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Ein beinahe mystischer Ort: Einsamer Friedhof im Nirgendwo

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Von: Volker Heyn

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Ruhe sanft und in Frieden auf dem evangelischen Friedhof Biesenberg. Der Waldfriedhof hat seit der Zerstörung der Zufahrt durch die Flut vor einem Jahr noch mehr Ruhe.
Ruhe sanft und in Frieden auf dem evangelischen Friedhof Biesenberg. Der Waldfriedhof hat seit der Zerstörung der Zufahrt durch die Flut vor einem Jahr noch mehr Ruhe. © Volker Heyn

An einem einsamen Ort im Lennetal befindet sich ein ganz besonderer Friedhof, auf dem nach der Jahrhundertflut vom Juli 2021 noch mehr Ruhe eingekehrt ist als dort ohnehin schon herrschte.

Werdohl ‒ Der evangelische Friedhof Biesenberg ist ein Ort, der, läge er in Italien oder Frankreich, Scharen von Enthusiasten europäischer Friedhofskultur anziehen würde. Doch weil die Ruhestätte mitten im Nirgendwo des sauerländischen Waldes versteckt liegt, ist es hier ganz besonders still. Noch verwunschener und ruhiger liegen die Waldbegräbnisse dort, weil vor einem Jahr die Flut Teile der Zufahrtsstraße weggerissen hat.

Der Waldwirtschaftsweg bis zum Friedhof gehört der Stadt Werdohl, die die gröbsten Brocken hat wegräumen lassen. Direkt nach der Flut war der Asphalt vor allem im Eingangsbereich des Friedhofs komplett mit Schotter und Schlamm bedeckt, Bäume lagen kreuz und quer über der Fahrbahn, nur zu Fuß und mit einem gewissen Risiko war ein Durchkommen möglich.

Mittlerweile wird das kleine Sträßlein hin und wieder befahren, wenn Bestattungen anstehen oder wenn Friedhofsgärtner Simon etwas Größeres richten muss. Die Anlage gehört zum evangelischen Friedhofsverband Lüdenscheid-Plettenberg und ist in einem überaus angemessenen Zustand. Alle Wege sind begehbar, die Wiesenflächen tipptopp gemäht und das Grün so beschnitten, dass es nicht überhandnimmt.

Dieser Ort ist so ruhig und abgeschieden, dass selbst die gefräßigen Rehe die sanfte Ruhe dort nicht stören. Ein kleines Wunder. Der Friedhof liegt zwar mitten im Wald, ist aber oft sonnenbeschienen. Manche Gräber sind akkurat gepflegt, manche sind in genau dem richtigen Zustand zwischen Erinnerung, Vergessen und ewiger Ruhe. Wäre es nicht ein nüchtern-protestantischer Friedhof, dürfte man hier von einem mystischen Ort sprechen.

Seit Frühjahr 2019 stehen fünf Wildkirschen auf dem Gelände des Waldfriedhofs, je 15 Urnenplätze stehen pro Baum zur Verfügung.
Seit Frühjahr 2019 stehen fünf Wildkirschen auf dem Gelände des Waldfriedhofs, je 15 Urnenplätze stehen pro Baum zur Verfügung. © Volker Heyn

Der Friedhofsverband hat sich den Wunsch nach Waldbestattungen zu eigen gemacht und im Frühjahr 2019 fünf Wildkirschen angepflanzt, unter denen sich friedvolle Plätze für jeweils 15 Urnen befinden. Einige sind belegt und mit Namensschildern versehen, ein Platz unter „Baum 1“ ist tatsächlich mit einem metallenen Schild reserviert.

Die Absperrung der Stadt Werdohl an der Zufahrt von der B 236 bei Dresel lässt sich so an die Seite schieben, dass man mit Fahrzeugen zum Friedhof durchkommt. Wer halbwegs gut zu Fuß ist, geht die wenigen hundert Meter gemütlich hoch, das steigert das Erleben. Der Bach hat neben der Straße eine Art Mini-Gebirgsklamm ausgewaschen, in der es beruhigend plätschert und sprudelt. Das Wasser ist klar. Nach oben ist der frühere Weiterweg mit Fahrzeugen völlig unmöglich. Ein riesiger Krater klafft in und neben der Straße, die hier nur noch einen halben Meter Asphalt trägt. Wer hier weiterwill, kommt entweder auf dem Altenaer Nettenscheid oder bei der Jagdschule auf Gut Ruckeljahn heraus.

Tatsächlich soll eine kaum mehr mobile Beerdigungsbesucherin durch die oberen Waldwirtschaftswege bis an den Friedhof herangefahren worden sein. Eine besondere Priorität hat die Wiederherstellung der Zufahrtsstraße bei der Stadt Werdohl nicht, sie wird aber ganz bestimmt repariert. Die ersten Beton-Legosteine sind schon angeliefert. Sie passen leider überhaupt nicht ins Bild dieser beschaulichen Wald-Idylle.

Alle Fragen rund um die Bestattung beantwortet Alexandra Lohmann vom Friedhofsverband unter Tel. 0 23 92/5 06 98 04.

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