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Eine echte Hilfe? Das Geschäft mit den Grundsteuer-Apps

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Von: Volker Heyn

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Die Feststellungserklärung zur Neuberechnung der Grundsteuer können Grundstückseigentümer unter anderem über das Online-Finanzamt Elster abgeben.
Die Feststellungserklärung zur Neuberechnung der Grundsteuer können Grundstückseigentümer kostenlos über das Online-Finanzamt Elster abgeben. Es gibt auch kostenpflichtige Apps und Online-Lösungen privater Dienstleister. © IMAGO/Rolf Kosecki

Die Abgabefrist der Grundsteuer-Neuberechnung ist von Ende Oktober 2022 auf Ende Januar 2023 verlängert worden. Millionen von Grundsteuererklärungen von Privateigentümern fehlen – damit ist ein Markt entstanden für digitale Angebote, die den pflichtigen Eigentümern bei der Erklärung helfen sollen. Die Volksbank in Südwestfalen ist vorne mit dabei.

Märkischer Kreis - Alle Volksbanken – so auch die Volksbank in Südwestfalen – machen derzeit auffällig Werbung für ein vermeintlich eigenes Produkt: Die Grundsteuer-App. Auf Werbeanzeigen in den sozialen Medien und auf den Homepages der Volksbanken findet sich ein Link auf die App mit den Worten: „Grundsteuer einfach online mit der neuen Grundsteuer-App erledigen“. Die entsprechende Seite beim Internetauftritt der Volksbank in Südwestfalen ist an das Erscheinungsbild der Volksbank in Blau und Orange angepasst und fügt sich optisch nahtlos ein.

So könnte man meinen, dass die Grundsteuer-App vielleicht sogar vergünstigt oder gar kostenfrei für Volksbank-Kunden oder wenigstens für deren Mitglieder ist. Die Volksbank ist genossenschaftlich organisiert, Kunden können verzinste Anteile erwerben und werden damit zu Mitgliedern. Doch die App ist weder für Kunden noch für Mitglieder kostenlos, ein direkter Service der Volksbank ist es also streng genommen nicht.

Klickt der Interessierte auf die Verlinkung, landet die Person bei einem kommerziellen Angebot von GrundsteuerDigital, einem Softwareangebot des Unternehmens fino taxtech GmbH mit Sitz in Kassel. Das wurde erst 2021 gegründet, offenbar mit dem alleinigen Zweck, ein Steuerprogramm für Privatkunden anzubieten. Seit Oktober 2021 ist die fino taxtech ein Partner der Datev. Hier ist die Verbindung zu den genossenschaftlichen Volksbanken zu erkennen: Die Datev ist ebenfalls eine Genossenschaft, der drittgrößte Anbieter für Business-Software in Deutschland und einer der großen europäischen IT-Dienstleister.

IT-Unternehmen wie die Datev werben mit ihren Partnern wie die Volksbank in Südwestfalen für digitale Produkte zur Erstellung der Grundsteuererklärung.
IT-Unternehmen wie die Datev werben mit ihren Partnern wie die Volksbank in Südwestfalen für digitale Produkte zur Erstellung der Grundsteuererklärung. © Screenshot

Die Genossenschaft Datev ist das Softwarehaus und der IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie deren zumeist mittelständische Mandanten. Über diese Community unterstützt Datev insgesamt 2,5 Millionen Unternehmen, Selbstständige, Kommunen, Vereine und Institutionen.

Die Grundsteuer-App von Datev beziehungsweise der fino taxtech übermittelt nach unterstützter Eingabe online die Daten direkt an das Finanzamt. Der Preis pro Abgabe (beispielsweise für ein Einfamilienhaus) beträgt 34,95 Euro für die erste und für jede weitere Abgabe 29,95 Euro. Die Zahlung erfolgt erst beim Versenden der Grundsteuererklärung an das Finanzamt.

Warum aber gerade ein digitales Angebot des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev auf der Homepage der heimischen Volksbank zu finden ist, erklärt Volksbank-Sprecher Thomas Sommer auf Anfrage der Redaktion. Den Kunden würden bereits seit längerer Zeit Anwendungen aus der fino-Group angeboten, so Sommer, da die Anwendungen dieser Gruppe für die gesamte Genossenschaftliche Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken nutzbar seien und sie in die jeweiligen Banksysteme integrieren werden könnten. Sommer: „Eine neue Anwendung der Gruppe ist die Grundsteuer-App über die fino taxtech GmbH. Da die Atruvia – unser Rechenzentrum – uns die Möglichkeit bietet, die Grundsteuer-App in unser Online-Banking zu integrieren, haben wir das Angebot nach internen Prüfungen angenommen und die Anwendung eingebunden.“

Für die Kunden liege ein „entscheidender Vorteil“ darin, dass sie sich mit ihren Online-Banking-Daten registrieren könnten und daher keinen eigenen Zugang für Elster benötigten. Sommer: „Ungeachtet dessen haben wir parallel auch andere Angebote eingeholt, die wir jedoch aus verschiedenen Gründen – Datenschutz zum Beispiel – am Ende abgelehnt haben.“

Wir bieten die Grundsteuer-App als Mehrwert-Service für unsere Kundinnen und Kunden an und erhalten eine geringe Leistung – diese deckt unseren Aufwand jedoch nicht.

Thomas Sommer, Sprecher Volksbank Südwestfalen

Auch die Frage nach einer möglichen Provision lässt Sommer nicht unbeantwortet: „Wir bieten die Grundsteuer-App als Mehrwert-Service für unsere Kunden an und erhalten eine geringe Leistung – diese deckt unseren Aufwand jedoch nicht.“

Natürlich ließe sich die Grundsteuererklärung über Elster kostenlos erledigen, so Sommer, die Grundsteuer-App richte sich aber auch an Kunden, die keinen Elster-Zugang haben und an diejenigen, die es mit der App leichter und bequemer haben wollten. Die Vorteile der App beschreibt Sommer so: „Sie kann direkt online genutzt werden – ohne Elster-Zertifikat oder Software-Download. Außerdem gibt es in der App Ausfüllhilfen, Erläuterungen und einen Hilfebereich.“

Grundsätzlich informiert die Volksbank sehr detailliert über die Grundsteuererhebung, aktuell mit der kürzlich beschlossenen Fristverlängerung. Auf der Homepage wird die Berechnungsmethode erklärt, es finden sich alle Hebesätze aller Kommunen im Geschäftsbereich der Volksbank für den Märkischen Kreis, das Siegerland und das Sauerland.

Ein Blick zur direkten Konkurrenz, der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, offenbart ein anderes Vorgehen. Beim Online-Angebot der Sparkasse gibt es keinen spezielle Grundsteuer-App. Schon lange bietet die Sparkasse eine kostenpflichtige Online-Steuererklärung in Zusammenarbeit mit dem Softwareprodukt Steuer:web Wiso von der Buhl Data Service GmbH aus Neunkirchen. Noch auf der Sparkassen-Seite werden die Zusammenhänge erklärt: „Mit der Nutzung der Online-Steuererklärung erhalten Sie einen Rabatt von 30 Prozent auf die Nutzung unserer Partnerplattform Wiso steuer:web. Statt 39,95 Euro zahlen Sie unter Nutzung der Online-Steuer-Erklärung der Sparkassen nur 26,95 Euro.“

Beispiele: Drei digitale Hilfen zur Grundsteuer

Naturgemäß gibt es viele digitale Hilfsprogramme zur einmaligen Erklärung der Grundsteuer im Internet. Die meisten versprechen, weniger kompliziert als das kostenlose Elster-Programm zu sein, dazu werden in der Regel die vorliegenden Daten vom Finanzamt automatisch in das Online-Tool übernommen. Die drei nachfolgend beschriebenen Programme sind hier lediglich als Beispiele und Orientierung beschrieben.

Außerdem: Alle Angebote richten sich an private Nutzer, nicht an Steuerberater oder Unternehmen.

„Als einziges Programm im Test errechnete Wiso-Grundsteuer den voraussichtlichen Grundsteuerwert und ermöglicht damit die spätere Kontrolle des Steuerbescheides.“ So beurteilte die Stiftung Warentest die Wiso-Software im September 2022. Für drei Grundstücke kostet die Nutzung 29,95 Euro. Die Daten werden online eingegeben, bezahlt wird nach Versendung der Daten an das Finanzamt. Wiso wird von der Buhl Data Service GmbH in Neunkirchen angeboten.

Sehr viel günstiger erledigt die Erklärung die browserbasierte „myGrundsteuer“-App des Unternehmens Steuer-Online MF GmbH aus Saarlouis. Auf der Internetseite wirbt das Unternehmen damit, eine Erklärung für ein Grundstück samt Versendung ans Finanzamt für 14,50 Euro zu erfassen, zahlbar online per Paypal.

Die GSWsoft by Dataline GmbH & Co. KG aus Hannover bietet zwei Möglichkeiten: Die Grundsteuerwert-Erfassung online kostet 12,90 Euro pro Erfassung, nicht ganz klar ist, was man dafür erhält, weil die Daten nicht ans Finanzamt übertragen werden. Die Grundsteuererklärung samt Versendung ans Finanzamt kostet 49,90 Euro. GSW wirbt mit Hilfen in Form von Videos, Texten und Beispielen für Laien geschrieben, einem kostenlosen Korrekturmodus und der Grundsteuerwertberechnung für Bescheidprüfung inklusive.

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