Einbrecher sind „unreife junge Männer“

WERDOHL ▪ „So wie andere Kaugummis im Supermarkt klauen begingen die Angeklagten ihre schwerwiegenden Taten.“ – So äußerte sich Staatsanwalt Dr. Marco Klein deutlich in seinem Plädoyer am Mittwoch Morgen am Landgericht in Hagen im Fall der sieben Männer aus Werdohl und Neuenrade, die in insgesamt 16 Fällen in Tankstellen, ein Elektronikgeschäft und einen Werdohler Kiosk eingebrochen waren.

Von Anja Grevener

Sie seien „unreife junge Männer“, die ihre Taten weder geplant noch vorbereitet hätten. „Sie waren dilettantisch maskiert, bastelten sich aus ihren Socken Handschuhe und begriffen einfach die Tragweite ihrer Taten nicht“, sagte der Staatsanwalt weiter. All das führte ihn zu der Auffassung, dass es sich bei den sieben Angeklagten nicht um eine Bande im rechtlichen Sinn oder eine „Truppe professioneller Krimineller“ handeln könne. Er reduzierte entsprechend die Vorwürfe auf Diebstahlstaten in besonders schweren Fällen.

Einer der Verteidiger, Rechtsanwalt Ingo Theissen-Graf Schweinitz, brachte es noch schärfer auf den Punkt: Es seien „bekiffte Unglückstaten und Unsinn“ gewesen, was sich die sieben Angeklagten im vergangenen Sommer zu schulden hätten kommen lassen. Die Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren aus Werdohl und Neuenrade waren teils mit massiver Gewalt in Tankstellen in Neuenrade, Werdohl, Balve und Lüdenscheid eingebrochen, hatten Türen oder Fenster mit improvisierten Werkzeugen wie Blumenkübel, Holzstämme und Ascheimern eingeschlagen und waren ins Innere eingedrungen.

Vor allem auf die Zigarettenstangen hatten es die bekennenden Raucher abgesehen, packten sie zum Abtransport in Müllsäcke, die sie sich aus öffentlichen Tonnen organisiert hatten. Ihre Beute verkauften sie größtenteils an einen 45-jährigen Kioskbesitzer aus Werdohl, der ihnen die Zigaretten für den Eigenkonsum oder die Weitergabe in der Verwandtschaft abnahm. Der Kioskbesitzer saß wegen Hehlerei mit auf der Anklagebank.

Auf das große Geld hatten die jungen Männer aber offenbar nicht spekuliert, waren beim „Chillen“ am Werdohler Bahnhof unter dem Einfluss von Marihuana Anfang Mai vergangenen Jahres auf die Idee gekommen, sich durch fast spontane Einbrüche Zigaretten zu organisieren. Später brachen die sechs jungen Männer noch in ein Elektronikgeschäft ein, entwendeten LCD-Fernseher, Navis, Handys und weitere Technikartikel. Insgesamt richteten sie durch ihre im Marihuana-Rausch entstandene Einbruchsserie einen Schaden von rund 31 500 Euro an.

Einer der Haupttäter, ein 23-jähriger Neuenrader, machte schon bei der Polizei reinen Tisch, nannte die Namen der Mittäter und gestand seine Beteiligung umfassend. Auch die anderen Angeklagten hatten während der Verhandlung am Landgericht Hagen ausgepackt und die Vorwürfe gegen sich im Wesentlichen bestätigt.

Die 9. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dieter Krause verurteilte die beiden Haupttäter, den 23-jährigen Neuenrader und einen 27-Jährigen ohne festen Wohnsitz, zu Freiheitsstrafen von zweieinhalb und einem Jahr und neun Monaten, der Haftbefehl für den in Untersuchungshaft sitzenden 27-Jährigen blieb bestehen.

Fünf der anderen Täter, darunter auch der Kioskbesitzer aus Werdohl, wurden zu Bewährungsstrafen von neun Monaten bis zu zwei Jahren verurteilt, müssen Geldauflagen oder Sozialstunden ableisten.

Im Verfahren gegen einen 24-jährigen Werdohler gibt es noch kein Urteil, da noch ein psychologisches Gutachten zur Frage der verminderten Schuldfähigkeit und der Unterbringung in einer Entzugsklinik aussteht.

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