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Einbahnstraßen in Werdohl: Freigabe für beide Fahrtrichtungen gefordert

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Von: Volker Griese

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Nur wenn Einbahnstraßen mit zusätzlichen Schildern gekennzeichnet sind, dürfen Radfahrer sie auch in beiden Richtungen befahren.
Nur wenn Einbahnstraßen mit zusätzlichen Schildern gekennzeichnet sind, dürfen Radfahrer sie auch in beiden Richtungen befahren. © Jan-Peter_Kasper

Die Werdohler Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat beantragt, mehrere Einbahnstraßen im Stadtgebiet in beide Fahrtrichtungen für den Radverkehr freizugeben.

Werdohl – Sie bezieht sich dabei auf eine relativ neue Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung. Am Montag, 5. September, wird sich der Hauptausschuss der Stadt mit dem Antrag befassen.

Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift in der Fassung vom 8. November 2021 sehe vor, dass der Radverkehr in Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung zugelassen werden soll, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 30 km/h betrage und die Straße breit genug und übersichtlich sei, zitiert der Ortsgruppen-Vorsitzende Friedrich Hattendorf in dem Antrag. „Der Begriff ,soll’ bedeutet unseres Wissens ,muss’, falls dem keine schwerwiegenden Gründe entgegenstehen“, sieht Hattendorf wenig Entscheidungsspielraum für die Kommunen.

Aus Sicht der ADFC-Ortsgruppe kommen für eine Radfahrerbenutzung in beiden Fahrtrichtungen in Werdohl die Friedenstraße, die Friedhofstraße, der untere Ab schnitt des Eickelsborns und das Schmalefeld infrage. Durch eine Freigabe dieser vier Straßen für den Radverkehr in beide Fahrtrichtungen könnte für Radfahrer in Werdohl eine erhebliche Verbesserung geschaffen werden, meint der ADFC. Unter anderem könnten sie dann die steilen Anstiege am Herbscheider Weg und an der Bergstraße vermeiden und vor allem die „extrem gefährliche Passage des Postens 40“ umfahren, heißt es in dem Antrag.

Der Gesetztgeber hat die die Voraussetzungen für die Einbahnstraßenfreigabe bereits 2009 stark vereinfacht. Für den als umwegsensibel geltenden Radverkehr in Gegenrichtung geöffnete Einbahnstraßen gehören deshalb mittlerweile zum Standardrepertoire der deutschen Radverkehrsplanung.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat deshalb schon im Jahr 2015 ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnis zeigt, dass geöffnete Einbahnstraßen nicht zu mehr Konflikten zwischen Auto- und Radfahrenden führen. Dies ist auch unabhängig vom Rad- und Autoverkehrsanteil. Für die Wissenschaftler gibt es keinen Zusammenhang zwischen Infrastruktur, Konflikten und Unfällen. Sie beobachteten in ihrer Forschung verschiedene Einbahnstraßen in unterschiedlichen Städten mit variierenden Verkehrszahlen und baulichen Gegebenheiten. Wenn Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet sind, fahren außerdem weniger Radfahrende auf dem Fußweg und es gibt weniger Unfälle mit geöffneten Türen.

Und auch das hat der GDV bei der Befragung von 359 Kommunen herausgefunden: Die Öffnung der Einbahnstraßen wird als weitgehend sicher eingeschätzt. Lediglich 1 Prozent aller genannten Einbahnstraßen seien als problematisch benannt worden, heißt er in dem Forschungsbericht.

Der Hauptausschuss wird sich in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 5. September, ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses mit dem ADFC-Antrag befassen. Die Verwaltung schlägt den Politikern vor, dem Antrag zu folgen, wenn die rechtlichen Möglichkeiten dies zulassen. Das soll das Ordnungsamt prüfen.

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