Feme-Eiche in Werdohl

Ein 600-jähriges Leben endet im Sturm

Die Ausmaße der Feme-Eiche werden auf diesem Foto ersichtlich: In der Mitte hatte der Stamm einen Durchmesser von mehr als einem Meter, am Fuß war der Baum sogar gut zwei Meter dick. Man sieht aber auch, dass die Eiche innen ziemlich morsch war.
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Die Ausmaße der Feme-Eiche werden auf diesem Foto ersichtlich: In der Mitte hatte der Stamm einen Durchmesser von mehr als einem Meter, am Fuß war der Baum sogar gut zwei Meter dick. Man sieht aber auch, dass die Eiche innen ziemlich morsch war.

600 Jahre, wahrscheinlich auch länger hat sie die Stellung gehalten. Jetzt hat sie in in einem Gewittersturm den Halt verloren. Die Dreseler Feme-Eiche liegt jetzt in Einzelteilen am Rande eines Waldweges. Hubert Deitmerg ist einer ihrer größten Fans. Er möchte für Ersatz sorgen.

Werdohl ‒ Unter der mächtigen Krone der Eiche an der Gabelung von zwei Waldwegen hat früher die SGV-Abteilung Dresel ihre Kartoffelfeste gefeiert, bei denen Hans-Wilhelm Sauer die in Aluminiumfolie gewickelten Erdäpfel in der Glut gegart hat. Noch viel früher waren die Anlässe, zu denen sich die Menschen an dieser Stelle trafen, eine ernste Angelegenheit: Feme-Eichen dienten im Mittelalter als Orte für Gerichtsverfahren, oft wurden die Urteile im Schatten dieser Bäume nicht nur gesprochen, sondern auch gleich vollstreckt. So mancher Delinquent dürfte also an oder unter der Dreseler Eiche, die vielleicht der nahe gelegenen Burg Altena als Gerichtsstätte diente, den Tod gefunden haben. Wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung wurde die Eiche auch vorübergehend zu einem Naturdenkmal, zuletzt war sie allerdings nicht mehr geschützt.

Gegen die Unbilden des Wetters hätte sie aber auch der Schutzstatus des Denkmals nicht gewappnet. In einem der jüngsten Gewitterstürme ist die Feme-Eiche auseinandergebrochen und umgestürzt. „Das war vor etwa drei Wochen“, berichtet Hubert Deitmerg, der zehn Jahre lang ein Haus in Sichtweite bewohnt und die Eiche nicht nur früher mit seinen Kindern oft besucht hat. Der Bäckermeister pflegte ein besonderes Verhältnis zu diesem Baum, hat ihm immer wieder einen Besuch abgestattet. Deshalb weiß Deitmerg auch, dass es um ihn zuletzt nicht mehr gut bestellt war. Vor einigen Wochen schon sei ein etwa 40 Zentimeter starker Ast abgebrochen und habe die unter dem Baum stehende Sitzgruppe zerschlagen, erzählt er. Die Spuren sind noch zu sehen. „Seit ungefähr einem Jahr hatte die Eiche kaum noch Laub. Es war abzusehen, dass sie es nicht schafft“, kam das Ende des Baumes für Deitmerg jetzt nicht überraschend.

Die Dreseler Feme-Eiche auf einem älteren Foto. Es ist schon erkennbar, dass der Baum nicht mehr kerngesund ist.

Nun liegt der mächtige Stamm, der am Fuß einen Durchmesser von mehr als zwei Metern aufweist, am Rand des Waldweges, und es wird ersichtlich, warum der Baum den letzten großen Sturm nicht mehr überlebt hat: „Innen ist er vollkommen faul, nur das Splintholz hat den Baum noch gehalten“, zeigt Deitmerg auf das zerbröselnde Innere und die noch einigermaßen intakte äußere Hülle des Stammes.

Deitmerg, der viele persönliche Erinnerungen mit der alten Feme-Eiche verbindet, hat akzeptiert, dass kein Baum ewig leben kann. Mit dem Gedanken, dass an der markanten Wegegabelung in Dresel kein solcher Baum mehr stehen wird, kann er sich aber nicht anfreunden. Er sucht deshalb nach Mitteln und Wegen, um an gleicher Stelle eine neue Eiche pflanzen zu können. „Eventuell könnte so etwas ja aus dem Leader-Programm finanziert werden“, lautet eines seiner Gedankenspiele. Die historische Bedeutung des alten Baumes könne dabei in den Blickpunkt gerückt werden. Doch auch andere Finanzierungswege wären Hubert Deitmerg recht. Wichtig wäre ihn nur, dass am Standort der alten Feme-Eiche, die zu einem Wahrzeichen Dresels geworden ist, an deren Geschichte und an die mittelalterliche Gerichtsstätte erinnert wird.

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