Werdohler geht für eine Dose Bier in den Knast

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Werdohl -  „Gehen Sie direkt ins Gefängnis“ – diese Aufforderung traf am Dienstag einen 27-jährigen Werdohler, der nach der Verhandlung im Amtsgericht Altena von der Polizei abgeholt wurde. Doch selbst sein Rechtsanwalt Ralf Mitschke sah darin eine Maßnahme zum Schutz seines Mandanten.

„Ein Freispruch wäre für Sie das Schlimmste, was passieren könnte“, sagte der Verteidiger. Dringend therapiebedürftig sei der junge Mann, der an Drogen und Alkohol alles einwerfe, was zu kriegen ist.

Zur Verhandlung kam der 27-Jährige aus der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer, weil er gegenüber der Polizei bei einer früheren Begegnung Suizidgedanken geäußert hatte.

Der Anlass für die gestrige Verhandlung kam leider nicht aus dem Reich der orientalischen Märchen, auch wenn der Schaden bei 1001 Euro gelegen hatte: Am 5. Mai hatte der Angeklagte nachts mit einem Stein die Glastür des Dursty-Getränkemarktes am Pungelscheider Weg eingeschlagen. Der dabei entstandene Sachschaden lag mit 1000 Euro in einem rekordverdächtigen Verhältnis zum Wert der Beute: Einen Euro hätte die Dose Krombacher gekostet, die der junge Mann nicht einmal austrinken konnte, weil bei halbiertem Füllstand schon die Polizei am Tatort war.

Alkohol und THC im Blut

Schon einmal hatte der 27-Jährige der Dursty-Filiale einen derart ruppigen Besuch abgestattet – damals soll die Schnaps-Beute einen etwas höheren Wert gehabt haben. Natürlich war der Angeklagte vor Ort mit der Frage nach dem „Warum?“ für eine derart bizarre Tat konfrontiert. Schlimm war nur, dass er nicht ratlos schwieg, sondern tatsächlich eine Antwort hatte: „Ich hatte wirklich üblen Durst.“ An die Tür und ihren nicht unerheblichen Wert habe er „in dem Moment nicht gedacht“.

Relativ angetrunken sei er gewesen – und ja, ein bisschen THC, also der Wirkstoff eines Cannabisproduktes, sei ebenfalls mit im Blut gewesen. Den Genuss diverser verderblicherer Substanzen räumte er im Laufe der Verhandlung ein.

Neun Monate auf Bewährung hatte der 27-Jährige 2016 wegen eines gemeinsamen schweren Diebstahls kassiert. Noch während der Verhandlung widerrief Richter Dirk Reckschmidt diese Aussetzung zur Bewährung. Die Bewährungshelferin schloss sich der Einschätzung von Verteidiger Ralf Mitschke an: „Wenn er nach Werdohl zurückkehrt, dauert es keine zwei Stunden, bis er wieder ein Bier in der Hand hat.“

Ins Gefängnis anstatt in den Abgrund

Und so griff ein Haftbefehl, der ausgestellt worden war, weil der Angeklagte eine zweimonatige Haftstrafe wegen eines weiteren Diebstahls nicht angetreten hatte. Zu den schon elf Monaten kamen dann noch sechs Monate wegen der jüngsten Sachbeschädigung und des Diebstahls im Pungelscheider Getränkemarkt.

Da helfe jetzt gar nichts mehr außer dem kalten Entzug im Gefängnis, sagte Richter Dirk Reckschmidt in seiner Urteilsbegründung. „Alles andere führt in den Abgrund.“ Und wenn die Ohren nicht täuschten, murmelte der 27-Jährige: „Das sehe ich auch so.“

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