Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Ein Mobilitätsmanager für Werdohl: Verwaltung wartet auf „klares Signal der Politik“

Wenn Auto- und Radfahrer in der Innenstadt zusammentreffen, wird es oftmals eng. Auch in Werdohl beanspruchen Radfahrer immer mehr Platz.
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Wenn Auto- und Radfahrer in der Innenstadt zusammentreffen, wird es oftmals eng. Auch in Werdohl beanspruchen Radfahrer immer mehr Platz.

Klimafreundliche und nachhaltige Mobilität rückt seit einigen Jahren immer stärker in den Mittelpunkt politischen und gesellschaftlichen Handelns. Wie ist es darum in Werdohl bestellt? Und was könnte ein Mobilitätsmanager bewirken?

Werdohl ‒ Nach einem Antrag der SPD-Fraktion hat die Stadtverwaltung dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung am Montagabend aufgezeigt, inwieweit Aspekte der Mobilität im Rahmen von zukünftigen Projekten fokussiert werden könnten. In einem vierseitigen, eng beschriebenen Beratungspapier, das allerdings nach Auffassung von CDU-Ratsherr Christoph Plaßmann „wenig aussagekräftig“ war, stellte die Verwaltung fest, dass der Radverkehr immer mehr Bedeutung erlangt. Für die Planung von Radwegen und andere Aufgaben der Radverkehrsförderung seien bisher aber keine ausreichenden personellen Ressourcen in der Stadtverwaltung veranschlagt und die Aufgaben deshalb immer im Rahmen der Möglichkeiten nebenher geleistet worden.

Immerhin beinhalte auch das 2016 beschlossene Klimaschutzkonzept Maßnahmen zur allgemeinen Radverkehrsförderung und weiteren Mobilitätsthemen. Die Verwaltung nennt exemplarisch die Zusammenarbeit mit dem Märkischen Kreis zum Thema Mobilität, die Aktion „Stadtradeln“ und die begonnene Installation von Ladestationen für Pedelecs und andere E-Fahrzeuge. Darum kümmere sich im Wesentlichen die städtische Klimaschutzmanagerin.

Der Masterplan 2040 liste ebenfalls 23 Einzelmaßnahmen im Handlungsfeld Mobilität auf, auf denen aus Sicht der Verwaltung ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit liegen sollte. Vor allem die Verbesserung des Radwegenetzes jenseits der Bundestraßen solle stärker in den Fokus rücken.

„Da die Stadtverwaltung über keine eigene Personalstelle im Bereich Verkehrsplanung oder Mobilitätsmanagement verfügt, mangelt es hier insgesamt immer wieder an zeitlichen Kapazitäten und Knowhow, sodass die Aufgaben nicht gebündelt und zeitnah abgearbeitet werden können, während der Umfang und die Ansprüche an diesen gesamten Aufgabenbereich jedoch immer mehr zunehmen“, stimmt die Verwaltung in ihrem Papier das Klagelied der Personalmangels an. Der Masterplan gebe die Empfehlung der zusätzlichen personellen Verstärkung zur Umsetzung der Ziele und Steuerung der Maßnahmen, erinnert die Verwaltung an eine der Aussagen in dem Strategiepapier für die Entwicklung Werdohls in den nächsten 20 Jahren.

In einer Stadt wie Werdohl sollte Mobilitätsmanagement mit einer halben Stelle zu schaffen sein.

Mathis Perkert, Zukunftsnetzwerk Mobilität NRW

Zur Einrichtung einer Stelle für Mobilitätsmanagement werde sogar explizit geraten, um die Vielzahl an neuen Aufgaben abarbeiten zu können. Zum Aufgabenbereich gehörten zukünftig auch die Schaffung von Barrierefreiheit oder die Ausgestaltung von Verkehrsräumen zur Steigerung der Lebensqualität. Mobilitätsmanagement sei also als integriertes Themenfeld zu betrachten, ist die Verwaltung überzeugt.

Informationen zum Thema hat sich die Stadt Werdohl auch beim Zukunftsnetzwerk Mobilität NRW geholt, das Kommunen kostenlos zu allen Themen der nachhaltigen Mobilität berät und dafür verschiedene Angebote bereithält. In der Ustea-Sitzung am Montag gab Mathis Perkert, Leiter der Koordinierungsstelle Westfalen-Lippe des Netzwerks und Experte für kommunale Mobilitätskonzepte, einen Überblick über Anforderungen und Möglichkeiten. Ein kommunaler Mobilitätsmanager habe die Aufgabe, den gesamten Prozess zu steuern, während die Ausführung von Maßnahmen bei den einzelnen Fachbereichen bleibe, beschrieb er ein Organisationsmodell. Aus seiner Sicht sei dafür in einer Stadt der Größenordnung Werdohls keine ganze Stelle notwendig. „Das sollte mit einer halben Stelle zu schaffen sein“, lautete seine Einschätzung.

Wie die Stadt Werdohl nun weiter verfahren wird, blieb in der Sitzung am Montag offen. Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) forderte von der Politik „ein klares Signal“, um dann eine Ratsentscheidung vorbereiten zu können. Das Problem wird sein, im eng gestrickten Stellenplan der Stadtverwaltung Platz zu finden für zumindest eine halbe Stelle. Denn dass mehr Personalkapazitäten notwendig sind, um die Aufgaben zu bewältigen, hatte unter anderem CDU-Ratsherr Dirk Middendorf erkannt: „Ich sehe nicht, dass der zuständige Fachbereich das schaffen kann“, sagte er mit Blick auf die Abteilung Bauen und Immobilienmanagement unter der Leitung von Thomas Schroeder, wo auch das Thema Mobilität organisatorisch angesiedelt ist.

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