“ Welchen Effekt die Gemeinschaftsschule in Neuenrade hat, das sei „schwer zu deuten“. Wenig zupass kommt Veenboer, dass die Hauptschule ihr Anmeldeverfahren dieses Jahr nicht erst nach der Gesamt- und Hauptschule hat enden lassen. „Offenbar gab es im Vorfeld keine Absprachen.“ Da die Hauptschule auch auf diejenigen setzt, die an anderen Schulen nicht genommen wurden, soll nun abgewartet werden, bevor weitere Gespräche mit dem Schulamt erfolgen. Im Kollegium gebe es noch keine Sorgen. „Wir beobachten die Entwicklung natürlich mit Argusaugen.“ Aktuell gerate in der heimischen Schullandschaft viel in Bewegung.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Christoph Plaßmann glaubt, dass durch die Gemeinschaftsschule in Neuenrade die Gesamtschule und die Realschule direkt leiden werden – und indirekt die Hauptschule, da weniger Schüler übrig blieben. Die sieben Anmeldungen seien „eine Katastrophe“. Der Trend werde dahin gehen, dass die Hauptschule mittelfristig leiden werde. „Die Gefährung der Erich Kästner-Hauptschule ist da.“

Der SPD-Fraktionschef Cornelius Böttcher geht noch von weiteren Schülern für die Hauptschule aus. Die aktuell geringe Resonanz wertet er aber als „das Ergebnis des Schulwahlverhaltens der Eltern“. Keinen direkten, sondern indirekten Zusammenhang sieht Böttcher hier zur neuen Gemeinschaftsschule in Neuenrade. Durch die nun nicht mehr zum Zug gekommene Begrenzung von neuen Gesamtschülern gebe es zwischen den Schulformen nun eine Konkurrenzsituation.

Die Frage, ob so geringe Anmeldezahlen nicht hätten voraus gesehen werden können, stellt der WBG-Fraktionschef Willibald Mertens in den Raum. Einen Zusammenhang mit der Ablehnung des Kooperationsvertrages mit der Gemeinschaftsschule Neuenrade sieht er nicht. Unterm Strich sei aber bei den Hauptschulanmeldungen „die Entwicklung mehr als schlecht“. Nun alarmiert, setzt Mertens auf eine Diskussion im Schulausschuss.

Da alles noch recht vage sei, hält sich FDP-Fraktionsvorsitzender Friedhelm Hermes mit einer Einschätzung zurück. Doch: „Ich betrachte es mit Sorge.“ Er befürchte das Aus für die Schule. ▪ Marco Fraune

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