„Ein Stück Ortsgeschichte“

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Martin Rützler (rechts) überreichte den Abdruck der Inschrift der Marienglocke im Beisein von Pfarrer i.R. Rüdiger Schmale an den Vorsitzenden des Heimatvereins Heiner Burkhardt.

WERDOHL - Zunächst habe er die Inschrift zu Hause aufhängen wollen, dann aber entschieden, dass sie eine exponiertere Stelle verdient habe, sagte Martin Rützler, als er dem Heimatverein „ein Stück Ortsgeschichte“ überreichte, wie dessen Vorsitzender Heiner Burkhardt betonte. Gemeint ist der Gipsabdruck der Inschrift der Marienglocke aus dem Jahr 1495 – der ältesten Glocke Werdohls.

„Im Jahr 1495, ich heiße Maria, oh heilige Maria bitte für uns alle“ – diese Inschrift ist auf dem Gipsabdruck zu lesen, der von dem inzwischen verstorbenen Werdohler Josef Stüken und dem damaligen Vikar Balkenhol angefertigt worden ist. Stükens Neffe Martin Rützler übernahm das gerahmte Stück Zeitgeschichte jetzt von seiner Tante. Bei ihr hatte es im Wohnzimmer gehangen. Rützler entschied sich, das Exponat als Leihgabe dem Heimatverein zu überlassen. In der oberen Etage des Stadtmuseums wird es nun seinen Platz finden – neben dem Modell der Kilianskirche, wo die Glocke einst auch läutete. Als 1743 der Turm der Kirche erneuert wurde, wurde die Marienglocke ebenfalls wieder aufgehangen. Als die Kilianskirche 1874 schließlich abgerissen wurde, wurde die Glocke in der 1868 erbauten Christuskirche aufgehangen. „Im Jahr 1942 kam es dann zu einer beispielhaften Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Kirche“, berichtet Heiner Burkhardt. Für den Krieg habe die Gemeinde St. Michael drei Bronzeglocken zum Einschmelzen abgeben müssen und dafür die Marienglocke übernommen – in der Christuskirche läuteten damals Stahlglocken. Auf diese Weise konnte die alte Glocke erhalten werden.

Bereits 1948 kam die Glocke zurück zur Christuskirche und nahm den Platz über dem Taufbecken ein. Seit 1956 befindet sich die Marienglocke in der evangelischen Friedhofskapelle.

Neben dem neuen Exponat im Sakralbereich des Museums soll mit Hilfe eines Audioträgers künftig auch das Läuten der Glocke möglich gemacht werden. - Von Simone Benninghaus

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