Ehen in Werdohl: Beständigkeit trotz lockerer Gesellschaft

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Immer mehr Paare tendieren dazu, den Bund der Ehe erst etwas später einzugehen – nach der Ausbildung und einer gewissen finanziellen Sicherheit. Das zeichnet sich zumindest in den Erfahrungen der Pfarrer der Werdohler Kirchengemeinden ab.

Werdohl - 67 Ehen wurden im vergangenen Jahr in Werdohl geschlossen – das sind 31 weniger als im Jahr 2015 und 20 weniger als 2014. Einen eindeutigen Trend zu weniger Hochzeiten sieht Standesbeamtin Bettina von Kalle aus Werdohl aber nicht.

Es seien immer wieder Jahre dazwischen, in denen die Nachfrage fehle. In den christlichen Gemeinden scheinen die Auswirkungen ähnlich – jedoch mit deutlicheren Erkenntnissen. 

Wer sich in Werdohl standesamtlichen trauen lassen will, hat dazu im Trauzimmer der Stadt die Möglichkeit – außenliegende Optionen gibt es nicht. Private Details der Paare erfahren die Standesbeamten selten; außer, das Brautpaar wünscht sie explizit in der Traurede. „Das ist meistens nicht der Fall“, sagt Standesbeamtin von Kalle. 

Tendenz ist minimal rückläufig

Die meisten Paare, die sich das Jawort geben wollen, seien eher jünger als höheren Alters – „letztlich ist es aber sehr gemischt; klare Trends zeichnen sich bei uns nicht ab.“ Im vergangenen Jahr wurde in Werdohl außerdem eine Lebenspartnerschaft geschlossen. 2015 war es keine und im Jahr 2014 drei. 

Etwas anders sieht das bei den kirchlichen Trauungen aus. Die Tendenz in der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl ist minimal rückläufig: 2016 waren es zwölf, 2015 noch 13 und im Jahr 2014 waren es 14 Trauungen, die durchgeführt wurden. In der katholischen Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade gaben sich 2016 sogar 17 Paare das Jawort – 2015 gab es einen kleinen Einbruch von nur sechs und im Jahr 2014 waren es 14 Trauungen. 

„Es gibt weniger ganz junge Paare“

Eindeutig ist aber: „Es gibt weniger ganz junge Paare“, sagt Dirk Grzegorek, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl. Dass die zu Trauenden Anfang 20 sind sei eher die Ausnahme – „die meisten Ehen werden mittlerweile ab Ende 20 geschlossen.“ Das bestätigt auch Irenäus Wojtko, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade. 

Das resultiere aus einer Art „privatem Versicherungsstatus“. „Die Paare sind meist einige Jahre zusammen, bevor sie heiraten wollen. Viele kümmern sich erst um die eigene Ausbildung, Kapital und Sicherheit“, sagt Wojtko. Die Ehe werde auch gesellschaftlich heute anders gesehen, sagt Pfarrer Grzegorek. „Die Leute sind sortierter.“ 

Tendenz zu ständiger Bewegung

Eine Veränderung in der Gesellschaft erkennt auch Wojtko: „Es gibt die Tendenz, dass Menschen ständig in Bewegung sind.“ Umso deutlicher falle die Entscheidung für die Ehe aus. „Die Überlegung dazu ist ganz konkret.“ Gerade das sieht Wojtko positiv: „Das Sakrament der Ehe darf nur einmal geschlossen werden. Dass die Paare sich für diese Bindung entscheiden – trotz der heute lockeren Gesellschaft – finde ich gut.“ 

Nicht nur der Weg bis zur Ehe scheint länger zu dauern – auch die Planung der Hochzeit geschehe langfristiger. „Die Gestaltung ist sehr individuell“, sagt Grzegorek. „Es soll aber immer dieser eine besondere Tag bleiben.“ Für diesen werde auch gerne viel investiert. Im Vordergrund stehe dabei aber immer die Segnung.

Musik und Tradition

Einen Vorteil gegenüber der standesamtlichen Trauung sieht Grzegorek im Umgang mit der Lebensgeschichte des Brautpaares – es fließe mehr davon mit ein. „Musik ist heutzutage ein Schwerpunkt bei Hochzeiten“, sagt Grzegorek. Das bestätigt auch Wojtko: „Die traditionelle Kirchenmusik gibt es immer weniger.“ 

Dennoch gebe es Paare, die es sehr klassisch halten und sich sogar an den Zeremonien der Eltern orientieren. Die Brautpaare wollen sich mit der Musik verbunden fühlen und beschäftigen sich mit Texten. „Ich nehme aber nicht alles in Beliebigkeit an – Musik muss immer eine hohe Qualität haben“, betont Grzegorek. 

Die größte Veränderung sehen die beiden Pfarrer jedoch in der Anzahl der Ehejahre. „Die Silberne oder sogar Goldene Hochzeit feiern – viele kommen dort gar nicht mehr an“, sagt Grzegorek. Das liege vor allem an der Altersverschiebung – 50 Ehejahre seien oft nicht mehr zu erreichen.

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