Grillmotor treibt Ahehammer

Der gebürtige Werdohler Klaus-Peter Rabe (l.) ist Fachanleiter bei einem Qualifzierungsbetrieb in Witten. Gemeinsam mit dem Maßnahmenteilnehmer Hans-Joachim Schumacher und weiteren Helfern bauen sie ein originalgetreues Modell des Ahehammers.

WERDOHL ▪ Bezahlen kann so einen Arbeitsaufwand niemand, muss es aber auch nicht. In einer Wittener Qualifzierungswerkstatt baut der ehemalige Werdohler Klaus-Peter Rabe mit Maßnahmenteilnehmern ein absolut originalgetreues Modell des Ahehammers. Weihnachten soll das Prachtstück fertig sein.

Von Voker Heyn

Klaus-Peter Rabe ist 62 Jahre alt und Fachanleiter bei der Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft Quabed der Diakonie in Witten. Rabe war schon zu seinen Werdohler Zeiten künstlerisch und kunsthandwerklich tätig und schmückte zahlreiche Werdohler Gebäude mit so genannter Lüftelmalerei.

Neben der Tankstelle in Versevörde hatte er das Geschäft „Die Tongrube“, dort verkaufte er Tonmasken und gab Töpferkurse. 1982 ging er nach Lüdenscheid und betrieb im Wasserschloss Haus Rahde im Volmetal eine Kunstschmiede. Nach einer sonderpädagogischen Zusatzausbildung arbeitete er eine zeitlang als Arbeitspädagoge bei den Märkischen Werkstätten in Kierspe. Anschließend machte er sich als freischaffender Künstler selbstständig und arbeitete noch als Fachberater für Künstlerfarben. Nach Witten ging er 1998 der Liebe wegen, bis 2010 blieb er dort als freischaffender Künstler tätig. Seit zwei Jahren ist er bei der Diakonie wieder fest angestellt. In einem ersten Projekt baute er mit Maßnahmenteilnehmern das Niedersachsenhaus als Modell nach. Dieses Haus wurde im Original in Quedlinburg aufgestellt, Rabe sah es dort im Urlaub.

Weil sich herausstellte, dass der Modellbau eine sehr gute arbeitspädagogische Maßnahme ist, suchte Rabe eine neue Idee. Die fand er in seiner alten Heimat: Den 450 Jahre alten Ahehammer. Mit vier Maßnahmenteilnehmern fuhr er mehrfach nach Werdohl beziehungsweise Herscheid. Mit Schmied Alfred Hinsching und Matthias Neuhaus trafen sich die vier Männer und eine Frau, um das Gebäude zu fotografieren und penibel zu vermessen. Rabe bekam von Hinsching Pläne, die mal Bauingenieure für eine Doktorarbeit gezeichnet hatten. Dazu gab es digitalisierte Pläne, die ebenfalls sehr hilfreich sind.

Ende Mai dieses Jahres begannen die Arbeiten an der Grundplatte. „Das ist ein wahnsinnig verzwicktes Teil“, meint Rabe, ist aber zuversichtlich, dass das ganze Modell bis Weihnachten fertig ist. Jüngst hat ein Teilnehmer einen Grillmotor ergattert, der die Wasserräder des Hammers antreibt. Die erste Etage ist fast fertig. „Wir stehen ja nicht unter Zeitdruck“, so Rabe, der aber Wert darauf legt, dass alle Teile heute wieder so hergestellt werden wie vor 450 Jahren. Zum Beispiel werden alle Steine von Hand geformt und gebrannt. Wie viele Stunden Arbeit im Modell stecken, zählt in Witten niemand.

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