Eine wahre Weihnachtsgeschichte ist jetzt im Stadtmuseum zu sehen

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Mit Laubsäge und Wasserfarben fertigte Helmut Remmel die Märchenfiguren aus Sperrholz an.

Werdohl - Es ist eine wahre Weihnachtsgeschichte: Als der 24-jährige Werdohler Helmut Remmel 1945 aus dem Krieg zurückkehrt, findet er keine Arbeit. Um die Familie zu ernähren, wird er erfinderisch: Ein Weihnachtsgeschenk an seinen Sohn entwickelt sich zur Geschäftsidee.

Die Geschichte kann nun im Werdohler Stadtmuseum erkundet werden. Schneewittchen, ihre sieben Zwerge und die Bremer Stadtmusikanten halten Einzug in das Stadtmuseum Werdohl. Im Bahnhofsgebäude wird nicht etwa ein Märchenfest geplant. Bei den ausgestellten Figuren handelt es sich um kleine Kunstwerke eines Werdohlers. Uwe Röther, der Sohn von Helmut Remmel, stellt die bunten Figuren dem Heimat- und Geschichtsverein für eine Ausstellung zur Verfügung. „Ich bin dankbar, dass die Geschichte meines Vaters aufgegriffen wurde und der Verein die Figuren zeigt“, sagt er. 

Die Geschichte beginnt an Weihnachten 1945: „Ich war ungefähr ein Dreivierteljahr alt, da hat mir mein Vater Märchenfiguren geschenkt“, erzählt Uwe Röther. In seinen Lebenserinnerungen, die Helmut Remmel 1993 schriftlich festhielt, beschreibt er, wie bei seinem Weihnachtsbesuch sein Schwager vor Begeisterung den Vorschlag machte, die Figuren in Serie herzustellen. 

Ein Küchentisch - und fertig war die Fabrik

„Unsere Vermieterin hatte noch einen alten Küchentisch. Der wurde in unserer Küche vor das Fenster gestellt, und fertig war die Fabrik“, ist in der Erzählung von den einfachen Verhältnissen zu lesen. 

Heiner Burkhardt (links) und Udo Böhme (rechts) sind froh, dass Uwe Röther die Figuren für die Ausstellung zur Verfügung stellt.

Gefertigt wurden die Figuren aus Sperrholz, das Remmel bei „Verwandten und Bekannten und Nichtbekannten“, zusammentrug. Mit einer Laubsäge wurden die Figuren ausgesägt und abgeschliffen. Bemalt wurden sie mit Wasserfarben und anschließend überlackiert, wie Uwe Röther erzählt. Was nun fehlte, waren die Kunden: „Nachdem die Verwandtschaft versorgt war, wurden die Bekannten abgeklappert, bis sich durch Mundpropaganda viele Türen auftaten“, schrieb Remmel. Bald holte er sich Unterstützung, um die Aufträge erfüllen zu können: Zu seiner Frau, einer Cousine und zwei Vettern kamen ein gelernter Tischler, ein junges Mädchen und ein junger Mann hinzu. Mittlerweile waren die Märchenfiguren nicht mehr nur bei Einzelpersonen gefragt, sondern wurden an das damalige Haushaltswarengeschäft Theodor Busch und das Geschäft von Erich Kohlhage sowie an weitere Geschäfte und Großhandlungen im Umkreis verkauft, wie in der Geschichte zu lesen ist. 

„Freuen uns über Rückmeldungen“ 

Uwe Röther vermutet, dass durch die weite Verbreitung der Figuren in Werdohl und der Umgebung noch einige die Zeit überstanden haben könnten. „Wir würden uns freuen, Rückmeldungen zu erhalten“, betont Heiner Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Seine eigenen Figuren konnte Uwe Röther mittlerweile der jüngsten Generation der Familie zeigen: „Ich habe meiner Enkelin die Märchen erzählt und ihr anschließend die Figuren an die Wand gehängt“, sagt er. 

Die Geschichte, wie Helmut Remmel mit aufwendiger Handarbeit drei Jahre lang den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente, wird im Stadtmuseum ausgehängt, wie Burkhardt und Udo Böhme, 2. Vorsitzender, versprechen. Zu sehen sind die Figuren am morgigen Sonntag und am 15. und 17. Dezember jeweils von 10 bis 12.30 Uhr. Im neuen Jahr kann die Ausstellung immer sonntags von 10 bis 12.30 Uhr besucht werden. „Die Figuren werden etwa bis Ende Januar in der Vitrine bleiben“, sagt Burkhardt.

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