Eine Ära geht zu Ende

Käthe Dohle (72). Wenn der Edeka-Markt in Kleinhammer geschlossen wird, war sie 35 Jahre dort tätig.

WERDOHL ▪ Spätestens am 31. März 2011 endet in Kleinhammer eine Ära: Der Edeka-Markt an der Fischerei wird geschlossen. Zwei Generationen der Familie Eick und zuletzt zehn Jahre Heiko Tank (41) hatten Sorge dafür getragen, dass vornehmlich die Bevölkerung aus dem Versetal – aber auch aus anderen Stadtregionen – mit Lebensmitteln und Dingen des Alltags versorgt werden. Das ist vorbei; die Entscheidung fiel bereits im Herbst.

Unmittelbar im Anschluss sind die Mitarbeiterinnen informiert worden. Begeistert waren sie nicht – aber bis auf eine haben inzwischen alle im Laufe der folgenden Wochen und Monate einen neuen Job oder eine Perspektive gefunden. Es bleiben noch einige Aushilfen.

Für die Kundschaft heißt es im Frühjahr 2011 dann auch, Abschied zu nehmen von einer lieb gewordenen Gewohnheit – das „Pröhlchen“ mit Käthe Dohle (72) an der Kasse. Hier war der Umschlagplatz für manche Information und das Allerneueste aus dem Dorf – und das ist keineswegs negativ gemeint. Nicht wenige haben sich geradezu gefreut, „bei Edeka ein bisschen zu schwatzen“, um hier und da auch mal festzustellen, „dass Käthe nicht unbedingt alles weiß, was in Kleinhammer so vorgeht…“ 35 Jahre hat sie – wenn es beim 31. März bleibt – den Kunden das Geld abgenommen.

Seit der Discounter Lidl in der Stadtmitte geöffnet hat, seien die Umsätze gesunken, „es lief nicht mehr so, wie zuvor“, sagt Edeka-Markt-Inhaber Heiko Tank. „Dass es weniger werden würde, damit habe ich gerechnet, nicht aber mit einem derart extremen Einbruch.“

Wenn er wüsste, wie sich das Jahr 2011 entwickelt, würde er weitermachen, so der 41-Jährige, „aber das ist nicht abzuschätzen“. Deshalb sei es aus seiner Sicht besser, diesen Schritt jetzt zu machen, bevor es zu spät sei. Die vergangenen zehn Jahre seien „eine schöne Zeit“ gewesen. Beeinflusst worden sei seine Entscheidung auch durch die Tatsache, dass der Discounter Netto deutlich aggressiver werbe, als zuvor Plus. Auch das blieb nicht ohne Wirkung. „Es ist leider so: Der Trend läuft darauf hinaus, dass die Kleinen aussterben“, so der umtriebige Geschäftsmann.

Dass seine Entscheidung etwas damit zu tun haben könnte, dass Edeka sich für den Gebäudekomplex an der Inselstraße (früher Plaza oder Minimal) interessiert, verneint Tank. Nach seiner Information suche der Discounter derzeit ein Grundstück für einen Neubau in Werdohl, der dem Anforderungsprofil des Versorgungsriesen entspreche.

Wie geht es weiter? Ladeninhaber Manfred Eick sucht einen Nachfolger, und Heiko Tank wechselt nach Eveking. Hier wird er an der Hauptstraße (neben dem städtischen Jugendraum) einen Party- und Getränke-Service einrichten und seinen Lebensmittel-Hauslieferungsservice organisieren. Zwei neue Lieferanten hat er für diese Zwecke bereits gefunden, die vorhandenen Räumlichkeiten – sehr gut zuvor schon renoviert – bieten genug Platz, die künftige Aufgabe auch logistisch gut abwickeln zu können.

Viele Hauslieferkunden seien Stammkunden, betont Heiko Tank, und wollen ihm auch künftig die Treue halten. Allerdings müssen sie nun ihre Einkaufsliste einen Tag früher durchgeben, denn einfach an den Waren-Regalen vorbei zu gehen – wie bisher – und die Bestellungen einzupacken, das geht dann nicht mehr. Etwas Vorlauf müsse daher sein. Das gelte dann auch für die Vereine, die er bisher für ihre Feste versorgt, für die Feuerwehr oder auch für all jene, die Fleisch zum Grillen brauchen. Das alles sei aber machbar.

Rainer Kanbach

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