Ein eher blasses „Werdohler Gespräch“

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Peter Kölsche referiert unter dem Thema „Ritter, Adel, Bauernschaft“ über die Geschichte Pungelscheids.

WERDOHL - Viele der 19 Folgen der „Werdohler Gespräche“ waren gekennzeichnet von Spannung, interessanten Aspekten und einem trefflich inszenierten Wechselspiel zwischen Moderatoren und Gästen. Die 20. Auflage am Mittwochabend hingegen blieb blass.

Von Rainer Kanbach

Sie wirkte im freien Wort mitunter stümperhaft und ließ es kaum zu, dass sich das Publikum begeistern ließ. Die Sagen, die diese Höhen umranken – wie der Tunnel von Pungelscheid nach Versevörde – kamen zu kurz.

Dabei war das Thema vielversprechend. Es ging um Pungelscheid und seine Geschichte. Mit dem Untertitel „Ritter – Adel – Bauernschaft“ wollte Peter Kölsche nach den Worten des Vorsitzenden des Kulturvereins Werdohl heute, Günter Vogt, eigentlich all das nachholen, was beim jüngsten „Werdohler Gespräch“ über die verschiedenen Ortsteile zu kurz gekommen war.

Der Andrang im Bauerncafé Hurst auf der Repke – erstmals und durchaus sinnvoll Schauplatz dieser Veranstaltung – war beachtlich. Die Sitzgelegenheiten an den Tischen reichten nicht; es mussten Stühle nachgestellt werden. Das in großer Erwartung versammelte Publikum erlebte zudem eine Premiere. Die beiden Vortragsblöcke von Peter Kölsche wurden jeweils eingeleitet durch mehrere Instrumentalbeiträge von Sarah Zajusch, die im Fach Mandoline als Bundessiegerin im Wettbewerb „Jugend musiziert“ gefeiert werden konnte.

Und dann kam Peter Kölsche – als Alleinunterhalter, nicht begleitet durch einen Moderator. Irgendwo bei Karl dem Großen setzten seine Ausführungen ein. Vor etwa 1000 Jahren sei Pungelscheid in den Akten der Oberen erstmals erwähnt worden, um dann aber gut 300 Jahre in eine „dunkle Zeit“ abzutauchen. Danach wurde die Ahnentafel derer von Neuhoff entwickelt. Die Rede war zum Beispiel von Röttger, der zwar Pungelscheid im 14. Jahrhundert erworben hatte, dort aber nie gelebt hat.

Nach Hinweisen auf die Bezüge zur Kirche und wirtschaftlichen Existenz dümpelte der Vortrag schließlich in die Zeit, die den meisten Werdohlern zumindest ansatzweise ein Begriff ist: Theodor von Neuhoff (geboren 1692), dessen Vater Leopold Wilhelm bei Erbangelegenheiten ausgeblendet war. Eben dieser Sohn, der zwar 1736 zum König von Korsika ernannt wurde, aber in Wahrheit eher Abenteurer und Spieler war, hat nie in Pungelscheid gelebt, so Peter Kölsche. Nach Machtverschiebungen in Korsika konnte er nicht mehr auf die Insel zurück, landete im Londoner Schuldgefängnis und starb wenig später nach seiner Entlassung.

Viel geblieben ist vom historischen Pungelscheid und dem Geschlecht derer von Neuhoff nicht. Der zuletzt noch verbliebene Torbogen der ehemaligen Burg Pungelscheid wurde 1964 abgerissen, wie auch das alte Drostenhaus auf dem heutigen Friedrich-Keßler-Platz. Geblieben sind ein Bruchsteinhaus und das Gewölbe der früheren Gaststätte Zur Burg am Düsternsiepener Weg sowie ein Ziehbrunnen. Geblieben sind neben den Haferkästen auch Straßennamen, die an die Geschichte des Ortsteils erinnern – wie Turmstraße, Burggrafenstraße, Reidemeister- und Meilerstraße. Und natürlich haben auch sogenannte Vorwehr-Höfe – wie Almecke oder Repke – den Sprung in die Gegenwart geschafft.

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