„Ein Problem halb gelöst“

Geredet: Norbert Schiedeck (l.) und Andreas Hopmann (r.) mit Peter Liese. ▪ Fraune

WERDOHL ▪ Das Unternehmen Vossloh befürchtet einen Produktionsausfall von rund 54 Prozent bei den Diesellokomotiven. Grund ist die neue Abgasnorm für die Bahn, über die abschließend das Europaparlament noch vor der Sommerpause entscheiden soll. Am Freitag hat der heimische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese am Vossloh-Hauptsitz weitere Gespräche mit Vorstandsmitglied Dr.-Ing. Norbert Schiedeck und dem Kieler Vossloh Locomotives-Geschäftsführer Andreas Hopmann geführt. Es soll ein Kompromiss herbeigeführt werden.

Im Kern geht es um die Abgasnorm IIIb für Lokomotiven, die Umsetzung der Richtlinie zum 1. Januar nächsten Jahres. Dahinter verbirgt sich das Vorhaben, die alte Abgasnorm zu ersetzen und umweltfreundliche Lokomotiven auf die Gleise zu schicken. In dem Marktsegment, in dem Vossloh in Kiel und Valencia die Fahrzeuge produziert, sind sie zwar Marktführer, aber zugleich auf die Zulieferer von den neuen umweltfreundlichen Motoren angewiesen. Doch insbesondere im kleineren Leistungsbereich sind für Vossloh nun keine entsprechenden Dieselmotoren rechtzeitig verfügbar. Verluste im Millionenbereich drohen daher.

Um hier noch vor dem Parlamentsbeschluss eine für Vossloh bessere zulässige Anzahl der bisherigen Motoren als Kompromiss zu erreichen, will Liese eine geeignete Übergangslösung herbeiführen. Der Einsatz von mehr als der sich abzeichnenden erlaubten 25 IIIA-Motoren insgesamt wäre eine solche. Vossloh will in den nächsten drei Jahren wenigstens 80 Stück – pro Jahr.

„Ideal ist was anderes“, ist Vossloh-Vorstandsmitglied Schiedeck einerseits froh, dass nicht nur zwölf der alten Motoren erlaubt werden sollen. Zugleich hätte er sich weit mehr gewünscht. Dennoch bedankte er sich bei Liese, dass der umweltpolitische Sprecher der EVP-Fraktion das Unternehmen unterstützt. Der Europapolitiker sprach gestern von einem halb gelösten Problem. Dieses sei einfach zu spät bewusst geworden. „Wir müssen eine chirurgische Operation durchführen“, verweist Liese auf ein Problem, das vor allem Vossloh betreffe.

Hier wollen die Verantwortlichen sich nun mit den bisherigen Motoren ausstatten, um die Lokomotiven liefern zu können. Knackpunkt ist dabei: Wie viele werden verkauft? Das unternehmerische Risiko für Vossloh liegt dabei deutlich im Millionenbereich. ▪ Marco Fraune

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