Eine Autobahn durchs Versetal und rote Socken

Wer kennt sie noch? Ein Plakat aus dem Kommunalwahlkampf 1984 zeigt die SPD-Mannschaft, die, so die Aussage an die Wähler, ins Werdohler Rathaus gehörte.

WERDOHL ▪ Eine eigene Autobahn für Werdohl, durchs Versetal über Pungelscheid? Heute kaum vorstellbar wurde dies einst ernsthaft diskutiert. Auf die fast vergessenen Planungen für eine A 208 von Aachen nach Werdohl stieß der Arbeitskreis 100, der am Samstag in die Vorbereitung der Ausstellung zum SPD-Geburtstag einstieg.

„Ein echtes Highlight“, urteilte SPD-Vorsitzender Andreas Späinghaus angesichts der Zeitungsartikel aus dem Jahr 1973.

Und das war nur eines der interessanten Stückchen, die am Samstag entdeckt wurden. 100 Jahre Werdohler SPD-Geschichte breiteten die Mitglieder des Arbeitskreises auf den Tischen aus, in Zeitungsartikeln, Fotos und Protokollen. Ein üppiger Fundus, den Wilhelm Jansen jahrelang verwahrt hat. „Ich habe da noch was für euch“, hätte er ganz beiläufig erwähnt, als es an die Planungen für die Ausstellung ging, erinnert sich Andreas Späinghaus. Überwältigt und erschlagen waren die Arbeitskreis-Mitglieder dann von den unzähligen Kisten, die sie aus dem Keller holten. „Als wir unser Parteibüro an der Bahnhofstraße um das Jahr 2000 herum aufgelöst haben, habe ich das Archiv mit nach Hause genommen“, so Wilhelm Jansen.

Zurück reichen die Unterlagen bis ins Kaiserreich. Mehrere Stunden brauchten Daniela Springob, Rolf Neuhäuser, Udo Böhme, Björn Walocha, Kriemhild Kurt, Willi Jansen und Andreas Späinghaus, um das Material zu sichten und eine erste Vorauswahl zu treffen. „Das macht Spaß“, urteilten sie trotz der enormen Arbeit, „man darf sich nur nicht darin verlieren“.

Die Gefahr bestand, denn immer wieder tauchten neue Details auf, die Erinnerungen weckten. Wie ein Glückwunschtelegramm der Werdohler SPD-Fraktion an Willy Brandt, nachdem 1972 das Misstrauensvotum gegen ihn gescheitert war. Oder die „Rote Socken“-Kampagne der CDU aus dem Wahlkampf 1994, die die Werdohler Genossen mit dem Tragen ebensolcher Söckchen konterten. Oder die Pläne für einen Rathaus-Neubau – „Gott sei Dank ist das nicht gebaut worden!“ – oder die frühen Auseinandersetzungen auch in der SPD um Gesamtschule und Ganztagsbetreuung. Eine Erkenntnis am Samstag: Viele aktuelle Themen wie Schule und Radwege sind seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner.

Nicht nur die Geschichte der SPD, sondern auch die Werdohls kommt dabei zu Tage. Und das soll sich auch in der geplanten Ausstellung wiederspiegeln. „Wir wollen den Schwerpunkt auf die Zeitgeschichte legen. Das soll keine Selbstbeweihräucherung werden“, so Andreas Späinghaus. Interessant dürfte das daher für alle Werdohler werden.

Hildegard Goor-Schotten

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