1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Ein Zehntel Gramm Cannabis zu viel: Schmerzpatientin vor Gericht

Erstellt:

Von: Thomas Krumm

Kommentare

Drei Cannabispflanzen baute eine Schmerzpatientin an, um sich aus den Pflanzen einen schmerzlindernden Tee zu kochen. Mit diesem Fall musste sich jetzt ein Schöffengericht beschäftigen.
Drei Cannabispflanzen baute eine Schmerzpatientin an, um sich aus den Pflanzen einen schmerzlindernden Tee zu kochen. Mit diesem Fall musste sich jetzt ein Schöffengericht beschäftigen. © Patrick Pleul/dpa

Gesetzliche Regelungen müssen mit klaren Zahlen arbeiten. So liegt die Grenze zwischen der geringen und der nicht geringen Menge bei Cannabisprodukten bei 7,5 Gramm des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC).

Strafrechtlich wiegt der Unterschied schwer: Bis 7,49 Gramm THC-Gehalt liegt die Mindeststrafe für den Besitz von Haschisch oder Marihuana bei drei Monaten. Ab 7,5 Gramm THC handelt es sich um ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.

Diese Grenze hatte eine 64-jährige Werdohlerin um ein Zehntel Gramm überschritten, weshalb sie sich vor einem Schöffengericht in Altena verantworten musste. Die Umstände ihres Betäubungsmittelbesitzes waren ebenfalls recht kurios: „Ich bin Schmerzpatientin seit Jahren“, erklärte sie. Das verordnete Schmerzmittel habe ihr die Nieren kaputtgemacht. Deshalb habe sie sich über das Internet Cannabis-Samen besorgt, um sich aus den Pflanzen einen schmerzlindernden Tee zu kochen. Drei Pflanzen gediehen dann mehr schlecht als recht unter einem Plastikzelt in ihrem Garten – gefährdet durch einen Pilzbefall. „Die waren kaputt“, erklärte sie dem Schöffengericht.

Familiäres Umfeld meldet sich bei der Polizei

Die Angeklagte hatte eine Idee, wer aus dem familiären Umfeld diese Idylle an die Polizei gemeldet hatte. Die Beamten ernteten die drei Pflanzen, die rund 168 Gramm auf die Waage brachten. Bei einem mickrigen Wirkstoffgehalt von 4,57 Prozent ergab sich eine Gesamtmenge an THC von 7,6 Gramm – 0,1 Gramm über der entscheidenden Grenze zur nicht geringen Menge. Verteidiger Andreas Trode unternahm einen zaghaften Versuch, das Untersuchungsergebnis infrage zu stellen – und scheiterte. Das Analyselabor durfte auch die Stängel mitwiegen.

Es blieb also beim Besitz einer nicht geringen Menge Marihuana. Alle Prozessbeteiligten gingen aber von einem minderschweren Fall aus, was die Mindeststrafe auf drei Monate senkte. Vor allem bei nicht vorbestraften Angeklagten wird eine solche Strafe in der Regel als Geldstrafe verhängt. Im Fall der Werdohlerin hätte das bei der zu verhängenden Mindeststrafe von 90 Tagessätzen eine Geldstrafe von 3600 Euro ergeben – viel Geld für eine Rentnerin, deren Bezüge nur bei 1200 Euro liegen.

Mildeste Strafe

Der Verteidiger beantragte deshalb eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Nur im Wiederholungsfall hätte die 64-Jährige nochmals mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. „Sie kriegt Schmerzmittel, die auf die Nieren gehen und will ihr Marihuana-Kraut als Tee trinken. Minderschwerer geht das eigentlich nicht mehr“, erklärte der Anwalt.

Das Schöffengericht ging einen anderen Weg, um der Rentnerin die horrende Geldstrafe zu ersparen: Es verurteilte die Angeklagte zur Mindesthaftstrafe von drei Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und verzichtete auf eine Umwandlung in eine Geldstrafe. „Geringer geht es nicht mehr“, begründete Richter Dirk Reckschmidt das Urteil. Das galt aber auch für die verhängte Strafe: „Es bleibt ein Verbrechenstatbestand, und es bleibt bei den drei Monaten.“

Auch interessant

Kommentare