Kitzeln in der Nase

Ein positives Ergebnis: Erste Corona-Selbsttests in der Realschule zeigen Wirkung

In der Werdohler Realschule fanden am Montagmorgen erstmals Corona-Selbsttests in der Schülerschaft statt.
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In der Werdohler Realschule fanden am Montagmorgen erstmals Corona-Selbsttests in der Schülerschaft statt.

Montagmorgen, kurz vor 8 Uhr: In der städtischen Realschule beginnt in wenigen Minuten die zweite Woche mit Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen nach dem Lockdown. Zuvor müssen aber einige Dinge beachtet werden.

Werdohl – Für manche Schüler ist es das erste Mal seit Monaten, dass sie ihre Klassenkameraden wiedersehen. Damit sich möglichst niemand mit dem Coronavirus ansteckt, müssen die Schüler einen Corona-Schnelltest machen, bevor der Unterricht beginnen kann.

Lehrerin Ines Grothoff leitet an diesem Morgen die Klasse 7b an. Auf den Tischen im Raum für Hauswirtschaftunterricht, die mit reichlich Abstand zueinander stehen, liegen die Schnelltests schon bereit als die Schüler den Raum betreten. „Im Kollegium haben wir uns mit den Tests schon am Freitag vertraut gemacht“, berichtet Schulleiter Oliver Held. Rund 350 Tests waren der Realschule Ende der Woche geliefert worden. Die Menge reiche theoretisch aus, um alle Schüler vor den Osterferien einmal durchzutesten.

„Damit der Schulbetrieb aber auch nach den Ferien stabil läuft, ist entscheidend, dass rechtzeitig Nachschub in ausreichender Menge kommt“, sagt Held. Ob dies gewährleistet werden kann, bleibt abzuwarten. Für die Tests am Montagmorgen reicht die schon gelieferte Menge zunächst aus. Ines Grothoff zeigt den Schülern anhand eines Videos, was sie tun müssen, und hilft ihnen. „Ihr müsst daran denken, dass der Test immer nur eine Momentaufnahme ist“, betont die Lehrerin, bevor es losgeht. „Wir machen das, damit wir die Woche mit einem guten Gefühl genießen können.“

Schritt für Schritt läuft die Testung ab. Aufgeregt sind die Schüler nicht. Angefangen mit der Desinfektion der Hände wird jeder Schritt gelassen abgearbeitet. Der Wichtigste dabei ist der eigentliche Abstrich in der Nase. „Ihr müsst nicht so tief rein“, erklärt Ines Grothoff. „Der Test muss gar nicht unangenehm sein.“ Nicht tief rein heißt: ungefähr zwei Zentimeter. „Bis Ihr einen leichten Widerstand merkt“, sagt die Lehrerin.

Das Gefühl in der Nase ist trotzdem komisch, berichten die Schüler. Manche verziehen das Gesicht, andere lachen, weil es kitzelt, müssen niesen oder husten. Ohne Widerspruch streichen in der 7b aber alle ihre Nasenwand gründlich ab. In anderen Klassen war das nicht der Fall. „Ich würde schätzen, es war eine Handvoll Schüler, die von ihren Eltern von den Tests befreit wurden“, berichtet Schulleiter Held. Viel Verständnis dafür hat er nicht.

Vor allem, weil der Test keine große Herausforderung darstellt. Das zeigt sich auch in der 7b: Als Ines Grothoff die Schüler nämlich nach dem Abstrich um Rückmeldung bittet, hat niemand ernsthaft etwas auszusetzen. Ersin Ögec schildert lediglich: „Es war ein bisschen unangenehm.“ Ein anderer Schüler meldet zurück: „Der Test war genauso, wie ich es erwartet hatte.“ Manche der Schüler hatten bereits den kostenlosen Bürgerschnelltest in Anspruch genommen und dabei erste Erfahrungen gesammelt.

Die Probe, die sich nach dem Abstrich am Teststäbchen befindet, müssen die Schüler nun auflösen. „Die Flüssigkeit dafür habt ihr bereits fertig abgefüllt in den kleinen Kunststoff-Fläschchen“, sagt Ines Grothoff. Dort wird das Stäbchen hineingehalten, etwas gedreht und ausgewrungen. „Die Tests sind kein Hexenwerk“, sagt auch Oliver Held, der zufrieden mit den Produkten ist, die ihm zugeschickt wurden. „Das sollte jeder gut schaffen.“

Allgemein ist Held immer noch verwundert, dass die Schulen im Märkischen Kreis weiter geöffnet sind. „Ich habe inzwischen von anderen Regionen gehört, die wieder geschlossen haben“, sagt Held. „Wuppertal und Düren zum Beispiel; da liegt der Inzidenzwert aber bei 140.“ Im Märkischen Kreis bei mehr als 200.

Ersin Ögec zeigt sein negatives Testergebnis. Dank des Abstrichs darf er in dieser Woche am Präsenzunterricht in der Realschule teilnehmen.

Nachdem die Probe in der Flüssigkeit gelöst ist, kommt der eigentlich spannende Teil. Vier Tropfen der Lösung werden auf den Teststreifen gegeben. Dann heißt es warten. Ines Grothoff stellt mit ihrem Handy einen Timer auf 15 Minuten. In dieser Zeit sind die Schüler dann doch etwas angespannter. Einige gucken auf den Test ihres Sitznachbar, um zusehen ob etwas passiert. Und obwohl es nur der Kontrollstreifen ist, sorgen sich manche, als der erste rote Balken erscheint. „Was passiert, wenn der Test positiv ist?“, fragt Ersin Ögec. „Und woher weiß das kleine Ding überhaupt, ob ich Corona habe?“

Mit dieser Frage verweist Ines Grothoff den Schüler an die Chemielehrerin. In einer der folgenden Stunden haben die Schüler bei ihr Unterricht. Zumindest alle, deren Ergebnis negativ ist. Und leider ist das am Montagmorgen nicht bei der kompletten 7b der Fall. Denn der Schnelltest einer Schülerin zeigt zwei Streifen an. Das heißt positiv. „Du musst dir aber keine Sorgen deswegen machen“, erklärt ihr die Lehrerin. „Das heißt nur, dass ein Verdacht besteht und Du noch einen richtigen Test machen solltest, der in einem Labor untersucht wird“, so Grothoff. Niemand in der Klasse reagiert hektisch.

Vorsorglich wird die positiv getestete Schülerin nach Hause geschickt, bis ein weiterer Test für Klarheit gesorgt hat. „Ich bin gespannt, ob es ein bestätigter Fall wird“, sagt Oliver Held. Dann würden die Schnelltest nämlich ganze Arbeit leisten und den Schulbetrieb deutlich sicherer machen.

Auch an der Albert-Einstein-Gesamtschule werden die Corona-Selbsttests ab dieser Woche durchgeführt. Dort gehe es am Dienstag los, teilt die Schule mit.

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